Zweites Quartal US-Wirtschaft nimmt Fahrt auf

Positive Nachrichten aus den USA: Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 1,7 Prozent gewachsen. Die Börsen reagieren mit Kursgewinnen. Mit Spannung wird die Reaktion der Notenbank Fed erwartet. 
Arbeiter in Pheonix: Investitionen in den US-Wohnungsbau gestiegen

Arbeiter in Pheonix: Investitionen in den US-Wohnungsbau gestiegen

Foto: Getty Images

Washington - Die US-Wirtschaft wächst stärker als erwartet und bietet der Notenbank Spielraum für eine künftig etwas straffere Geldpolitik. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen April und Juni mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,7 Prozent, wie das Handelsministerium nach vorläufigen Berechnungen mitteilte.

Experten äußerten sich überrascht, da sie im Schnitt nur mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet hatten. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft laut nach unten revidierten Daten allerdings nur um 1,1 Prozent zugelegt. Die US-Börsen gingen mit leichten Kursgewinnen in den Handel.

Die Wachstumsdaten für das zweite Quartal untermauerten die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve bald von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik abrücken könnte, hieß es auch unter Börsianern in Frankfurt. Der Euro fiel nach Veröffentlichung der Daten auf 1,3224 Dollar nach 1,3262 Dollar am Vorabend in New York.

Impulse für das US-Wachstum lieferten Investitionen in den Wohnungsbau und die Lagerhaltung. Dennoch zeigt sich, dass die Wirtschaft nunmehr das dritte Quartal in Folge die Wachstumsmarke von 2 Prozent verfehlte. Damit gilt der Aufschwung noch immer als zu schwach, um eine durchgreifende Wende am Arbeitsmarkt herbeizuführen.

Gespanntes Warten auf Bernanke

Die Staatsausgaben blieben in etwa auf dem Niveau des Vorquartals und die US-Lagerbestände lieferten positive Wachstumsimpulse. "Das hinterlässt jedoch gewisse Bauchschmerzen, denn beide Komponenten können im nächsten Quartal entsprechend negativ enttäuschen", meint Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Für die Notenbank dürfte die Zahl aus seiner Sicht kaum eine richtungweisende Größe sein. Die Währungshüter würden weiterhin die Entwicklung am Arbeitsmarkt mit Argusaugen beobachten. Die Wachstumszahlen wurden wenige Stunden vor dem anstehenden Zinsbeschluss der US-Notenbank bekannt.

Diese erwägt bei einer durchgreifenden konjunkturellen Erholung ein Zurückfahren ihrer monatlichen Konjunkturhilfen im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar. Fed-Chef Ben Bernanke kann sich vorstellen, noch dieses Jahr mit dem Ausstieg zu beginnen und das Programm Mitte kommenden Jahres auslaufen zu lassen. Der Kurs sei aber nicht vorab festgelegt, betonte der Notenbanker jüngst.

Hoffnungsschimmer am Arbeitsmarkt

Die Hoffnungen der Amerikaner richten sich auf einen aufgehellten Jobmarkt in der zweiten Jahreshälfte, wenn der Staat seinen scharfen Sparkurs weiter lockert. Der Umfrage der privaten Arbeitsvermittlung ADP zufolge, lag das Stellenplus der US-Firmen im Juli bei 200.000. Der am Freitag anstehende offizielle Arbeitsmarktbericht, der auch den staatlichen Sektor umfasst, dürfte ebenfalls einen soliden Zuwachs bringen: Experten rechnen mit 184.000 neuen Stellen.

Insbesondere im Exportsektor laufen die Geschäfte gut: Die Ausfuhren legten im zweiten Quartal um 5,4 Prozent zu - das größte Plus seit dem dritten Quartal 2011. Da jedoch gleichzeitig die Importe um 9,5 Prozent zulegten, drückte das Handelsdefizit das Wachstum. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben zugleich nicht mehr so stark wie in den ersten drei Monaten: Das Plus fiel mit 1,8 Prozent deutlich magerer aus als zu Jahresbeginn, als noch 2,3 Prozent zu Buche schlugen.

"Der private Konsum ist nicht mehr die treibende Kraft, was angesichts des Wegfalls der Steuererleichterungen und der Ausgabenkürzungen des Staates nicht zu sehr überraschen sollte", so NordLB-Ökonom Bernd Krampen. Insgesamt habe die US-Volkswirtschaft die fiskalischen Belastungen aber gut weggesteckt. "Für die zweite Jahreshälfte ist wieder von einer Zunahme der Dynamik auszugehen."

mahi/rtr
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