Christoph Rottwilm

Der Montag im Überblick Aldis Kampf und Immobilienmärkte unter Dampf

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Aldis Comeback-Versuch, Zoff bei Bayer und neuen Köpfen bei C&A.

Aldi – das war einmal das beste Handelsunternehmen der Welt. Mit klarem Profil und konsequenter Niedrigpreisstrategie, die die Gründer Theo und Karl Albrecht schon vor Jahrzehnten erdacht hatten. So wuchs der Discounter bis vor wenigen Jahren zu einem Koloss heran, mit 250.000 Beschäftigten, rund 120 Milliarden Euro Umsatz und Filialen auf vier Kontinenten. Das Erfolgsgeheimnis: Aldi war auf maximale Effizienz getrimmt und gab den Menschen das Gefühl, dass sie dort zum bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis einkaufen konnten. Ein überschaubares Sortiment, alles immer am gleichen Platz, keine Verschwendung bei der Ladeneinrichtung und kein übertriebenes Anpreisen irgendwelcher Angebote.

Und heute? Aldi hat seine Hochzeiten lange hinter sich, die Konkurrenz ist vorbeigezogen, heiße sie nun Edeka, Rewe, Lidl oder anders. Viele Lebensmittelketten legten in der Corona-Pandemie zu, Aldi nicht. Seit dem Tod der Aldi-Gründer vor mittlerweile etwa einem Jahrzehnt hat der Handelsriese den Anschluss in der Branche verloren. Während die Konkurrenz etwa erfolgreiche Online-Zweige aufbaut, verzettelt sich Aldi in langwierigen Versuchen, die vor Jahrzehnten getrennten Teile Nord und Süd wieder zusammenzubringen.

Meine Kollegen Margret Hucko und Martin Mehringer haben den Problemfall Aldi analysiert und mit vielen Beteiligten und Beobachtern gesprochen. In ihrem Inside-Report beschreiben sie den Aufstieg und Niedergang des Handelskonzerns – und die jüngsten Versuche, dem Unternehmen wieder zum Comeback zu verhelfen. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Aldis Absturz 

Zurück zum Wesentlichen: Aldi sucht den Anschluss an die Konkurrenz

Zurück zum Wesentlichen: Aldi sucht den Anschluss an die Konkurrenz

Foto: DPA

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Leise Rebellion bei Bayer: Der Staatsfonds Temasek aus Singapur hält bereits seit einigen Jahren Anteile am Pharmariesen und zählte bislang zu den stillen Unterstützern des Kurses von Unternehmenschef Werner Baumann. Doch das scheint sich in letzter Zeit geändert zu haben. Temasek erhöhte zuletzt latent den Druck auf Bayer und fordert nun offenbar sogar die Ablösung Baumanns, weil dieser nicht die erhoffte Leistung bringe. Beobachter wundern sich über den Vorstoß: Temasek äußert sich sonst kaum zu seinen Investments – und ein Ablösebegehren gegen den CEO wenige Wochen vor der Hauptversammlung erscheint allzu kurzfristig, um Aussicht auf Erfolg zu haben.

  • Verstärkung für C&A: Giny Boer, Chefin der angeschlagenen Textilkette, will mit ihrer Agenda "ONE C&A" das Online-Geschäft ausbauen und die Strukturen verschlanken. Dafür holt sie sich neue Köpfe ins Haus: Als Nachfolgerin für den kürzlich abgetretenen Einkaufschef Martijn van der Zee kommt die Niederländerin Suzanne McKenna vom Schuhhersteller Clarks, die vor allem die C&A-Kollektion modernisieren und nachhaltiger machen soll. Zudem richtet Boer die Position des Chief Operating Officers neu ein. Besetzt werden soll der Posten mit Jason Morgan, früher Senior Vice President des Schmuckhändlers Pandora. Er soll in seiner neuen Rolle die Geschäftsabläufe von C&A verbessern, heißt es.

  • Immobilienpreise schnellen hoch: Die Nachfrage ist groß und das Geld günstig, kein Wunder also, dass Häuser und Wohnungen in Deutschland im Schnitt weiterhin teurer werden. Zuletzt beschleunigte sich der Preisanstieg sogar auf Rekordtempo. Von Oktober bis Dezember 2021 erhöhten sich die Preise um durchschnittlich 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – so schnell ging es laut Statistischem Bundesamt seit mehr als 20 Jahren nicht aufwärts.

  • Zahl der Börsengänge knickt ein: 2021 boomte weltweit das Geschäft mit Börsengängen, und auch zu Beginn dieses Jahres debütierten noch viele Unternehmen am Aktienmarkt. Doch der Krieg in der Ukraine hat die Stimmung verdorben: Einer Analyse der Unternehmensberatung EY zufolge brachen die IPO-Zahlen zuletzt förmlich ein.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Viele haben das schon erlebt: Sie haben eine vielversprechende Idee, beispielsweise, wie ein Produkt verbessert werden kann, oder wie ein Arbeitsablauf noch effizienter wäre. Aber wie platzieren Sie diesen Gedanken erfolgreich bei Ihrer Chefin oder Ihrem Chef? Ethan R. Burris, Professor an der University of Texas, beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit dieser Frage, und er hat auch eine Antwort darauf. Zwei Faktoren sind ausschlaggebend, sagt Burris: Das eigene Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, die richtigen Formulierungen zu finden. Die Details seiner Erkenntnisse hat der Fachmann für den Harvard Business manager aufgeschrieben: So begeistern Sie Ihren Chef für Ihre Ideen 

Meine Empfehlung für den Abend:

Angst und Schrecken: Menschen fliehen am 9. März über eine improvisierte Brücke in Irpin nahe Kiew vor dem Krieg

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Foto: Gianluca Cecere/laif
  • Kaum hatte Russland die Ukraine Ende Februar angegriffen, da beschloss der Krisenstab des Onlinehändlers Autodoc, einen Bus zu chartern, um 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens aus Charkiw in der Ostukraine zu evakuieren. Eine Fluchtfahrt unter Lebensgefahr. Doch es ging gut, die Leute von Autodoc erreichten wohlbehalten den Westen des kriegsgeschüttelten Landes. Viele deutsche Unternehmen haben wie Autodoc Niederlassungen und Mitarbeiter in der Ukraine oder sorgen sich um Beschäftigte in Russland. Viele Unternehmen haben deswegen Krisenstäbe eingerichtet. Mein Kollege Christoph Neßhöver schildert die Arbeit solcher Task-Forces. Er hat mit den Krisenmanagern von Autodoc ebenso gesprochen wie mit jenen des Anlagenbauers SMS Group aus Düsseldorf sowie des Sensorenherstellers Sick AG in Waldkirch. Seine Schilderungen geben einen hautnahen Eindruck davon, wie stark der Ukraine-Krieg die Arbeit von Unternehmen in Deutschland verändert hat: Um Leben und Tod – die Arbeit der Kriegs-Taskforces 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm