Christoph Rottwilm

Der Tag im Überblick Tech-Konzerne, Stahlkisten und Dax-Kandidaten

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit neuem Druck aus Peking auf Chinas Tech-Konzerne, einem frischen Druckwerk über Elon Musk und Karrierechancen ohne Druck.

Peking lässt nicht locker. Als chinesische Behörden im Herbst vergangenen Jahres den Börsengang der Ant Group verhinderten, gab es ein ziemliches Rätselraten über die Motive dahinter: Wurde den Staatslenkern der Volksrepublik der Alibaba-Konzern, zu dem der Finanzdienstleister Ant gehört, schlicht zu mächtig? Richtete sich die Maßnahme gar gegen Jack Ma persönlich, den Alibaba-Gründer und Multimilliardär, der kurz zuvor mit kritischen Äußerungen gegen Chinas Finanzsystem auf sich aufmerksam gemacht hatte?

Gut möglich, dass beides eine Rolle spielte. Fakt ist aber: Das kommunistische Regime hat seine Eingriffe in den vergangenen Monaten auf weitere Tech-Konzerne des Landes ausgeweitet – im Visier der Machthaber befinden sich nicht einzelne Unternehmen, sondern die gesamte Branche. Den neuesten Schlag setzte die Führung des Landes am heutigen Dienstag, als die Wettbewerbsbehörde SAMR gleich ein ganzes Bündel neuer Regulierungspläne bekanntgab. Damit sollen der Wettbewerb sowie die Datenverarbeitung durch die IT-Unternehmen stärker kontrolliert werden. Klar, dass die bislang sehr freien (und steuerlich massiv geförderten) Geschäftsmöglichkeiten der Konzerne auf diese Weise eingeschränkt werden – entsprechend verschreckt reagierten einmal mehr die Investoren am Aktienmarkt.

Im Grunde vollzieht sich in China ein Politexperiment, das auch die Wettbewerbshüter im Westen genau beobachten. Wie viel Regulierung ist möglich, um die Monopole der Giganten zu schwächen – ohne deren globale Wettbewerbsfähigkeit zu untergraben (in etlichen Feldern setzen Alibaba, Tencent & Co. ja durchaus Standards)? Gern sei Ihnen angesichts der Eingriffe noch einmal die vertiefende Einordnung aus dem aktuellen "Economist" empfohlen, die den sich abzeichnenden Masterplan Pekings beschreibt: Was China im Tech-Sektor plant .

Fans auf einer Spielemesse in China: Der IT-Konzern Tencent befindet sich wie andere im Visier chinesischer Regulierer

Fans auf einer Spielemesse in China: Der IT-Konzern Tencent befindet sich wie andere im Visier chinesischer Regulierer

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • ... beginnen heute logistisch: Die Deutsche Post baut ihr Geschäft mit dem Verschiffen von Getränken aus und kauft für 1,5 Milliarden Euro das Mainzer Unternehmen Hillebrand. Der Chef des Logistikspezialisten ist ein alter Bekannter.

  • Ein verwandtes Gewerbe ist das Geschäft der Lieferdienste, das hart umkämpft ist - und bislang nicht nachhaltig profitabel. Den Beleg dafür lieferte heute einmal mehr der Lieferando-Eigner Just Eat Takeaway, der aufgrund starker Investitionen im ersten Halbjahr einen Verlust von 190 Millionen Euro verbuchte. Immerhin: Laut Firmenchef Jitse Groen soll sich die Profitabilität künftig bessern.

  • Schlechte Nachrichten auch aus der deutschen Zulieferindustrie: Unternehmen wie Continental oder Bosch müssen sich zunehmend der Konkurrenz aus Asien erwehren, zeigt eine neue Studie. Laut der bauten die Firmen aus Fernost ihren Marktanteil zuletzt weiter aus - und setzten hiesige Unternehmen unter Zugzwang.

  • Und auch dies dürfte die Stimmung kaum heben - jedenfalls nicht in der Versicherungsbranche: Die Finanzaufsicht Bafin taxiert den Teil der Flutschäden der vergangenen Wochen, den die Versicherer tragen müssen, auf bis zu 5,7 Milliarden Euro.

Was uns heute sonst noch wichtig war:

  • Ein Fundstück aus dem Kosmos an Geschäftsideen hiesiger Unternehmer präsentiert Ihnen mein Kollege Martin Mehringer: Er berichtet von zwei Seriengründern, die das große Geschäft mit müden Truckern wittern. An Rastplätzen und Tankstellen wollen sie mit ihrem Start-up Roatel Hotels eröffnen - aus ausrangierten Schiffscontainern: Containerhotels an der Autobahn 

  • Anfang September steht im Dax die größte Reform seit Gründung des Leitindex vor mehr als 30 Jahren an: Anstatt bisher 30 werden dann 40 Unternehmen in dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer notiert. Zehn Unternehmen werden also auf einen Schlag aus dem MDax in den Dax aufsteigen - hier erfahren Sie, welche (vermutlich).

  • "Power Play - Tesla, Elon Musk And The Bet Of The Century" - unter diesem zurückhaltenden Titel beschäftigt sich ein neues Buch mit dem Elektroautobauer aus Kalifornien und seinem teils umstrittenen Chef. Mein Kollege Wilfried Eckl-Dorna hat es bereits gelesen. Lohnt also die Lektüre? Hier erfahren Sie's.

Meine Empfehlung für den Abend:

Menschen im Berufsleben: Der Weg nach oben ist nicht mehr der, der er einmal war

Menschen im Berufsleben: Der Weg nach oben ist nicht mehr der, der er einmal war

Foto: Ezra Bailey / Getty Images
  • Jobeinstieg am unteren Ende der Karriereleiter, dann klettern, klettern, klettern, bis man ein Stück weiter oben (oder sogar ganz oben) angekommen ist - dieses traditionelle Karrieremodell hat ausgedient. Vor allem Wissensarbeiter wollen sich nicht mehr an Unternehmen und Gegebenheiten anpassen, nur um voranzukommen. Sie wollen die Bedingungen ihres Aufstiegs selbst mitbestimmen und gestalten. Für die Arbeitswelt bedeutet das einen fundamentalen Wandel. Noch steht die Entwicklung am Anfang, aber die Zukunft hat schon begonnen. Meine Kollegin Christina Kestel beschreibt sie in der Titelgeschichte des neuen Harvard Business manager: Persönlicher Erfolg - wie viel Karriere passt zu mir? 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm