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Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Kultvermieter auf Corona-Kur, Stahlkocher auf Luxus-Trip

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Kultvermieter, für den die Corona-Krise zur rettenden Kur geriet, einem alten Luxus-Casino von ThyssenKrupp und einem deutschen Firmenjäger, für den die nahende Rezession zur Chance wird.

Wenn Sie jetzt kurz vor den Herbstferien noch nach einer netten Unterkunft suchen, stöbern Sie wahrscheinlich bei Booking oder bei Airbnb, den beiden wertvollsten Reiseunternehmen der Welt. Vor allem das Übernachtungsportal Airbnb, viele Jahre lang eine chronisch defizitäre Weltmarke, schreibt plötzlich Milliardengewinne. Nach zwei Jahren Pandemie und zahlreichen Lockdowns eine erstaunliche Entwicklung.

Ausgerechnet die Corona-Krise brachte die Wende zum Erfolg. Sie zwang Airbnb-Chef Brian Chesky, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für die Bettenbörse, die als "Amazon des Reisens" zeitweise überall mitmischen wollte, sogar bei Flugtickets und organisierten Ausflügen, war das ein radikaler Schwenk. Heute geht fast alle Kraft ins Kerngeschäft: Die Kurzzeitvermietung von Wohnraum aller Art.

Der Kultvermieter aus Kalifornien wurde auch deshalb zum Krisengewinner, weil die Pandemie gleich mehrere Trends hervorbrachte, von denen Airbnb jetzt massiv profitiert. Neben der Nachfrage nach Unterkünften abseits der Hotellerie hat Corona das digitale Nomadentum gestärkt. Menschen arbeiten jetzt von überall, gern auch in einer Bleibe aus dem Netz. Der Buchungskiller Corona wurde zum Treibsatz für neues Geschäft. Wie Airbnb seine Bewertung von rund 80 Milliarden Dollar verteidigen und seine aktuellen Milliardengewinne steigern will, berichtet unser Kollege Michael Machatschke in unserer Hintergrundstory auf manager magazin.de, für die er auch ausführlich mit einem der Mitgründer sprach: Airbnb. Endlich zuhause.

Überirdisch: Kaum eine Unterkunft zeigt Airbnb lieber als das bewohnbare Ufo aus Großbritannien

Überirdisch: Kaum eine Unterkunft zeigt Airbnb lieber als das bewohnbare Ufo aus Großbritannien

Foto: PR

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Geringere Umsatzsteuer auf Gas: Die Bundesregierung will an der Mehrwertsteuersenkung auf Gas bis Ende 2024 festhalten, auch wenn die eigentlich ab Oktober geplante Gasumlage wegfallen sollte. Zur Entlastung der Menschen soll die Umsatzsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent sinken.

  • Vonovia will Mietern bei Zahlungsverzug kündigen: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia will Mieter notfalls kündigen, die wegen der stark gestiegenen Nebenkosten in Zahlungsrückstand geraten. Laut Vonovia-Chef Rolf Buch will der Konzern aber vorher mit den Betroffenen nach Lösungen suchen und nach einem Stufenmodell vorgehen. Erst bei Schulden von zwei Monatsmieten oder mehr könne es zur Kündigung kommen.

  • "Die meisten Aktien meiden": Die Profianleger von Goldman Sachs und Blackrock halten Aktien in den kommenden Monaten für zu riskant. Sie warnen vor Rezessionsrisiken und weiteren Kursrückschlägen. Laut der US-Großbank Goldman Sachs sind die Tage des sogenannten TINA Mantras – die Kurzform für "There is no Alternative" – vorbei. Durch die steigenden Zinsen seien Anleihen als Alternative zu Aktien wieder attraktiv geworden.

  • Aufregung um die Pipelines: An den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wurden unter der Ostsee insgesamt drei Lecks entdeckt. Die Ursache für die Löcher ist unklar. Polen schließt Sabotage durch einen staatlichen Akteur nicht aus. Dänemark und Schweden haben Krisenstäbe einberufen. Der Überblick auf manager-magazin.de

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das einstige Luxushaus von Thyssenkrupp: Als Martina Merz 2019 den Chefposten von Thyssenkrupp übernahm, verschaffte sie sich einen Überblick über das Firmengeflecht. Erst spät stieß sie auf ein feines Edel-Casino in Hagen-Hohenlimburg, dessen Broschüre einst unter der Hand weitergereicht wurde. Über Jahrzehnte kamen dort Stahlbarone mit Konkurrenten und Kunden zusammen, die meisten Gäste wurden aus Diskretionsgründen gar nicht erst eingebucht. Die Broschüre preist das Haus als "Gourmet-Tempel", zehngängige Menüs waren nicht selten. Noch im Jahr 2009, als Thyssenkrupp knapp zwei Milliarden Euro Verlust schrieb, erfreute sich das Luxushaus großer Beliebtheit. Wen Martina Merz jetzt noch ins Casino hereinlässt und wen nicht, hat unsere Kollegin Kirsten Bialdiga aufgeschrieben.

  • Das Börsenereignis der Woche: An diesem Donnerstag sollen die Aktien der Porsche AG erstmals an der Börse gehandelt werden. Es wird der größte Börsengang in Deutschland seit dem IPO der Telekom vor 25 Jahren. Und auch in der Weltrangliste der größten Börsengänge könnte Porsche einen Platz unter den Top 20 erreichen. Unsere Kollegin Marleen Gründel hat die Details für Sie auf manager-magazin.de.

  • Bessere Ideen – gewusst wie: Sollten Sie morgen Abend (oder am Donnerstagmittag) Lust auf 45 inspirierende Minuten haben, möchten wir Ihnen eine digitale Veranstaltung unserer Kollegen von manage › forward ans Herz legen. Der Innovationsexperte Simon Blake stellt dort einfache Methoden vor, um mit systematischer Inspiration bessere Ideen zu entwickeln. Die Teilnahme ist kostenlos, hier finden Sie alle weiteren Informationen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Turnaround-König Walter Droege (rechts) schien an der Spitze seiner Holding unersetzbar. Doch nun bringt Sohn Ernest die erfolgreichste deutsche Firmensammlung in Familienhand in noch erstaunlichere Dimensionen.

Turnaround-König Walter Droege (rechts) schien an der Spitze seiner Holding unersetzbar. Doch nun bringt Sohn Ernest die erfolgreichste deutsche Firmensammlung in Familienhand in noch erstaunlichere Dimensionen.

  • Der Firmenjäger und sein Milliardärsvater: Die Droege Group zählt zu den erfolgreichsten deutschen Firmensammlungen in Familienhand. Einst zog der Bauernsohn und Turnaround-Spezialist Walter Droege aus, um angeschlagene deutsche Mittelständler einzusammeln und mit harter Hand zu sanieren. Sein Sohn Ernest Droege ist nun dabei, das Geschäft zu einer Private-Equity-Gesellschaft auszuweiten und dafür auch Geld von familienfremden Investoren einzusetzen. Zum Portfolio der Droege Group gehören rund 200 Firmen mit 14 Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Mitarbeitern, darunter Trenkwalder, Weltbild oder Halix. Unser Kollege Thomas Werres beschreibt auf manager-magazin.de, wie sich die nahende Rezession nun für Vater und Sohn zu einem "Meer der Möglichkeiten" entwickelt.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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