Deutschland schleppte sich durch die letzte Januarwoche, als René Benko (42) in seinen Büroturm Upper West am Berliner Ku'damm lud. Die Führung seiner Unternehmensholding Signa und der Vorstand der Gewerkschaft Verdi trafen sich zum abendlichen Spitzengespräch, es ging um die Zukunft von Karstadt und Kaufhof, beides inzwischen im Besitz Benkos. Das Treffen dauerte mehr als acht Stunden, bis nach zwei Uhr morgens. Wenig überraschend, dass es keine Einigung gab. Die Gewerkschaftsbosse Frank Bsirske (67) und Stefanie Nutzenberger (55) opponierten pflichtgemäß gegen den anstehenden Personalabbau und die geplanten Tarifkürzungen.

Im Anschluss an die Marathonsitzung legten sich Benkos Topmanager schlafen. Nicht so er selbst. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, fasste schriftlich das Gespräch zusammen und überlegte, wie er Verdi doch von seinem Vorhaben überzeugen könnte. Um halb vier in der Früh hatten seine Mitarbeiter in ihren Postfächern die Mails des Chefs mit To-do-Listen. Und um sieben Uhr morgens saß Benko schon wieder im Büro.

Der Mann eilt, nein: er hetzt durch sein Unternehmerleben. Er packt an, was andere nicht schaffen oder woran sie sich gar nicht erst herantrauen. Und fast immer hat er Erfolg. Anfangs begegnete ihm Skepsis, dann Neid – und Bewunderung.

Dem Österreicher und seiner Signa-Gruppe gelang, woran etliche deutsche Handelsstrategen jahrzehntelang gescheitert waren: Er fusionierte die Traditionsmarken Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus-AG, jetzt wird saniert.

Auch Benkos Immobiliendeals sind spektakulär. So sicherte er sich gegen starke europaweite Konkurrenz den Zuschlag für das Jahrhundertprojekt Elbtower – einen 245 Meter hohen Hotel- und Büroturm in der Hamburger HafenCity, der 2025 stehen soll. Und daheim, im Störfeuer einflussreicher Teile der lokalen Unternehmerzunft, setzte er den Bau eines Einkaufszentrums mitten in Südtirols Metropole Bozen durch – mittels einer Volksabstimmung, die mehr Einwohner an die Urnen brachte als die jüngste Bürgermeisterwahl. 

Am brisantesten ist aber wohl sein Einstieg bei der Wiener "Kronen Zeitung" Ende 2018. Benko will sich damit in der Medienwelt einen Namen machen, seine gesellschaftliche und politische Bedeutung ist durch den immensen Einfluss des Blattes gestiegen. Und seit die "Krone" im Zuge der "Strache-Affäre" Mitte Mai in den Mittelpunkt einer Regierungskrise rückte, gerät auch Benko wieder in den Fokus.

Wer ist dieser René Benko, der in einfachen Verhältnissen in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck aufwuchs, wegen häufigen Schulschwänzens (er baute lieber Dachböden zu Penthouses um) nicht zur Matura – so heißt in Österreich das Abitur – zugelassen wurde, binnen zwei Jahrzehnten ein Milliardenimperium aufbaute und nun die deutsche Warenhauswelt neu ordnet?

Lade...

Hinter den Kulissen von Big Business.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Aktuelle Insider-Geschichten über Strippenzieher, Masterminds und Hasardeure sowie Trends und Analysen aus der Wirtschaft
  • Jeden Monat die digitale Ausgabe des manager magazins
  • Jede Woche die besten Originaltexte aus „The Economist“
  • Ausgewählte Texte aus dem Harvard Business Manager
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar

Hinweis

manager magazin premium kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.manager-magazin.de, um manager magazin premium lesen zu können. Vielen Dank!

manager magazin premium kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um manager magazin premium lesen zu können. Vielen Dank!

manager magazin premium kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!