Warnung des Weltwährungsfonds Ungleicher Zugang zu Corona-Impfstoff droht Weltwirtschaft zu spalten

Die Weltwirtschaft erholt sich von der Corona-Krise, aber die Ungleichheit steigt wegen des unterschiedlichen Zugangs zu Impfstoffen, warnt der Internationale Währungsfonds. Auch die Inflationsraten sollen weltweit anziehen.
Corona-Impfung in Bayern: In Industrieländern gibt es aktuell genügend Impfgelegenheiten - in Entwicklungsländern gefährdet der mangelnde Zugang die Wirtschaftserholung, warnt der IWF

Corona-Impfung in Bayern: In Industrieländern gibt es aktuell genügend Impfgelegenheiten - in Entwicklungsländern gefährdet der mangelnde Zugang die Wirtschaftserholung, warnt der IWF

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Nicolas Armer / dpa

Die Corona-Krise verschärft die weltweite Ungleichheit weiter: Die reichen Industrieländer, darunter Deutschland, werden sich schneller erholen und stärker wachsen als bisher erwartet, prognostiziert der Internationalen Weltwährungsfonds IWF in seinem jüngsten Ausblick zur Weltwirtschaftslage. Die Aussichten für viele ärmere Entwicklungs- und Schwellenländer haben sich hingegen im Vergleich zur letzten Prognose verschlechtert.

Grund für die unterschiedlichen Entwicklungen ist der unterschiedliche Zugang zu Corona-Impfstoffen, erklärte der IWF. "Schneller als erwartete Impfkampagnen und die Rückkehr zur Normalität haben zu Hochstufungen geführt, während der mangelnde Zugang zu Impfstoffen und wiederholte Covid-19-Wellen in manchen Ländern, insbesondere in Indien, zu Herabstufungen geführt haben", sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath (49). "Die weltweite Erholung der Wirtschaft setzt sich fort, aber mit einer größeren Lücke zwischen entwickelten Volkswirtschaften und vielen Schwellen- und Entwicklungsländern."

IWF stuft Indien wegen mangelnder Zugang zu Impfstoffen ab

Die Weltwirtschaft soll der am Dienstag vorgestellten Prognose zufolge dieses Jahr um starke 6 Prozent wachsen. Das entspricht dem vorigen Ausblick vom April, aber die Zusammensetzung des Wachstums hat sich geändert: Das Plus für die Industrieländer soll 5,6 Prozent betragen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Die Prognose für die Entwicklungs- und Schwellenländer für 2021 hingegen wurde um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gesenkt.

Das Muster wird sich dem IWF zufolge auch 2022 fortsetzen. Die Weltwirtschaft soll um 4,9 Prozent wachsen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Angetrieben werden soll die Entwicklung von einem um 0,8 Prozentpunkte stärkeren Wachstum der Industrieländer (4,4 Prozent), vor allem aufgrund höherer staatlicher Ausgaben in den USA und der EU. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schwellen- und Entwicklungsländer wiederum soll um 5,2 Prozent wachsen, eine Zunahme von 0,2 Prozentpunkten gegenüber der April-Schätzung. Die globale Erholung der Wirtschaft "ist nicht gesichert, bis die Pandemie weltweit zurückgeschlagen ist", betonte Gopinath.

USA sollen 2022 um 4,9 Prozent zulegen, Deutschland um 4,1 Prozent

Die USA werden laut der Prognose auch in diesem Jahr die große Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sein. Die weltgrößte Volkswirtschaft werde wegen der erfolgreichen Impfkampagne und eines massiven Konjunkturpakets um 7 Prozent wachsen. Das wäre das stärkste Wachstum seit einer Generation. Für das kommende Jahr erhöht der IWF seine Prognose um 1,4 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent an.

Auch Deutschlands Wirtschaft soll 2022 stärker zulegen: Nach einer Prognose von 3,4 Prozent im April geht der IWF nun von einem Wachstum von 4,1 Prozent aus. Für dieses Jahr wird weiter ein Plus von 3,6 Prozent erwartet.

Zu den Verlierern der jüngsten Prognose gehören unter anderem die Staaten Asiens, die zuletzt mit einer neuen Corona-Welle zu ringen hatten. Neben Indien sind das Malaysia, Thailand, Vietnam die Philippinen und Indonesien. Die Wachstumsprognose für China wurde ebenfalls gesenkt, allerdings vor allem wegen abnehmender staatlicher Unterstützung für die Wirtschaft. Die zweitgrößte Volkswirtschaft soll dieses Jahr um 8,1 Prozent wachsen, 0,3 Prozentpunkte weniger als im April angenommen. Nächstes Jahr soll es ein Plus von 5,7 Prozent geben.

Inflationsraten steigen 2021, für 2022 Inflations-Prognose erhöht

Die vergleichsweise hohe IWF-Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft liegt zum Teil auch daran, dass viele Staaten im Vorjahr wegen der Corona-Krise eine Rezession von historischem Ausmaß erlebt hatten und nun wieder aufholen. Dem IWF zufolge brach die globale Wirtschaft 2020 wegen der Pandemie um historische 3,2 Prozent ein.

Der IWF erwartet zugleich weltweit kräftiger steigende Verbraucherpreise, warnt die Notenbanken aber vor einer raschen Abkehr von der Politik des billigen Geldes. Die Preise dürften demnach in diesem Jahr in den Industriestaaten um durchschnittlich 2,4 Prozent zulegen. Im April war der Fonds nur von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2022 wurde die Prognose von 1,7 auf 2,1 Prozent erhöht.

"Die Zentralbanken sollten generell über vorübergehenden Inflationsdruck hinwegsehen und eine Straffung vermeiden, bis mehr Klarheit über die zugrundeliegende Preisdynamik besteht", riet der Fonds. Das müsse von den Währungshütern gut erklärt werden, damit sich Inflationserwartungen nicht verfestigten. "Es besteht jedoch das Risiko, dass der vorübergehende Druck anhalten wird und die Zentralbanken präventive Maßnahmen ergreifen müssen", räumte der IWF zugleich ein.

wed/DPA/Reuters
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