Als Unternehmer sind Holger (53) und Silke Friedrich (47) äußerst selbstbewusst. Sie verhehlen kaum, dass sie sich anderen überlegen fühlen. Was früher allerdings nur Geschäftspartnern oder Mitarbeitern offenbar wurde, erfährt nun das ganze Land.

Im Herbst kaufte das Ehepaar dem DuMont-Verlag die kriselnde „Berliner Zeitung“ ab. Seitdem nutzen die Friedrichs das Traditionsblatt gern auch, um ihre eigenen Ansichten zu verbreiten. Sie dankten Egon Krenz, hoben ihre IT-Kompetenz hervor oder beantworteten vorab kritische Presseanfragen zu Holgers Stasi-Vergangenheit.

In der Tech-Szene indes fiel Holger Friedrich, der mit seinem IT-Unternehmen Core SE vor allem für Banken arbeitet, immer wieder auch durch sein Talent auf, trotz Misserfolgs der von ihm betreuten Projekte viel Geld zu verdienen. So steht Core etwa hinter dem Bezahldienst Paydirekt, mit dem die deutschen Banken PayPal Kunden abjagen wollten, oder hinter der Identitätsplattform Verimi, einem nur sehr schleppend gestarteten Gemeinschaftsprojekt von Allianz, Axel Springer, Deutscher Bank, Lufthansa und anderen Schwergewichten. 

Beide Angebote gelten in der Digitalszene als teure Rohrkrepierer. Entwicklung und Betrieb von Paydirekt haben mehrere hundert Millionen Euro verschlungen, der Dienst rangiert in Umfragen aber weit hinter Paypal, Sofortüberweisung, Amazon Pay und anderen Konkurrenten. Verimi vermeldete 2018 gerade mal 13.000 registrierte Nutzer. Aktuelle Zahlen möchte das Unternehmen auf Anfrage nicht preisgeben.

Das hindert Friedrich allerdings nicht an großen Visionen. Er sieht Core offenbar als Börsenkandidat, wie er intern wie extern mehrfach betont haben soll.

Wie so oft bei den Friedrichs verwischten bei Verimi sonst übliche Grenzen. Holger Friedrich war via Core nicht nur Gesellschafter, sondern zeitweise auch Geschäftsführer von Verimi – und als Dienstleister der maßgebliche Auftragnehmer. Ein Interessenkonflikt, der gerade bei Konzernprojekten normalerweise vermieden wird.

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