Alarmstimmung in der Beraterbranche. Seit 14. Februar arbeitet ein Untersuchungsausschuss des Bundestags Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Berateraufträgen durch das Bundesverteidigungsministerium auf und geht zudem Vorwürfen von Vetternwirtschaft nach. Im Fokus der Kritik stehen bislang der IT-Gigant Accenture und die Strategieberatung McKinsey. Noch ist nichts erwiesen, Einbrüche im lukrativen Geschäft mit dem "Public Sector" sind aber wahrscheinlich. Carsten Kratz (51), Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) erwartet jedenfalls drastische Folgen durch die Berateraffäre. 

Kratz, seit fast drei Jahrzehnten als Consultant für BCG im Einsatz, wird seinen Posten im April turnusgemäß aufgeben und dann auf den Job des neu geschaffenen nationalen Chairman wechseln. Im Interview plädiert er dafür, die Regeln, die in der Privatwirtschaft für den Einsatz von Beratern gelten, auch im Geschäft mit dem Staat anzuwenden.

manager magazin: Herr Kratz, in der Berateraffäre, die im Verteidigungsministerium ein Erdbeben ausgelöst hat, sind vor allem Accenture und McKinsey im Fokus. Dabei geht es um Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen. Sind Sie froh, dass es Ihre Konkurrenten und nicht Sie erwischt hat?

Carsten Kratz: Die Vorwürfe, die im Raum stehen, schaden der gesamten Branche, uns eingeschlossen.

Ihre Firma arbeitet auch für das Verteidigungsressort. Hat sich BCG etwas zuschulden kommen lassen?

Ich kann klar sagen: BCG arbeitet sauber. Natürlich kann man Fehlverhalten Einzelner nie ausschließen, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Aber die Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten ist nahe null.

Ist die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses aus Ihrer Sicht gerechtfertigt? Oder wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen?

Verdachtsmomente sollten wir aufklären. Je schneller wir das tun, umso eher können wir wieder darüber diskutieren, welchen Wertbeitrag Berater für die öffentliche Hand leisten. Eine Frage, der wir uns bei unseren Kunden in der Privatwirtschaft auch stellen. Meine große Sorge ist, dass wir in eine Phase der Verunsicherung geraten. Und dass sinnvolle Reformprojekte mit Beratungsunterstützung nicht mehr gestartet werden.

Es droht ein Moratorium. Ein Behördenchef wird kaum noch große Berateraufträge vergeben, solange der Ausschuss seine Arbeit nicht beendet hat. Welche Folgen hat das für BCG?

Einen geschäftlichen Einbruch kann ich noch nicht feststellen. Und man muss auch mal auf die Relationen blicken. Bund, Länder und Gemeinden geben rund 1,4 Billionen Euro pro Jahr aus. Davon drei Milliarden für Beratung im weitesten Sinne. Es trifft also nicht zu, dass der Staat übertrieben viel für Consulting ausgibt, wie oft behauptet wird.

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