Klimakonferenz in Glasgow Rund 100 Staaten wollen Entwaldung stoppen

Nach zwei Tagen Konferenz in Glasgow kann der Vorsitzende Boris Johnson erste Erfolge verkünden. So wollen 100 Staaten die Zerstörung von Wäldern stoppen und Kanada ab 2030 keine Kohle mehr exportieren.
Kampf gegen die Entwaldung: Die an der Initiative beteiligten Länder repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche

Kampf gegen die Entwaldung: Die an der Initiative beteiligten Länder repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche

Foto: epa Rian Anggor/ picture-alliance/ dpa

Auf dem Weltklimagipfel in Glasgow haben sich mehr als 100 Staaten verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies hat der britische Premierminister Boris Johnson (57), der der UN-Konferenz vorsitzt, am späten Montagabend bekannt gegeben. Die beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren demnach 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo.

Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa zwölf Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen. Wälder gelten als die Lunge der Erde, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

In Glasgow ringen seit vergangenen Sonntag rund 200 Staaten darum, wie das in Paris beschlossene 1,5 Grad-Ziel noch erreicht und konkret umgesetzt werden kann. Die bisherigen Pläne der Staaten reichen dazu noch bei Weitem nicht aus. Die Weltklimakonferenz dauert zwei Wochen.

Kanada will aus Kohleexport aussteigen

Einige Ergebnisse gibt es bereits jetzt. So kündigte die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (67) eine neue Energiepartnerschaft Deutschlands mit Südafrika an, die Vorbild für weitere afrikanische Länder werden solle. Der geschäftsführende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (66) sagte, dass sich neben Deutschland auch Großbritannien, die USA, Frankreich und die EU dieser Partnerschaft mit Südafrika angeschlossen hätten. Ziel sei es, das Land dabei zu unterstützen, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Zurzeit gewinne Südafrika seinen Strom noch fast zu 90 Prozent aus Kohle, erklärte Müller.

Kanada verpflichtete sich unterdessen dazu, bis 2030 keine Kohle mehr zu exportieren. Damit sollten vor allem Entwicklungsländer dabei unterstützt werden, "so schnell wie möglich auf saubere Kraftstoffalternativen umzustellen", teilte das Büro von Premierminister Justin Trudeau (49) mit. Auch werde Ottawa umgerechnet bis zu 700 Millionen Euro internationaler Hilfen für das Umschwenken auf saubere Energien bereitstellen. Die Trudeau-Regierung hatte bereits angekündigt, dass Kanada ab 2030 komplett auf Strom aus Kohle verzichten werde.

Indiens Premierminister Narendra Modi (71) nannte zudem beim Weltklimagipfel erstmals ein Ziel für die Klimaneutralität seines Landes: Bis 2070 will das bevölkerungsreiche Land nur noch so viel klimaschädliche Emissionen ausstoßen, wie etwa in Senken wie Ozeanen und Wäldern aufgenommen werden können. Das ist das obere Limit, das der Weltklimarat (IPCC) für weltweite Klimaneutralität angegeben hat, damit das Leben auf dem Planeten Erde noch lebenswert bleibt. Viele Länder streben - so wie die EU - Klimaneutralität bis 2050 an, China hat 2060 ins Auge gefasst.

mg/dpa-afx
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