Crispin Odey (60) war einst Starfondsmanager bei Barings, bis er 1991 seinen Hedgefonds Odey Asset Management in London gründete. Heute verwaltet das Unternehmen 4,5 Milliarden Dollar Kundengeld, ein beträchtlicher Teil davon ist das Vermögen des Gründers. Von 2015 bis 2017 brach sein Fondswert um rund zwei Drittel ein, weil Odey auf einen Crash spekuliert und damit falsch gelegen hatte. 2018 gelang die Trendwende mit einem Jahresgewinn von 53 Prozent. In Großbritannien war Odey einer der größten Geldgeber für die Brexit-Kampagne. 

Odey hatte massiv auch gegen das Daxunternehmen Wirecard gewettet. Nachdem Mitte Februar jedoch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Verbot für Leerverkäufe verhängt hatte, schloss Odey die Hälfte seiner Position. Gegen das inzwischen ausgelaufene Verbot hat er Einspruch eingelegt, wie er im Interview erklärt. „Angesichts der Menge von Informationen über Wirecard glaube ich, dass die Aufsicht das Shortselling nicht hätte untersagen sollen.“ Der Milliardär hofft auf Schadensersatz. Falls der Wirecard-Kurs nämlich wirklich einbrechen sollte, wären die Finanzinstrumente mehrere Millionen Euro wert gewesen.

Seit er auf fallende Kurse bei Wirecard wette, sei der Brite auch hierzulande bekannt wie ein bunter Hund, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ Ende Februar: „Viele am Finanzplatz Frankfurt versuchen nun herauszufinden: Wer ist dieser Mann?“ Wir haben mit ihm gesprochen.

Mr Odey, wenn Sie auf fallende Kurse wetten, legen Sie sich oft mit dem Establishment in Politik und Wirtschaft an. Zuletzt schimpften Sie über das Verbot von Leerverkäufen beim Daxunternehmen Wirecard, das die deutsche Finanzaufsicht BaFin im Februar für zwei Monate verhängt hatte. Was haben Sie unternommen?

Crispin Odey: Ich habe Einspruch gegen das Verbot eingelegt, das die BaFin verhängt hatte. Angesichts der Menge von Informationen über Wirecard glaube ich, dass die Aufsicht das Shortselling nicht hätte untersagen sollen.

Und jetzt? Wie machen Sie weiter?

Ich muss nichts weiter tun.

Warten Sie auf eine Antwort der BaFin?

Ich brauche keine Antwort. Es ist alles viel einfacher. Falls die Behörden in Singapur bei ihren laufenden Ermittlungen feststellen, dass Wirecard in viele betrügerische Transaktionen involviert war und Wirecards Kurs abstürzt – dann wird die BaFin ein Thema sein. Warum hat sie sich entschieden, Leerverkäufe zeitweise zu verbieten? Sie müssen wissen, dass 98 Prozent der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Singapur mit einer Verurteilung des Verdächtigen enden. Wenn man die Belege gesehen hat, die den Behörden in Singapur vorliegen, ist die einzige Frage: Wurde all das auf Ebene der Tochtergesellschaft getan, in Singapur? Oder wusste Wirecard-CEO Markus Braun davon?

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