Warnung vor dritter Corona-Welle Wirtschaftsweise senken Konjunkturprognose

Die Wirtschaftsweisen erwarten 3,1 Prozent Wachstum im laufenden Jahr - und sind damit sogar etwas optimistischer als die Bundesregierung. Als größtes Risiko für die Konjunktur sehen die Experten eine dritte Corona-Welle.
"Die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen muss um 50 Prozent gesteigert werden": Wirtschaftsweise Veronika Grimm zur Konjunkturprognose 2021

"Die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen muss um 50 Prozent gesteigert werden": Wirtschaftsweise Veronika Grimm zur Konjunkturprognose 2021

Foto: Giulia Ianicelli/ dpa

Angesichts der anhaltenden Corona-Krise haben die Wirtschaftsweisen ihre Konjunkturprognose für 2021 gesenkt. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr nur um 3,1 Prozent steigen, erklärte der Sachverständigenrat, der die Bundesregierung berät, am Mittwoch. Bisher hatten die vier Ökonomen für 2021 noch 3,7 Prozent Wachstum erwartet, nach einem Wirtschaftseinbruch von 4,9 Prozent im Corona-Jahr 2020.

Zum Jahreswechsel 2021/22 rechnen die Ökonomen damit, dass die Wirtschaft ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht und im nächsten Jahr um 4 Prozent wächst. "Das größte Risiko für die Konjunktur in Deutschland stellt eine mögliche dritte Infektionswelle dar - und zwar dann, wenn sie zu Einschränkungen oder gar Betriebsschließungen in der Industrie führen würde", sagte Gremiumsmitglied Volker Wieland (54).

Die Ökonomen sind mit ihrer Prognose einen Tick optimistischer als die Bundesregierung, die 2021 mit 3,0 Prozent Wachstum rechnet. Die Experten halten die Wirtschaft trotz der Pandemie für recht robust. Vor allem die Industrieproduktion laufe vergleichsweise gut, da anders als im Frühjahr 2020 die internationalen Lieferketten bisher weitgehend intakt seien und die Nachfrage nach Waren aus Deutschland dank der Erholung der globalen Konjunktur steige.

Wirtschaftsweise fordern: Impfen, impfen, impfen

"Im Gegensatz dazu ist die wirtschaftliche Lage bei den personennahen Dienstleistungen weiterhin sehr angespannt." Deshalb dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden ersten Quartal um etwa 2 Prozent sinken, nach 0,3 Prozent Wachstum Ende 2020. Im Zuge der zu erwartenden Lockerungen dürfte sich die Lage in den nächsten Monaten dann bessern.

Die Volkswirte plädieren für verstärktes Impfen. "Damit Deutschland das EU-Ziel, 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, bis Ende September 2021 erreicht, muss die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen in den Impfzentren um 50 Prozent gesteigert werden", sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm (49). Zudem sollten dafür Haus- und Fachärzte einbezogen werden. Das Erreichen des Impfziels scheint jedoch eher zweifelhaft. Da die Bundesregierung das Impfen mit dem Vakzin des Impfstoffes von Astrazeneca vorläufig ausgesetzt hat.

Nach dem Ausscheiden von Lars Feld (54) gehören zum Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nur noch Grimm, Monika Schnitzer (59), Achim Truger (50) und seit 2013 als Dienstältester Wieland. Die vier müssen noch einen Chef oder eine Chefin aus ihren Reihen wählen. Gespräche dazu führten noch nicht zu einer Einigung. Vorsitzender des Gremiums war zuletzt Feld, der Ende Februar nach zehn Jahren und zwei Amtszeiten ausschied. CDU/CSU wollten ihm eine dritte Amtszeit gewähren, was die SPD aber blockierte. Normalerweise gehören dem Gremium fünf Expertinnen und Experten an.

mg/Reuters, dpa-afx
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