Samstag, 18. Januar 2020

Weltklimakonferenz in Madrid beendet Gescheiterter Gipfel

So richtig fröhlich sieht hier keiner aus: Der Klimagipfel ging mit 40-stündiger Verspätung ohne nennenswerte Ergebnisse zu Ende
zipi/ EPA-EFE/ REX
So richtig fröhlich sieht hier keiner aus: Der Klimagipfel ging mit 40-stündiger Verspätung ohne nennenswerte Ergebnisse zu Ende

Die zweiwöchige Weltklimakonferenz in Madrid ist ohne nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Erderhitzung zu Ende gegangen. Das Plenum einigte sich am Sonntag zwar darauf, alle knapp 200 Staaten an ihre Zusage zu erinnern, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Umweltverbände und Entwicklungshelfer reagierten aber tief enttäuscht. Einige Staaten, allen voran Brasilien, Australien, Saudi-Arabien und die USA, hätten immer wieder Entscheidungen blockiert, rügten sie.

Die Konferenz scheiterte mit ihrem zentralen Vorhaben, den globalen Handel mit Klimaschutz-Gutschriften zu regeln. Die Debatte wurde aufs kommende Jahr verschoben. Die Idee: Wenn ein Land seine Ziele beim Einsparen klimaschädlicher Treibhausgase übererfüllt, soll es Gutschriften verkaufen können. Es gab bis zuletzt aber heftigen Streit, wie genau angerechnet werden soll - auch, damit nicht doppelt gezählt wird. Die Position vieler Staaten - darunter Deutschland - war, lieber keinen Kompromiss zu machen als einen schlechten.

Noch nie hat eine Weltklimakonferenz ihre Beratungen so lange überzogen wie in diesem Jahr. Erst 40 Stunden nach dem geplanten Ende besiegelte die Konferenzpräsidentin Carolina Schmidt die Einigung auf die Abschlusserklärung mit einem Hammerschlag. Von den übermüdeten Klimadiplomaten gab es nur sehr spärlichen Applaus.

Luisa Neubauer, führende Aktivistin der Klimabewegung Fridays For Future, erklärte, die Regierungen seien damit gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen. "Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück."

Die Hilfsorganisation Brot für die Welt machte insbesondere den Industriestaaten schwere Vorwürfe. "Es ist extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig, dass sie Finanzzusagen gegenüber den ärmsten Staaten für die Bewältigung von Klimaschäden verwehren", bilanzierte die Organisation. Sven Harmeling von der Organisation Care fragte: "Wie laut muss noch demonstriert werden, wie viele Warnungen muss die Wissenschaft noch aussprechen, wie viele junge Leute müssen ihre ganz reale Zukunftsangst noch äußern, damit die großen Wirtschaftsmächte sich endlich nicht mehr taub stellen?"

Die internationale Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan sagte: "Die Regierungen müssen sich komplett neu aufstellen, denn das Ergebnis der COP25 ist völlig inakzeptabel." Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland schrieb, die Klimaschutzkonferenz sei ein "Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens" gewesen. Sie verrate alle Menschen, die weltweit längst unter den Folgen der Klimakrise litten und nach schnellen Fortschritten riefen. Alden Meyer von der Union of Concerned Scientists - der Union besorgter Wissenschaftler - ist seit dem Start der Klimaverhandlungen 1991 dabei. Einigermaßen entgeistert sagte er in Madrid: "Ich habe noch nie so eine fast komplette Trennung gesehen zwischen dem, was Wissenschaft und die Menschen verlangen, und dem, was die Klimaverhandler an Sinnvollem liefern."

Ziel des vor vier Jahren geschlossenen Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen vor allem aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in den kommenden Jahren drastisch sinken; bisher steigt er aber immer weiter.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufgeheizt. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen.

Vorgesehen ist schon länger, dass 2020 die Staaten ihre nationalen Pläne für den Klimaschutz nachbessern - das sollte der Gipfel in Madrid vorbereiten. Nun werden die Staaten an diese Zusage erinnert. Der nächste UN-Klimagipfel findet im November 2020 in Glasgow statt.

Teresa Dapp, Carola Frentzen und David Schwarz, dpa/mh

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung