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Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Beharrliche Chinesen und grüne Zielkonflikte

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Suche nach einem Nachfolger für Kasper Rorsted, Rezessionsangst am Aktienmarkt und Rekord-Dividenden im Dax.

Bewunderer der Berliner Start-up-Szene blendeten einen Aspekt bislang beharrlich aus: Der Erfolg vieler Unternehmen hat mit Ausbeutung zu tun. Lieferdienste wie Gorillas oder der Kochboxenversender und Zeitweise-Dax-Konzern Hellofresh bauten ihren Erfolg auch auf einem Heer eher schlecht bezahlter Arbeitskräfte auf, viele davon aus dem Ausland.

Den Beschäftigten selbst reichte es lange, Teil einer hippen Unternehmens-Familie zu sein. Doch seit die Techwelt in die Krise rutscht, hat sich die Stimmung in den Gründerfirmen geändert. Ob bei Flink, Getir, HelloFresh, Lieferando oder Gorillas – überall gründeten die Angestellten nun Betriebsräte. Oder versuchen es zumindest, teils gegen den handfesten Widerstand des Managements.

Für die Gründerfirmen kommt das Aufbegehren der Belegschaft zur Unzeit. Das Interesse der Investoren hat sich auf profitablere Geschäftsmodelle wie Software oder Energie verlagert, Finanzierungen für die Start-ups sind eingebrochen. Höhere Löhne könnten manche der einstigen Berliner Stars nun an die Wand drücken, analysiert manager-magazin-Redakteurin Christina Kyriasoglou in ihrem Report über den Arbeiteraufstand in der Tech-Welt. Zu finden auf unserer Website. 

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Dividenden-Rekord im Dax: Aktionäre der 40 Dax-Konzerne erhalten in diesem Jahr die höchste Ausschüttungs-Summe seit zehn Jahren. Das hat das Beratungs- und Prüfungsunternehmen EY ermittelt. An der Spitze der Dividenden-Zahler steht mit 5,4 Milliarden Euro Mercedes-Benz, gefolgt von der Allianz und BMW. Von den insgesamt knapp 51 Milliarden Euro profitieren aufgrund der Aktionärsstruktur der Börsenschwergewichte überwiegend ausländische Anteilseigner. Anleger aus Deutschland halten nur knapp 30 Prozent der Anteilsscheine.

  • Cosco erhöht den Druck: Die größte chinesische Reederei Cosco hat ihr Interesse an einem Einstieg beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA bekräftigt. Das Unternehmen hat die Frist für den Abschluss des Deals bis zum 31. Dezember verlängert. Cosco setzt damit auch die Bundesregierung unter Druck. Wirtschaftsminister Robert Habeck zieht bislang aus politischen Gründen eine Untersagung des Vertragsabschlusses in Betracht.

  • Personalwechsel bei Ceconomy: Der Handelskonzern Ceconomy erhält – wie von uns schon vor Wochen exklusiv vermeldet  – nun auch ganz offiziell einen neuen Finanzchef. Voraussichtlich zum 1. Februar nächsten Jahres tritt Kai-Ulrich Deissner seinen Job an, wie das Unternehmen mitteilte. Der amtierende CFO Florian Wieser geht zum Jahresende. Er zieht damit die Konsequenzen aus einer satten Umsatz- und Gewinnwarnung, die der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn im Juli herausgegeben hatte.

  • Ausverkauf an der Börse: Die Angst vor einer Rezession belastet den Aktienmarkt. Der deutsche Leitindex Dax notierte heute mit rund 12.300 Punkten zwischenzeitlich auf dem tiefsten Stand seit November 2020. Für ein Kursdesaster der besonderen Art sorgte eine Meldung des Immobilienfinanzierers Hypoport. Dort hat das Management um CEO Ronald Slabke die Jahresziele nicht nur einkassiert, sondert nicht mal mehr neue aufgestellt, so unsicher ist die Lage. Der Absturz der im SDax enthaltenen Aktien um 36 Prozent ist durchaus als Negativsignal für den gesamten deutschen Hypothekenmarkt zu werten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Grüner Zielkonflikt: Seit dem Überfall von Wladimir Putin auf die Ukraine muss die Ampelkoalition zwei widerstreitende Vorhaben in Einklang bringen: Eine höchst ambitionierte Klimapolitik und ein Stoppen des russischen Aggressors. Beides zusammen ist auf die kurze Frist nicht erreichbar. Für den klimaneutralen Umbau des Landes braucht es Zeit und Ressourcen. Angesichts der explodierenden Energiepreise könnten jedoch viele Jobs und wichtige Grundstoffbranchen bereits im nächsten Winter auf der Strecke bleiben. Eine fahrlässig betriebene Deindustrialisierung wiederum würde die Langfristziele der Politik gefährden. Unser Kollege Christian Schütte fordert die Energieradikalen bei den Grünen daher zum Umdenken auf. 

  • Vorbild Schweden: Schwedischer Stahl soll der härteste Stahl Europas sein – und bald wohl auch der grünste. Ein neues Stahlwerk in Schweden wird nicht mit Kohle oder Gas, sondern mit Wasserstoff angetrieben. Ein Vorbild für die Dekarbonisierung Europas? Die Kollegen vom britischen Economist haben sich die Pläne schon einmal angesehen. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Schwierige Stars: Adidas-CEO Kaspar Rorsted (l.) und Rapper Kanye West

Schwierige Stars: Adidas-CEO Kaspar Rorsted (l.) und Rapper Kanye West

Foto: Christian Charisius / dpa / picture alliance, Evan Agostini / AP
  • Heldensuche in Herzogenaurach: Wer folgt Kaspar Rorsted an die Spitze von Adidas? Die Personalsuche läuft unter Hochdruck. Nach sechs Jahren unter der Führung des umstrittenen Dänen ist der Konzern heruntergewirtschaftet: Der Aktienkurs liegt wieder auf der Marke von 2016, fähige Manager haben in Scharen die Flucht ergriffen, die Zusammenarbeit mit dem unberechenbaren Rap-Star und Gewinngaranten Kanye West gerät zum Klumpenrisiko. Zuletzt musste Rorsted auch noch die Prognose für dieses Jahr kassieren. Auf der Suche nach dem geeigneten Nachfolger kann Chefkontrolleur und Bertelsmann-Boss Thomas Rabe sich nicht in der aktuellen Führungsriege bedienen: Keiner der amtierenden Vorstände stünde für einen echten Neuanfang. Unsere Kollegen Sven Clausen und Christoph Nesshöver haben daher einige externe Talente identifiziert, von denen man demnächst hören könnte. Ihre Erkenntnisse über die Führungskrise bei Adidas  und potentielle Hoffnungsträger lesen Sie auf manager-magazin.de

Herzlich, Ihre Eva Buchhorn

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