Diesen Text können Sie sich als Audiostory auch vorlesen lassen: Neben der Spur

Die Bahn birgt zahlreiche Mysterien. Etwa das Geheimnis, warum so viele Züge schon verspätet starten. Vor gut drei Jahren beschloss der Vorstand, das Rätsel zu lösen. An wichtigen Verkehrsknoten wurden zusätzliche Messpunkte eingerichtet, vom Werkstor bis zum ersten Bahnhof. Ein beachtlicher Aufwand – und ziemlich nutzlos, wie sich jetzt herausstellt. Eine vertrauliche Aufsichtsratsunterlage vom vergangenen Jahr konstatiert das Scheitern: Zwei von fünf Messpunkten hätten keine verlässlichen Daten geliefert.

Eine späte Erkenntnis, nach Jahren der Sammelei. Und eine Schlappe für Bahn-Chef Richard Lutz (54). Hatte der doch frohlockt, seine Mitarbeiter jagten "jeder verlorenen Minute" nach. Nun ist klar: Die Jäger haben sich verirrt. Wieder mal.

Den Grund für das Desaster verschweigt das Dokument. Kenner haben aber eine fundierte Vermutung. Einige gestresste Mitarbeiter dürften es mit dem Notieren der Durchfahrtszeiten nicht so genau genommen haben. Hauptsache, der verdammte Zug geht endlich raus!

Typisch Deutsche Bahn (DB). Bei keinem Konzern dieser Größe klaffen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander, haben Ankündigungen des Vorstands so wenig praktischen Effekt. Je größer die Worte, desto kleiner das Ergebnis. Da startete Ende 2015 "Zukunft Bahn" (ZuBa), offiziell "der größte Konzernumbau in der Geschichte der Deutschen Bahn AG". Mit dem Resultat, dass das Unternehmen heute noch schlechter dasteht als zuvor.

Jetzt hat CEO Lutz einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, schon aus persönlichem Interesse. Sein Eigentümer, der Bund, hat ihn angezählt. "Die Verbesserungen müssen schneller kommen", blaffte unlängst Enak Ferlemann (55; CDU), Regierungsbeauftragter für den Schienenverkehr; so als habe er, der seit zwölf Jahren die Bahn politisch beaufsichtigt, mit dem Desaster nichts zu tun. Die Politik sucht Schuldige, schon gibt es Forderungen, die Bahn unter Zwangsverwaltung zu stellen. Tiefer könnte der Absturz nicht sein.

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