Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Gute Nachrichten für alle Sparer, Nervenschlacht bei Adidas

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem nervösen Adidas-Chef, guten Nachrichten für Sparer und Dividendenjäger sowie einer C&A-Chefin, die auf nachhaltige Mode setzt.

Wenn Adidas-Chef Kasper Rorsted an diesem Donnerstag die Aktionäre zur virtuellen Hauptversammlung begrüßt, dürfte das Klima trotz milder Mai-Temperaturen frostiger sein als sonst. Der Aktienkurs hat sich binnen Jahresfrist beinahe halbiert. Der Corona-Lockdown und der Umsatzeinbruch in China machen dem Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach schwer zu schaffen. Bei der Vorstellung der Zahlen zum ersten Quartal kam Adidas nur hauchdünn um eine Gewinnwarnung herum. Währungsbereinigt sank der Umsatz weltweit um 3 Prozent. Der Konzern kämpft derzeit gegen einen gefährlichen Abwärtstrend, der ihn aus der Spitzengruppe der Branche befördern könnte.

Konkurrenten wie Nike oder Puma zogen sich besser aus der Affäre. Bei Nike wuchs der Umsatz zwischen Dezember und Februar währungsbereinigt um 8 Prozent. Bei Puma stieg der Umsatz zwischen Januar und März um satte 20 Prozent. Zudem ist das Asien- und Chinageschäft für Puma weniger wichtig als für Adidas.

Rorsted hat den Adidas-Aktionären versprochen, ihnen bis 2025 bis zu neun Milliarden Euro auszuschütten. Sollte es dem Chef nicht gelingen, das China-Geschäft bald wieder in Schwung zu bringen, könnte dieses Ziel in Gefahr geraten. In der Story "Der chinesische Patient" berichten unsere Kollegen Christoph Neßhöver und Sven Clausen detailliert über die Probleme, die Adidas nicht nur während der Hauptversammlung beschäftigen werden.

Als die Adidas-Welt noch in Ordnung war: Im Sommer 2019 beging CEO Kasper Rorsted den 70. Geburstag des Sportartiklers. Dann kam die Pandemie – und mit ihr jede Menge Probleme.

Als die Adidas-Welt noch in Ordnung war: Im Sommer 2019 beging CEO Kasper Rorsted den 70. Geburstag des Sportartiklers. Dann kam die Pandemie – und mit ihr jede Menge Probleme.

Foto: REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Online-Bank ING hebt Strafzinsen für Privatkunden auf: Eine gute Nachricht für alle Sparer. Als eine der ersten großen Banken streicht die ING Deutschland das sogenannte Verwahrentgelt für fast alle Privatkunden. Ab dem 1. Juli wird der Freibetrag für Guthaben auf Giro- und Tagesgeld-Konten auf 500.000 Euro erhöht, teilte die ING mit. Weitere Banken dürften im Sommer folgen. Angesichts steigender Zinsen geht die Zeit, in der Sparer Strafzinsen für ihre Bankguthaben zahlen müssen, damit dem Ende entgegen.

  • Börsengang der Porsche AG rückt näher: Der Großaktionär Porsche SE hat seinen Anteil an Volkswagen leicht erhöht. Der Anteil an Europas größtem Autokonzern liegt nun bei knapp 32 Prozent, teilte die Familienholding am Dienstag mit. Der Schritt wird am Kapitalmarkt als Anzeichen dafür gewertet, dass die Porsche SE trotz des Ukraine-Krieges mit einem baldigen Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche AG rechnet.

  • Marilyn-Monroe-Porträt erzielt Rekordpreis: Ein Porträt der Hollywood-Legende Marilyn Monroe von Pop-Art-Künstler Andy Warhol ist am Montag für den Rekordpreis von 195 Millionen Dollar versteigert worden. Warhols Werk ist damit das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk aus dem 20. Jahrhundert, teilte das Auktionshaus Christie´s in New York mit. Warum vermögende Menschen derzeit Spitzenkunstwerke als Schutz vor Inflation suchen und warum das Jahr 2022 ein Rekordjahr für den Auktionsmarkt werden könnte, lesen Sie zudem in unserer Hintergrundstory "Warhol, Banksy, Beeple – der neue Boom am Kunstmarkt".

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • 57 Milliarden Euro Dividenden für Dax-Aktionäre: Der Kursrutsch an den Börsen bereitet derzeit vielen Anlegern Sorgen. Einerseits. Doch andererseits schütten die Konzerne derzeit so viel Geld aus wie selten zuvor: Laut einer Studie der DZ Bank werden die Unternehmen aus Dax, MDax und TecDax in diesem Jahr insgesamt 57 Milliarden Euro an Dividenden an ihre Aktionäre auszahlen. Viele Konzerne machten nach dem Corona-Einbruch 2021 im Jahr 2022 wieder gute Geschäfte, sodass die Dividendensumme um rund 30 Prozent gestiegen ist. Die Dividendenrendite im Dax liegt bei durchschnittlich 3,5 Prozent: Autobauer wie BMW, Mercedes und VW bieten aktuell mehr als 5 Prozent Dividendenrendite, bei BASF und Covestro sind es derzeit mehr als 7 Prozent. Alles, was Sie über die besten Dividendentitel in dieser Saison wissen müssen, hat unser Kollege Christoph Rottwilm Ihnen hier samt ausführlicher Tabellen zusammengestellt: Die besten Dividendenaktien des Jahres.

Meine Empfehlung für den Abend:

Comeback für einen Lebenstraum: Giny Boer will C&A zur ersten Adresse für nachhaltige Mode umbauen

Comeback für einen Lebenstraum: Giny Boer will C&A zur ersten Adresse für nachhaltige Mode umbauen

Foto:

Marcus Simaitis für manager magazin

  • Wie Giny Boer C&A retten will: Viele haben die Modekette C&A bereits abgeschrieben. Doch die langjährige Ikea-Managerin Giny Boer glaubt an die Zukunft des Unternehmens. Seit 16 Monaten arbeitet die Niederländerin an einer fast unmöglichen Mission: der Rettung einer, wie sie sagt, Ikone. Sie ist die erste Frau an der Spitze des erzkonservativen Unternehmens. Im Interview mit unserem Kollegen Martin Mehringer erklärt Boer, wie die Rettung gelingen soll: Boer setzt auf radikales Sparen, eine Produktion in Europa und nachhaltige Mode.

Herzlich, Ihr Kai Lange