Dienstag, 20. August 2019

Mit Trumps Sieg droht tiefe Rezession Verheerende Folgen für Deutschland

Der neue US-Präsident Donald Trump wird den Wettbewerb beschränken und die Schulden erhöhen, um die US-Wirtschaft zu stützen. Der Exportnation Deutschland droht eine tiefe Rezession.

Der politisch unerfahrene US-Milliardär Donald Trump wird neuer US-Präsident. Seine Unerfahrenheit ist nicht einmal das größte Problem. Er muss zumindest Teile seiner Agenda durchsetzen, sonst drohen Proteste seiner Anhänger. Die Welt steht vor einer Rückkehr des Protektionismus und der alten Industrien.

Markus Schön
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    Markus Schön
    Markus Schön ist Vermögensverwalter und Autor mehrerer Bücher. Daneben engagiert er sich ehrenamtlich für die gemeinnützige GIVING TREE Stiftung, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Donald Trump hat die Wahl vor allem mit dem Bedienen des dumpfen Gefühls gewonnen, dass früher alles besser war. Tatsächlich war die Beschäftigungsquote in den USA höher, als noch personalintensiv produziert wurde. Durch die fortschreitende Globalisierung und die zunehmenden technologischen Möglichkeiten haben sich Verschiebungen ergeben. Dieser Weg ist unumkehrbar, weil in den USA die damals hohe Beschäftigungsquote mit einem deutlich niedrigeren Lohnniveau einherging.

Donald Trump kann die USA aber nicht in ein Niedriglohnland verwandeln. Stattdessen wird er versuchen, den Wettbewerb zu beschränken. Dazu müsste die US-Wirtschaft autark funktionieren. Grundsätzlich ist dies möglich, weil die Volkswirtschaft derartig groß ist, dass sie alle Bereiche abbilden kann.

Neue Wettbewerbsbeschränkungen drohen

So sieht der zukünftige US-Präsident die Grundlage eines wiedererstarkten Amerika in den Sektoren Stahlproduktion und fossile Energieträger. Mit dem Erschließen von Schiefergasvorkommen können die USA tatsächlich energieautark werden. Genügend Rohstoffe für die Produktion von Stahl und nahezu allen anderen industriell benötigten Materialien sind ebenfalls vorhanden. Aber preislich attraktiv sind diese nur, wenn es auf diesen Feldern keinen Wettbewerb gibt.

Entsprechend muss die Wirtschaftspolitik Donald Trumps darauf ausgerichtet sein, sich nicht nur von den wichtigsten Verbündeten im arabischen Raum, Saudi-Arabien, zu lösen, sondern auch weniger Waren aus den Exportnationen Deutschland, China und Japan einzuführen.

Deutschland, China und Japan sind aber wiederum auf den Absatzmarkt in den USA angewiesen. Ohne eine robuste Nachfrage der weltgrößten Volkswirtschaft droht eine tiefe Rezession, die zuerst China treffen würde. Zwar wird die dortige Volkswirtschaft immer stärker binnenorientiert, kann aber ohne die günstigen Exporte in die Industrienationen nicht weiter wachsen.

Doppelter Schock für Deutschland - es droht eine tiefe Rezession

Entsprechend ist aus deutscher Sicht die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ein doppelter Schock: Die Exporte in die USA werden schwieriger, gleichzeitig wird die Nachfrage nach deutschen Premiumprodukten aus China deutlich nachlassen. Damit droht Deutschland eine tiefe Rezession, auf die es kaum wirtschafts- oder geldpolitische Antworten gibt. Schließlich haben sich alle Volkswirtschaften auf einen weiterhin prosperierenden Welthandel eingestellt.

Dies mit geldpolitischen Instrumenten zu bekämpfen, dürfte extrem schwierig sein, weil gerade in der Eurozone das Gebot der Unabhängigkeit der Notenbanken weiterhin stark beachtet wird.

Donald Trump wird dies egal sein, zumal die US-Notenbank ohnehin nicht so unabhängig aufgestellt ist wie die EZB. Im Zweifel werden dort nicht nur die Zinsen wieder gesenkt und Anleihen gekauft, sondern gegebenenfalls auch Aktien von US-Unternehmen erworben, um den finanziellen Schock des Wahlergebnisses abzufedern.

Ob dies am Ende für eine Stabilisierung reichen wird, um eine der tiefsten Rezessionen weltweit der letzten 100 Jahre zu überwinden, ist allerdings fraglich.

Schließlich wird die Wirtschaftspolitik Donald Trumps zunächst zu einer explosionsartigen Erhöhung der Verbindlichkeiten führen, die er gegebenenfalls restrukturieren will. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein Schuldenschnitt der USA.

Erschütterung des Weltfinanzsystems - und noch mehr Schulden

Sollte ein solches Szenario auch nur ansatzweise denkbar werden, wird dies das Vertrauen in das Weltfinanzsystem nachhaltig erschüttern. Dann würde aus einer ernsten, aber nicht unlösbaren Wirtschaftskrise sehr schnell ein Systemrisiko, bei dem das Vertrauen in das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen könnte.

Es gibt allerdings einen Punkt, der hoffen lässt: Die Schulden des einen sind das Vermögen des anderen. Donald Trump hat als Geschäftsmann Erfahrung damit, einen Teil seines Vermögens durch die nur teilweise Rückzahlung seiner eigenen Verbindlichkeiten geschaffen zu haben. Nun wird er aber sein Vermögen nicht dadurch riskieren, indem er das gesamte System zum Einsturz bringt. Dies würde aber unweigerlich geschehen, wenn er die Weltwirtschaft in eine tiefe, durch Protektionismus ausgelöste Rezession stoßen oder tatsächlich den bisher undenkbaren Schuldenschnitt für die USA vollziehen würde.

Dennoch sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Die Präsidentschaft Donald Trumps verheißt wirtschaftlich nichts Gutes. Europa wird sich als ein Wirtschaftsraum verstehen müssen, der noch wesentlich stärker seine eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen muss. Dabei sollten die USA ein wichtiger Partner bleiben. Man sollte sich jedoch weniger intensiv als bislang auf ihn fokussieren.

Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung und Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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