Welt-Handelsindex fällt vor Merkels US-Trip Darum sollte Merkel mit Trump dringend über China sprechen

Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump: Gespräch über Welthandel geplant.

Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump: Gespräch über Welthandel geplant.

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Am Freitag dieser Woche reist Bundeskanzlerin Angela Merkel in die USA, um mit US-Präsident Donald Trump vor allem über das Thema Handel und die drohenden Zölle zu sprechen, die die Vereinigten Staaten auf Einfuhren aus Europa erheben wollen. Noch bis zum 1. Mai ist die Europäische Union (EU) von den erhöhten Abgaben auf Stahl und Aluminium ausgenommen, die die Regierung Trump bereits beschlossen hat - danach soll es auch für europäische Unternehmen ernst werden.

Dass die Zeit zur Klärung der Handelsstreitigkeiten drängt, zeigen auch aktuelle Daten vom Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK). So ist der Welt-Handelsindex, den das IfK regelmäßig berechnet, und den manager magazin online exklusiv präsentiert, in den vergangenen Wochen erneut gefallen. Der Index steht laut IfK jetzt bei 77,7 Punkten, nachdem er vor vier Wochen noch bei 79,2 gestanden hatte.

Bevor der Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt hochkochte, hatte der Index bereits einen Stand von beinahe 85 Punkten erreicht. Seither geht es abwärts (siehe Grafik).

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Für Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, zu der auch das IfK gehört, ist der Zusammenhang daher klar. "Die Hintergründe für diese Entwicklung sind hausgemacht", sagt Zschaber. "Fakt ist, die Attacken auf den globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen durch den US-Präsidenten und die entsprechenden Gegenmaßnahmen und Drohungen anderer Staaten, vor allen seitens Chinas, könnten den Schwung der Globalisierung und des Welthandels signifikant verlangsamen."

Dabei sieht Zschaber den schwarzen Peter im Handelskonflikt keineswegs ausschließlich auf Seiten der USA, deren Präsident Trump wegen seines augenscheinlich kompromisslosen Vorgehens häufig in der Kritik steht. "Die chinesische Regierung hatte schon immer eine gewisse Skepsis gegenüber dem Freihandel", sagt der Vermögensverwalter. "Ihre Überzeugung ist schlichtweg eine andere, nämlich eine die besagt, dass Freihandel nicht automatisch zu mehr Wohlstand für alle führt."

Das Bestreben des US-Präsidenten sei es lediglich, die Bedingungen auf allen Seiten einander anzupassen. "Trump möchte erzwingen, dass China das Zollniveau absenkt, was er jüngst nochmals bestätigt hat", so Zschaber. "Ansonsten würde er das Zollniveau der USA weiter erhöhen."

So trifft der US-China-Konflikt die deutschen Autobauer

Ein Blick auf den Status quo bestätigt diese Sicht: Laut Zschaber liegt das durchschnittliche Zollniveau der USA gegenwärtig nur etwa halb so hoch wie jenes in Europa. Das chinesische Zollniveau wiederum sei ungefähr doppelt so hoch wie das europäische. "Die Diskrepanz zu den USA ist somit riesig", meint er. "Es ist bisher weder der EU noch den USA gelungen, diese Hemmnisse in Kooperation mit China durch Handelsabkommen abzubauen."

Immerhin: Zwar gibt der Welt-Handelsindex aufgrund der Diskrepanzen schon seit Monaten nach. Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat der Handelskonflikt nach Angaben des IfK bislang aber noch nicht. Es sei nach wie vor damit zu rechnen, dass der Welthandel 2018 um 4,5 Prozent wachsen könnte, heißt es.

Ein weiterer Zusammenhang dürfte auch für Kanzlerin Merkel und deren Gespräche mit Trump von Interesse sein: Dem IfK zufolge bedroht der Konflikt zwischen den USA und China insbesondere deutsche Firmen, die in beiden Ländern sehr aktiv sind. "Deutsche Firmen haben Tausende Niederlassungen und Joint Ventures in den USA und China", sagt Zschaber. "Zölle zwischen beiden Märkten treffen damit zwangsläufig auch die deutsche Wirtschaft."

Allein BMW und Daimler würden die von China angedrohten Strafzölle laut IfK sogar stärker zu spüren bekommen als die US-Hersteller. "Die Verdopplung der Einfuhrzölle um 25 auf 50 Prozent, die Peking im Kräftemessen mit der Trump-Regierung auf bestimmte Autoimporte erwägt, sind eigentlich eher eine Steuer für die deutsche Automobilindustrie", so Zschaber. "Denn BMW  und Daimler  verschifften viel mehr in den USA gefertigte Autos nach China als die Konkurrenten General Motors , Ford  und Fiat Chrysler ."

Auch dies also ein Grund für die Bundeskanzlerin, mit US-Präsident Trump über den Handelskonflikt zu sprechen.