Gewerkschaftsbund Yasmin Fahimi zur neuen DGB-Chefin gewählt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi zu seiner neuen Vorsitzenden gewählt. Fahimi ist die erste Frau an der Spitze des DGB - und bildet nun mit ihrem Lebensgefährten das Power-Couple im deutschen Gewerkschaftswesen.
Neue DGB-Chefin: Yasmin Fahimi

Neue DGB-Chefin: Yasmin Fahimi

Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image

Die 54-Jährige Fahimi erhielt beim DGB-Bundeskongress am Montag in Berlin 93,2 Prozent der abgegebenen Delegiertenstimmen. Erstmals in der Geschichte des DGB steht nun eine Frau an der Spitze des Gewerkschaftsbundes. Fahimi folgt auf Reiner Hoffmann nach, der nach zwei Amtsperioden aus Altersgründen nicht mehr angetreten war.

Fahimi warb bei ihrer Vorstellung mit ihrer Biographie. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter sei sie auf manche Widerstände gestoßen, sagte sie vor rund 400 Delegierten. Fahimi hatte verschiedene Stationen bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) absolviert. Sie war SPD-Generalsekretärin, Staatssekretärin im Arbeitsministerium und wurde 2017 Bundestagsabgeordnete.

Fahimis Lebensgefährte ist der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die IGBCE zählt neben der IG Metall zu den mächtigsten Gewerkschaften in Deutschland. Vassiliadis hatte sich bereits im Interview mit manager magazin zu Gesprächskultur des neuen Power-Couple im deutschen Gewerkschaftswesen geäußert.  Der IGBCE-Chef hatte sich zuvor auch selbst für den Job des DGB-Chefs beworben, war mit seiner Kandidatur aber am Widerstand der Gewerkschaft Verdi gescheitert.

Die Diplom-Chemikerin zählt zu den SPD-Linken. Ihr Mandat will sie nun niederlegen, wie Fahimi in einem Brief an SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich angekündigt hatte.

Fahimi sagte: "Wir wollen Lebensverhältnisse, die Glück und Perspektiven schaffen." Dazu zähle unter anderem bezahlbarer Wohnraum - und insgesamt eine Gemeinwohlorientierung, "die nicht alles dem Markt überlässt".

Fahimi wandte sich vor dem Hintergrund des russischen Kriegs in der Ukraine gegen "alle Despoten" und Diktatoren. Mit Blick auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin sagte sie: "Das werden wir alle Putin nie verzeihen." Fahimi sagte: "Wir sind kampfbereit überall dort, wo wir Unrecht sehen." Die Gewerkschaften stünden als Wertegemeinschaft für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte Fahimi den Delegierten vorgeschlagen und sie als "erfahrene und in den Belangen der Arbeitswelt sehr versierte Kollegin" vorgestellt.

Hoffmann hatte 2014 93,1 und bei seiner Wiederwahl 2018 76,3 Prozent erhalten. Dessen Vorgänger Michael Sommer war 2010 mit 94,1 Prozent gewählt worden

la/dpa