Freitag, 13. Dezember 2019

Der China-Manager Warum Audi und Co. in China Probleme haben

Audi-Manager Voggenreiter: China-Chef auf Abruf
DPA / Volkswagen
Audi-Manager Voggenreiter: China-Chef auf Abruf

Wolfgang Hirn
Dietmar Voggenreiter hatte jahrelang einen sehr angenehmen Job. Jeden Monat, jedes Jahr konnte er neue Absatzrekorde aus seinem Büro im Beijinger Sanlitun-Viertel nach Ingolstadt melden. Irgendwann war Audi in China Marktführer im oberen Segment und irgendwann war China für Audi der wichtigste Markt - rund ein Drittel aller Audis werden inzwischen in der Volksrepublik verkauft. Als Dank wurde Voggenreiter im März 2013 zum Generalbevollmächtigten ernannt, der das China-Geschäft auf Vorstandsebene vertreten durfte.

Was einst Segen war, wird jetzt zum Fluch - und für Voggenreiter zur Flucht. Ende des Jahres kehrt er zurück nach Ingolstadt in die strategische Planung. Muss er zurück? Ein Routinewechsel, beschwichtigt man in der Konzernzentrale. Egal, wie man Voggenreiters Abgang beurteilt - Audi hat ein großes Problem in China: Ihr größter Markt bricht ein. Im Juni gab es ein Absatzminus von 5,8 Prozent.

Nicht besser sieht es beim Rivalen BMW Börsen-Chart zeigen aus, für den seit 2013 China der größte Markt ist. Im Mai mussten die Münchner ein Absatzminus von vier Prozent vermelden. Das ist der erste Rückgang seit zehn Jahren!

Auch bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen, das rund die Hälfte seines Konzerngewinns in China macht, gingen im ersten Halbjahr zum ersten Mal seit zehn Jahren die Verkäufe zurück. Der Niedergang ist kein deutsches Phänomen: Jaguar Land Rover zum Beispiel meldete für Mai ein Minus von 32 Prozent.

Es sind nicht nur die Autoverkäufe, die schwächeln. Fast alle Konsumgüter - ob Luxuswaren oder Produkte des täglichen Bedarfs - haben Absatzprobleme. Nahezu alle Luxusgüter-Hersteller aus Frankreich, Großbritannien und Italien klagen, und das nicht nur wegen der Anti-Korruptions-Kampagne unter Parteichef Xi Jinping.

Und auch bei den sogenannten Fast-Moving Consumer Goods (FMCG) geht das Wachstum zurück. Besonders betroffen auch hier die ausländischen Firmen - von Nestlé Börsen-Chart zeigen über Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen bis Unilever Börsen-Chart zeigen. Im dritten Jahr hintereinander verloren sie 2014 Marktanteile. Die heimischen Hersteller hingegen gewinnen. In 18 von 26 FMCG-Kategorien - so eine Studie der Unternehmensberatung Bain - legten chinesische Marken zu, darunter in den vier umsatzstärksten Bereichen Getränke, verpackte Lebensmittel, Körperpflege und Reinigungsmittel.

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