Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit neuen Strategien und Strategen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Adidas' neuem Strategieplan, dem Abschied von Volkswagens Strategiechef und einem neuen Weltchef für McKinsey.

"Own the game" nennt Kasper Rorsted seine neue Strategie für Adidas: "Mach das Spiel". Hinter dem sportlichen Vokabular verbirgt sich der wenig überraschende Fünf-Jahres-Plan des Konzernchefs: Die USA und China sollen als dominierende Märkte in den Fokus rücken, man will mehr Frauen als Kundinnen gewinnen, mehr Nachhaltigkeit auf allen Ebenen erreichen, sich aufs Kerngeschäft anstatt auf Nischenmärkte konzentrieren und den Direktvertrieb online wie auch in eigenen Filialen ausbauen. Allein im Internet will der Konzern im Jahr 2025 acht bis neun Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften, doppelt so viel wie zuletzt.

Nach dem Gewinneinbruch im Corona-Jahr muss Rorsted das Spiel auch dringend wieder an sich ziehen. Vor allem intern gilt der CEO mit seinem kompromisslosen Shareholder-Value-Ansatz zunehmend als umstritten, reihenweise suchten jüngst Spitzenkräfte das Weite. Dem Kulturkampf bei Adidas hatten wir im Februar unsere Titelgeschichte  gewidmet, die ich Ihnen an dieser Stelle gerne noch einmal empfehle. Vom Erfolg seiner Strategie hängt nun ab, ob der Däne als Held in die Konzerngeschichte eingeht – oder als Verlierer. Von Rorsteds großer Wette berichtet Christoph Neßhöver.

Die Personalien des Tages:

Abschied von VW: Michael Jost will zur Familie nach München

Abschied von VW: Michael Jost will zur Familie nach München

Foto: Metodi Popow /imago images
  • Binnen weniger Wochen verliert Volkswagens Konzernchef Herbert Diess seinen zweiten zentralen Mann. Erst vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass der für die klassische Unternehmensstrategie verantwortliche Jürgen Rittersberger als Finanzvorstand zu Audi wechselt. Nun hat Strategiechef Michael Jost angekündigt, Volkswagen zu verlassen. Nach 25 Jahren Wochenendehe wolle er wieder mehr Zeit für Familie und Privates haben. Jost geht mit einem Erfolg, er hinterlässt einen Plan für autonom fahrende E-Autos - aber nicht nur Freunde.  Sein Nachfolger soll von Porsche kommen: Gernot Döllner soll die Jobs beider Ex-Strategen gebündelt übernehmen.

  • Die 650 Seniorpartner von McKinsey haben sich auf einen neuen Chef geeinigt. Nachdem sich bei der Consultingfirma zuletzt die Skandale gehäuft und die Berater dem globalen Chef Kevin Sneader die Wiederwahl verweigert hatten, wird Bob Sternfels zum neuen Chef. Bisher leitet Sternfels von San Francisco aus die globalen Kundenbeziehungen. Seine Aufgabe wird es nun sein, McKinseys Willen sich zu ändern, nach außen glaubhaft zu machen.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Rund 2,5 Prozent aller weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto des internationalen Seeverkehrs. Obwohl es zu schmutzigem Schweröl längst auch klimafreundliche Treibstoffalternativen für Containerschiffe gibt, steigen die Reeder viel zu langsam um. In China fertigen Monteure derzeit den weltweit ersten Riesentanker, der sich mit Ammoniak betreiben lässt. Das könnte der CO2-neutrale Treibstoff der Zukunft sein – doch die Pionierarbeit ist schwierig. 

  • Dirk Wössner, der frühere Deutschland-Chef der Telekom, ist nun da, wo er schon längst hinwollte: auf einem veritablen Chefposten. Bei der Compugroup macht er jetzt in E-Health. Dort muss er mit einem Patriarchen zurechtkommen. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Was haben Blind Dates und Begegnungen im Arbeitsleben gemeinsam? Mehr als Sie denken. In Millisekunden entscheidet sich, wie Sie beim Gegenüber ankommen. Es ist der sogenannte Primäreffekt, der unser Urteil über Menschen prägt: Die ersten Informationen über eine Person beeinflussen, wie wir spätere Informationen interpretieren. Oder kurz: Der erste Eindruck ist sehr, sehr wichtig, sei es für eine Bewerbung, Beförderung oder Kundenbeziehung. Partnervermittlerin Rachel Greenwald ist Expertin für Beziehungen, private wie berufliche. Sie gibt fünf Tipps, die den ersten Eindruck verbessern – egal, ob digital oder persönlich.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying