"Wir erleiden nichts. Nicht Corona, nicht die Regulatorik der Politiker, nicht die Elektromobilität. Der Chef darf nicht klagen; er muss gerade in schwierigen Situationen Zuversicht verkörpern und vorangehen."

Oliver Zipse, März 2020

Wenn Oliver Zipse (56) um 5 Uhr aufsteht, setzt er sich aufs Rudergerät. Macht Gymnastik. Liest Zeitung. Denkt nach. Vor allem: lässt sich nicht stören. "Es gibt kein festes Programm", sagt er. "Aber die erste Stunde gehört wirklich mir. Da habe ich meine klarsten Gedanken."

Reflektieren, bewusst Abstand zu sich aufzubauen, auf einen Nullpunkt zurückzukommen. "Wenn ich dann losfahre, weiß ich, was ich später tun muss", sagt der BMW-Chef.

Später, das ist: der Vierzylinder in München, eine der Autozentralen der Welt. Hier tritt einem ein ganz anderer Mann entgegen als in den ersten freien Minuten des Tages: das Haar streng gescheitelt, den trainierten Körper in einen gut sitzenden Anzug gekleidet. Zipse gäbe auch einen Ranghohen im Militär ab.

So auch am 26. März. Zipse hat Vorstand und Bereichsleiter geladen, er steht vor seiner bisher größten Bewährungsprobe. Das Coronavirus erschüttert die Welt, seit einer Woche sind fast alle BMW-Werke außerhalb Chinas geschlossen; der Konzern verlangt nach einem Plan für die Krise.

Statt Homeoffice: BMW-Chef Oliver Zipse kündigt die Produktion von Atemschutzmasken an
Sven Hoppe / dpa / picture alliance

Statt Homeoffice: BMW-Chef Oliver Zipse kündigt die Produktion von Atemschutzmasken an

Woanders sind die Bosse nur noch per Video zu sehen, selbst Vorstände konferieren am Bildschirm miteinander, um sich nicht gegenseitig anzustecken. Zipse fordert persönliche Anwesenheit und hat die Zahl der Vorstandssitzungen verdoppelt. Die 60 wichtigsten Führungskräfte unterrichtet er an diesem 26. März in zwei Etappen. Man habe in "sehr sicheren Abständen" gesessen, berichtet einer der Anwesenden. Er kam sich fast verloren vor in dem 700 Menschen fassenden Saal.

Zipse sagt, der Kapitän gehöre auf die Brücke. Die Offiziere auch.

Das bedeutet: Konzernzentrale, nicht Homeoffice. Wer sich bereits abgesetzt hat, möge "bitte ins Büro zurückkommen". Und die Gesundheitsgefahr? "In leeren Verwaltungsgebäuden kann man sich nicht anstecken." Mancher im Raum deutet die Präsenzpflicht als Misstrauen.

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