Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit der Trucking-Queen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Daimlers Truck-Vorständin Karin Rådström, dem nächsten Buch-Versuch und Fonds-Ärger bei der Allianz.

Nicht nur Politikerinnen und Politiker überbieten sich derzeit mit Versprechen, bis wann ihr Land oder ihre Stadt klimaneutral ist. Der Bundestag hat bekanntlich gerade beschlossen, dass Deutschland in gut 23 Jahren ein klimaneutrales Industrieland sein soll. Die Grünen würden das Ziel gern deutlich früher erreichen, Markus Söder in Bayern ebenfalls ("bis 2040"). Und auch die Unternehmen setzen sich teils höchst ambitionierte Ziele: Die 700 weltgrößten Konzerne versprechen bis 2030 die Netto-Null, Daimler will schon ab 2022 nur noch klimaneutral Pkw produzieren, Bosch erklärte im Frühjahr, "als erstes globales Industrieunternehmen" schon 2020 klimaneutral gewesen zu sein.

Die Anstrengungen, den Klimawandel zu verlangsamen oder gar zu stoppen, sind gut. Freilich sind sie aktuell nur möglich, indem sich die Konzerne mit Klimaschutzzertifikaten eindecken. Ohne solche CO2-Kompensationen würde die Wirtschaft zusammenbrechen, weil die Treibhausgase oft technisch noch gar nicht vermieden werden können. Aktuelle Daten von diesem Montag belegen, dass bei Versteigerungen an der Deutschen Emissionshandelsstelle allein im ersten Halbjahr 2,4 Milliarden Euro zusammenkamen – Rekord.

Allerdings, das zeigt eine Inside-Recherche meiner Kollegin Eva Müller: Das Ganze ist in Teilen eine grüne Illusion.  Viele der angeblichen Klimaschutzprojekte, die den Konzernen als Kompensation für ihre Treibhausgase verkauft werden, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Bluff. Mit anderen Worten: Es fließen womöglich Milliarden in Fake-Projekte. Dem Klima bringt das gar nichts – und Konzernen und Managern droht nicht nur ein gewaltiges Reputationsrisiko, sondern womöglich auch juristischer Ärger. Nun steuern die ersten Konzerne um.

Tragischer Held: 100 Millionen Bäume wollte das Projekt "Plant for the Planet" von Gründer Felix Finkbeiner pflanzen, doch nach einer Überflutung dürften fast alle Setzlinge verloren sein. Nun findet sich das Projekt in einer "großen Umstrukturierung".

Tragischer Held: 100 Millionen Bäume wollte das Projekt "Plant for the Planet" von Gründer Felix Finkbeiner pflanzen, doch nach einer Überflutung dürften fast alle Setzlinge verloren sein. Nun findet sich das Projekt in einer "großen Umstrukturierung".

Foto: Daniel Berehulak / MAPS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Vonovia will es noch einmal wissen. Nachdem bekanntlich vor einer Woche auch der zweite Übernahmeversuch des Wettbewerbers Deutsche Wohnen gescheitert war (die Gründe für das Debakel erklären wir Ihnen hier ), will es Konzernchef Rolf Buch direkt nochmal versuchen. Er bietet auch einen Euro mehr pro Aktie.

  • Für die Allianz entpuppt sich der Ärger um die eigenen "Structured Alpha Fonds" doch zu einem eher gewaltigen Ärger. Nachdem die Fonds, deren Anlagestrategien der von Hedgefonds ähnelt, in den Corona-Turbulenzen gewaltige Verluste gemacht hatten, klagten US-Pensionsfonds. Es geht um Milliarden Dollar Schadensersatz. Konzernchef Oliver Bäte versuchte, das Thema klein zu halten. Doch jetzt ermittelt auch das US-Justizministerium. Für uns ist der Umgang damit ohnehin ein weiterer Beleg für die Wall-Street-Methoden des Allianz-Chefs. 

  • Twitter-Gründer Jack Dorsey hat bekanntlich noch eine zweite Tech-Perle: sein Fintech Square. Nun will er dessen Geschäft mit dem australischen Ratenkauf-Spezialisten Afterpay stärken – und bietet 29 Milliarden Dollar. Noch nie wurde so viel für ein australisches Unternehmen geboten. Motto des Deals: Buy now, pay later.

  • Der Markt für Elektroautos boomt: Gut eine Million E-Autos und Plug-in-Hybride wurden im ersten Halbjahr in Westeuropa verkauft. Eine Auswertung zeigt, welche Hersteller dabei am meisten profitieren. Spoiler: Tesla schlägt VW.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Was tun, wenn die lieben Kollegen nerven? Wenn Teammitglieder klagen, jammern und nörgeln, schaden sie damit schließlich nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Umfeld. Wie Sie Ihren Kollegen und Kolleginnen aus der Negativitätsspirale helfen und dabei sich selbst Gutes tun, beschreibt der renommierte Coach Manfred Kets de Vries, der auch Professor an der französischen Management-Akademie Insead ist. Hier sein sehr konkreter und ausführlicher Leitfaden. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Neuer Stern: Die schwedische Managerin Karin Rådström soll für Schwung in Stuttgart sorgen

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Foto:

Daniel Delang für manager magazin

  • Bis zum Ende des Jahres will Daimler sich aufspalten und seine LKW-Sparte an die Börse bringen, als Daimler Truck Holding soll sie sogar ebenfalls in den Dax aufsteigen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Karin Rådström. Sie ist der Gegenpol zum üblichen Vorstand der Lastwagengruppe. Die Daimler-Manager fühlten sich traditionell als Kings of the road, immer breitbeinig und gern als Letzte an der Bar. Die von Scania geholte Schwedin dagegen ist jung, weiblich, erfolgreich. Konventionen? Ihr Vorbild ist Lady Gaga. Meine Kollegin Margret Hucko hat sie getroffen, hat mit früheren Begleitern und Förderern gesprochen und ein Porträt der Frau geschrieben, auf deren Schultern nun "ein Großteil der Last liegt", wie Analysten sagen. Queen of the road. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny