Für Larry Ellison (74) scheint die Zeit stillzustehen: Das schwarze Shirt lässig, die Figur trainiert, die Haut straff und rosig. Einzig die zu einem permanent erstaunten Gesichtsausdruck hochgezogenen Augenbrauen legen die Vermutung nahe, dass der jugendliche Look nicht ganz naturrein sein könnte. 

Genauso wenig wie sein Aussehen ist der Oracle-Gründer bereit, sein Geschäftsgebaren zu verändern. Über seine Wettbewerber schüttet er wie ehedem Hohn und Spott aus. So zieht der „Godfather of Technology“, wie er sich titulieren lässt, leidenschaftlich gern über Amazon her. Der Onlinehändler lasse sein gesamtes Geschäft auf Oracle-Datenbanken laufen, weil das Angebot der eigenen Cloudplattform Amazon Web Services (AWS) einfach „nicht gut genug“ sei, lästerte Ellison unlängst beim US-Fernsehsender Fox. Sein Produkt dagegen sei das beste der Welt, zehnmal schneller und dabei zehnmal billiger. Die typische Larry-Show – die Amazon veranlasste zu verkünden, man habe die Nutzung der Oracle-Dienste ganz überwiegend eingestellt. 

Die Dynamik seiner Firma hält mit der notorischen Prahlerei schon länger nicht mehr mit. Das Wachstum des Softwarekonzerns, der sich rühmt, in fast 30 Produktkategorien Weltmarktführer zu sein, lahmte in den vergangenen Jahren – obwohl Oracle in der zurückliegenden Dekade mehr als 70 Unternehmen gekauft hat und eigentlich boomen müsste. 

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019 (zu Ende Mai) ging der Umsatz sogar um ein Prozent zurück. Konkurrent SAP wies in der vergleichbaren Periode ein Plus von 9 Prozent aus, das verhasste AWS wuchs sogar um 45 Prozent. Für die absehbare Zukunft erwarten Analysten kaum Besserung. 

Verantwortlich für die schwache Performance ist vor allem einer: Larry Ellison, der Übervater. Im Jahr 42 nach der Gründung herrscht er wie eh und je über „Emerald City“, die Oracle-Zentrale im kalifornischen Redwood Shores. Nur dass seine Management-Maxime aus den 80er Jahren zunehmend zur Belastung wird. 

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