Der französische Bankier hätte für die schonungslose Analyse seiner Branche keinen besseren Platz wählen können: Der Kaisersaal im Frankfurter Römer zeugt wie kaum ein anderer Ort von der Zeit, als Europa das Zentrum der Welt war. Hier, unter den Ölgemälden von 52 Regenten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, sezierte Philippe Oddo (59) im Herbst letzten Jahres Europas Banken. Das Publikum, Vorstände deutscher Finanzhäuser, eingeladen von der Beratung Bain & Company zur "Bankers' Lounge", fand sich selbst unter dem Messer wieder.

Oddo war unerbittlich. Ein einheitlicher Heimatmarkt mit mehr als 300 Millionen Menschen, wie er den US-Konkurrenten in die Hände spielt – nicht vorhanden; schließlich werden Banken und Kapitalmärkte noch immer in jedem EU-Land anders reguliert. Zwar seien Frankreich und Deutschland das wirtschaftliche Herzstück Europas mit gemeinsam rund der Hälfte der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, dennoch "machen französische Banken gerade mal 3 Prozent ihrer Erträge in Deutschland und deutsche Banken 1 Prozent ihrer Erträge in Frankreich", klagte Oddo in makellosem Deutsch.

Der Bankier, Eigner des gleichnamigen Geldhauses, hatte noch mehr Niederschmetterndes: Der globale Marktanteil der Europäer im Investmentbankgeschäft – sinkend. Ihr Vorsteuergewinn – anämisch. Aktienkursentwicklung und Marktkapitalisierung – schwächlich. Ihr Geschäftsmodell angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) – erodierend.

Es ist nicht allein der Atlantik, der Europas Finanzindustrie von der der USA trennt. Es scheint, als agierten die Banken in einem ganz anderen Kosmos.

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