Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Notfallpläne in der Industrie, Einstiegspläne in der Formel 1

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Bemühungen deutscher Unternehmen, ihre Gasversorgung zu sichern, einem Milliardendeal von Warren Buffett in den USA sowie Audis Einstiegsplänen in der Formel 1.

Die Horrorbilder aus Butscha erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, sich möglichst rasch von russischem Öl und Gas zu verabschieden. Noch gilt Stufe 1 und damit die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Doch einige Gasnetzbetreiber warnen Unternehmen bereits vorsorglich davor, dass ihre Gaslieferungen künftig rationiert werden könnten. Auf Stufe 3, der sogenannten Notfallstufe, entscheidet die Bundesnetzagentur darüber, wer noch Gas bekommt und wer nicht.

Unternehmen sollten schon jetzt aktiv werden, um nicht ganz oben auf der Abschaltliste zu landen, rät Rechtsanwalt Christian Hampel im Interview mit dem manager magazin. Firmen aus energieintensiven Branchen sollten bereits jetzt mit ihren Netzbetreibern und Versorgern ins Gespräch kommen und darlegen, was eine Rationierung von Gas oder gar eine Abschaltung für ihre Abläufe bedeuten würde. Je mehr Informationen die Netzbetreiber über den Bedarf ihrer Kunden haben, umso besser, sagt Hampel. Eine Abschaltung von der Gasversorgung sei zwar rechtlich möglich, sie müsse aber verhältnismäßig und sachlich gerechtfertigt sein. Das bedeutet: Der Netzbetreiber muss darlegen können, ob die Abschaltreihenfolge richtig festgelegt wurde.

Noch strömt Gas aus Russland: Doch der Hahn könnte früher zugedreht werden, als viele glauben

Noch strömt Gas aus Russland: Doch der Hahn könnte früher zugedreht werden, als viele glauben

Foto:

Maxim Shipenkov / picture alliance / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Rubelkurs auf Vorkriegsniveau: Trotz der Sanktionen des Westens ist die russische Landeswährung mit knapp 80 Rubel pro US-Dollar wieder auf das Niveau gestiegen, das sie vor dem Angriff auf die Ukraine innehatte. Gründe für die rasche Erholung sind laut Analysten die hohen Leitzinsen der russischen Notenbank sowie strenge Kapitalkontrollen. Da Europa weiterhin Öl und Gas aus Russland einkauft, die Importe westlicher Waren jedoch stark eingeschränkt sind, weist zudem die russische Handelsbilanz einen hohen Überschuss aus. Alle drei Faktoren stützen den Rubel.

  • Warren Buffett steigt bei HP ein: Starinvestor Warren Buffett steigt mit seiner Holding Berkshire Hathaway im großen Stil beim US-Computerhersteller HP ein. Berkshire habe rund 121 Millionen HP-Aktien für insgesamt 4,2 Milliarden Dollar erworben, teilte die Holding mit. Die HP-Aktien stiegen daraufhin zeitweise um mehr als 10 Prozent. In den vergangenen Wochen hatte Buffett das gesunkene Kursniveau an den Aktienmärkten bereits für verschiedene Einkäufe genutzt. So war Buffett zum Beispiel bei Occidental Petroleum sowie beim US-Versicherer Alleghany eingestiegen.

  • Impfpflicht gescheitert: In Deutschland wird es vorerst keine allgemeine gesetzliche Impfpflicht gegen das Coronavirus geben. Der entsprechende Gesetzentwurf, für alle Menschen ab 60 Jahren eine Impfung vorzuschreiben, wurde im Bundestag mehrheitlich abgelehnt.

Die Personalie des Tages:

  • Markus Diekmann verlässt Peek & Cloppenburg: Er war zeitweise Teilzeitvorstand in gleich zwei Unternehmen: Der 42-jährige Markus Diekmann führte als Co-Chef die Eigenmarkentochter des Modefilialisten Peek & Cloppenburg und gleichzeitig aus dem Beirat auch den Fahrradhändler Rose Bikes mit. Doch nach knapp vier Monaten wird der Digitalexperte den Posten bei P&C zeitnah wieder räumen, wie manager magazin erfuhr. Das Ausscheiden Diekmanns kommt überraschend, da er persönlich von Patrick Cloppenburg, Mitgesellschafter des Familienunternehmens, nach Düsseldorf geholt wurde.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Sono Motors verliert seinen Chefaufseher: Bereits 2023 will das Solarauto-Start-up Sono Motors aus München sein erstes Solarauto vom Band rollen lassen, ein Deal mit einer Fabrik in Finnland ist beschlossene Sache. Doch Feierstimmung will sich bei Sono Motors nicht so recht einstellen: Das an der Nasdaq notierte Unternehmen braucht noch viele Millionen Euro und neue Investoren, um die Produktion starten zu können. Da kommt es nicht so gut an, dass der frühere VW- und Daimler-Manager Wilko Stark das Start-up fast fluchtartig wieder verlassen hat. Nach nur neun Wochen hat Stark sein Amt als Aufsichtsratschef bei Sono Motors wieder aufgegeben. Statt bei dem Solarauto-Start-up zu bleiben, wechselte er lieber zu einer noch geschäftslosen Firmenhülle mit Sitz auf den Cayman Islands.

Meine Empfehlung für den Abend:

Verfolgungsrennen: Die Formel-1-Boliden von McLaren starten diese Saison in Orange

Verfolgungsrennen: Die Formel-1-Boliden von McLaren starten diese Saison in Orange

Foto: Steven Tee / LAT Images Images
  • Audis McLaren-Plan für die Formel 1: Audi-Chef Markus Duesmann hat mit seinen Formel-1-Plänen einige Rückschläge aushalten müssen. Etwa, als die Diskussionen im Vorstand der Konzernmutter Volkswagen nicht so liefen wie erhofft. Zentrale Leute wie VW-Finanzvorstand Arno Antlitz brachten nur wenig Verständnis dafür auf, wie im Kreis fahrende Rennboliden in Zeiten von Fridays for Future noch ein positiver Business Case sein könnten. Zudem kündigte Duesmanns Kollege Oliver Blume im Februar kurzerhand den konzerninternen Pakt auf, dass Porsche und Audi gemeinsam Motoren für die Formel-1-Autos entwickeln. Doch trotz allem scheint die Phase des Frusts nun überwunden: Wenn Porsche und Audi wollen, dürfen die beiden Marken wahrscheinlich ab dem Jahr 2026 in der Formel 1 antreten. Der VW-Aufsichtsrat dürfte die dafür nötigen Budgetpläne in Kürze freigeben. Porsche will mit dem Weltmeisterteam von Red Bull antreten, Audi dagegen mit McLaren. Was Audi mit McLaren vorhat, lesen Sie in unserer Hintergrund-Story.

Herzlich, Ihr Kai Lange