Schwellenland ohne Krise Fünf Gründe, warum Indien der neue Star der Weltwirtschaft ist

Krise in Russland, Krise in Brasilien, selbst China zeigt Schwäche - nur Indiens Wirtschaft glänzt im Moment unter den Schwellenländern. Der "Economist" nennt fünf Faktoren für den Erfolg. Die neue unternehmerfreundliche Regierung zählt nicht dazu.
Geschäftszentrum Gurgaon nahe Delhi: Der hohe Anteil der Dienstleistungen schirmt die Wirtschaft gegen Schocks von außen ab

Geschäftszentrum Gurgaon nahe Delhi: Der hohe Anteil der Dienstleistungen schirmt die Wirtschaft gegen Schocks von außen ab

Foto: Corbis

Hamburg - Für eine Erfolgsgeschichte braucht es derzeit nicht viel. Der Kontrast zum Rest der Weltwirtschaft sorgt dafür, dass Indien "im Vergleich schon fast einen Boom" vorweisen kann, wie der "Economist" schreibt .

Nur einen ganz kleinen Tick hat der Internationale Währungsfonds seine jüngste Wachstumsprognose für das Land angehoben, von 5,6 auf 5,8 Prozent Plus in diesem Jahr; 2015 soll die Wirtschaft um 6,4 Prozent wachsen. Das wäre immer noch weniger als beim großen Nachbarn China, der sein Tempo jedoch deutlich gedrosselt hat, während die indische Wirtschaft dem 5-Prozent-Ghetto entkommt. Vor allem aber glänzt das Land im Vergleich zu anderen großen Schwellenländern wie Brasilien oder Russland, die in echten Krisen stecken.

Die im Mai mit großer Mehrheit gewählte neue Regierung des Hindu-Nationalisten Narendra Modi reicht als Erklärung nicht aus, wie das Magazin feststellt. Die unternehmerfreundlichen Reformen wie eine Beschleunigung der staatlichen Genehmigungsverfahren beschreibt der "Economist" als "bruchstückhaft". Einen großen Teil des aktuellen Enthusiasmus verdanke Indien schlichtem Glück.

  • Der starke US-Dollar, der in anderen Schwellenländern zu Kapitalabflüssen in Richtung Amerika führe, treffe Indien kaum - ein positiver Nebeneffekt der bisher restriktiven Politik gegenüber Investoren: in den für Ausländer komplizierten Anleihenmarkt sei von vornherein wenig "hot money" geflossen, deshalb könne jetzt auch nur wenig wieder abfließen;
  • das schwächere Wachstum der chinesischen Industrie drückt die Nachfrage nach Vorprodukten aus Südostasien und nach Rohstoffen aus Ländern wie Brasilien, aber mit diesen Lieferketten hat Indien kaum etwas zu tun;
  • wenig fürchten muss das Land im Unterschied zu anderen asiatischen Produzenten auch Konkurrenz der japanischen Industrie, die von der aggressiven Geldpolitik und dem fallenden Wechselkurs des Yen gestützt wird - Indiens Wirtschaft baut weit überwiegend auf Dienstleistungen;
  • noch schwächer sind die Handelsbeziehungen zum dauermaladen Europa, das Lieferanten wie Russland oder die Türkei in Mitleidenschaft zieht;
  • und der dramatische Fall des Ölpreises ist für Indien als einen der großen Importeure von Rohöl sogar ein großes Plus. Während andere Länder in der Welt sich vor einer drohenden Deflation und deren Ansteckung über Grenzen hinweg gruseln, freuen sich die Inder über einen Rückgang der bisher zu hohen Inflation.

Der "Economist" findet dann noch ein paar Hinweise, dass um Indiens Wirtschaft doch nicht alles zum Besten bestellt ist. Vorerst aber sei sie im Aufwind.

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