Ungenaue Zahlen kann Dennis Muilenburg (55) gar nicht leiden. Wenn der Boeing-Chef bei einem Podiumsgespräch zu hören bekommt, er fahre ja mit seinem Rennrad 120 Meilen pro Woche, muss er das richtigstellen: "Tatsächlich sind es fast 140 Meilen pro Woche", korrigiert er, "über 10.000 Meilen im Jahr." Es darf ruhig ein bisschen mehr sein bei diesem asketischen, stets um Selbstkontrolle bemühten Mann – privat wie beruflich.

Muilenburgs Neigung, kräftig in die Pedale zu treten, fiel schon vor einigen Jahren auf. Bei Luftfahrtkonferenzen brachte der Jungmanager sein Rad mit, lange bevor so was chic war. "Wir fanden das damals etwas merkwürdig", erinnert sich ein deutscher Airline-Veteran.

Seine geschäftliche Dynamik trat erst richtig hervor, als Muilenburg Mitte 2015 an die Spitze von Boeing rückte. Plötzlich wirkte der traditionsreiche Flugzeugbauer, gegründet 1916, aufgedreht wie ein Start-up. Unter dem neuen CEO verdreifachte sich der Aktienkurs. Die Umsatzrendite hob ab auf zweistellige Werte – davon kann der Erzrivale Airbus nur träumen.

Nicht einmal der Absturz einer Boeing-Maschine des neuen Typs 737 Max Ende Oktober 2018 in Indonesien, für den Boeing inzwischen offiziell verantwortlich gemacht wird, stoppte den Höhenrausch. Erst nach dem Crash einer weiteren 737 Max am 10. März dieses Jahres in Äthiopien riss die Strähne.

Ausgerechnet der Bestseller 737 Max musste am Boden bleiben. Zunächst hoffte Muilenburg auf eine nur kurze Pause, bis alle Ursachen der Abstürze geklärt sind und das Modell – nach Änderungen – wieder zugelassen werden könnte. Eine Fehlannahme. Mitte Dezember äußerte die US-Luftfahrtbehörde FAA erhebliche Zweifel und warnte Boeing vor zu optimistischen Erwartungen. In der Woche vor Weihnachten dann kündigte der Konzern den vorläufigen Produktionsstopp an, 400 Maschinen stehen ohnehin am Boden.

Diese drastische Maßnahme trifft den Konzern hart. Allein die Einnahmeausfälle und die Kompensationen an die Airlines dürften Boeing einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Hinzu kommen Entschädigungen für die Hinterbliebenen der Opfer. Und der Imageschaden, denn vieles spricht dafür, dass – wie es US-Piloten in einer Klageschrift formulierten – Boeing "bewährte Design- und Ingenieursmethoden beiseitegelassen hat", um schnell mit der Max-Entwicklung fertig zu werden und Marktanteile zu sichern. Die Abstürze, die 346 Menschen das Leben kosteten, seien "tragisch und vermeidbar" gewesen, heißt es in der Klageschrift. Ein Ex-Manager des Konzerns erklärte Mitte Dezember vor dem US-Kongress, er habe "eine Fabrik im Chaos erlebt".

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