Gefahr einer Schuldenkrise Warum vielen Schwellenländern die Pleite droht

Pandemie, hohe Inflation und ein starker Dollar – das bringt viele defizitäre Schwellenländer in Bedrängnis. Für Staaten, die sich zudem in den vergangenen Jahren gegenüber China verschuldet haben, kommt ein weiteres Problem dazu.
Länder am Rande der Staatspleite: In Pakistan verschärft eine epochale Flutkatastrophe die bereits angespannte Situation

Länder am Rande der Staatspleite: In Pakistan verschärft eine epochale Flutkatastrophe die bereits angespannte Situation

Foto: Zahid Hussain / dpa

Die Flut hat Pakistan hart getroffen. Nach ungewöhnlich starken Monsun-Regenfällen steht rund ein Drittel des Landes unter Wasser. Etwa 1400 Menschen starben bislang, mindestens eine Million Häuser wurden zerstört, mehr als 30 Millionen Einwohner sind betroffen. Monetär beziffern Experten die Schäden schon jetzt auf etwa zehn Milliarden US-Dollar.

Die humanitäre Katastrophe trifft Pakistan in ohnehin desolater Lage. Das fünft bevölkerungsreichste Land der Erde kämpft mit einer Schuldenkrise, etwa 40 Prozent des Staatshaushaltes müssen bereits für die Tilgung von Schulden aufgewendet werden. Das Defizit liegt bei etwa 200 Milliarden US-Dollar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte kürzlich Maßnahmen, es kam zu massiven Protesten der Bevölkerung. Seitdem steigt auch die Inflation stark an. Die bange Frage lautet nun: Droht die Zahlungsunfähigkeit?

Wie Pakistan geht es derzeit einer Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern: Die Pandemie hat sie, etwa durch den ausbleibenden Tourismus, schon hart gebeutelt. Nun kommen die nächsten Einschläge, es droht eine gefährliche Schuldenspirale. Weltbank-Chefökonom Ayhan Kose fürchtet bereits eine globale Schuldenkrise wie in den Achtzigerjahren .

Ein wesentliches Problem für viele dieser Länder ist der derzeit starke US-Dollar. Weil viele Schulden in Dollar notiert sind, verteuert der neue Wechselkurs nicht nur die Schulden. Wegen der Stärke der US-Währung und der deutlich anziehenden Zinsen legen viele Investoren zudem ihr Kapital wieder in westlichen Staaten an, allen voran in den USA. Die Folge für die Schwellen- und Entwicklungsländer: Es gibt kaum noch neue Kredite.

Ärmere Länder spüren starken Kapitalabfluss

Viele ärmere Länder spüren seit Monaten einen massiven Kapitalabfluss. Bereits jetzt liegt die Zinsdifferenz für Anleihen beispielsweise aus afrikanischen oder auch südamerikanischen Ländern bei über zehn Prozent im Vergleich zu den als deutlich sicherer eingestuften US-Anleihen.

Es ist jedoch nicht nur die US-Währung, die in den betroffenen Staaten die Probleme verschärft. Viele Länder haben seit der Jahrtausendwende in China Kredite aufgenommen – das bevölkerungsreichste Land der Welt ist mittlerweile zum größten Gläubiger der Welt aufgestiegen . Viele Staaten sind wirtschaftlich abhängig von China.

Mit seinem mehr als 800 Milliarden Dollar schweren "Belt and Road"-Infrastrukturprogramm (in Deutschland auch als "Neue Seidenstraßen-Initiative” bekannt) hat China der Weltbank ernsthafte Konkurrenz gemacht – übrigens ohne von den mit diversen Notdarlehen ausgestatteten Ländern disziplinarische Wirtschaftsmaßnahmen einzufordern.

Doch ausgerechnet in dem seit Langem für sein starkes Wachstum bekannten Land schwächelt nun die Konjunktur. Wegen der strikten No-Covid-Politik der chinesischen Regierung wurden zuletzt immer wieder Teile der Wirtschaft lahmgelegt, viele Landesteile leiden unter einer heftigen Dürre, zudem steht die Immobilienbranche vor großen Problemen. Als Gegenmaßnahme hat die chinesische Regierung kürzlich ein 44 Milliarden Euro schweres Investitionspaket aufgelegt – Gelder, die nun nicht mehr ins Ausland fließen werden.

Warnung vor einem weltweiten Dominoeffekt

Und auch bei der Rückzahlung staatlicher Kredite kann es zu Problemen kommen. So hat China bislang kaum Erfahrung im Umgang mit überschuldeten Kreditnehmern sammeln können. Zudem sind die geschlossenen Verträge oft verworren und nur selten transparent, kritisieren westliche Finanzmarktexperten . Meistens enthalten die mit den Schwellenländern geschlossenen Kontrakte die Regel, dass diese Länder bei auftretenden Zahlungsschwierigkeiten zunächst die chinesischen Kredite bedienen müssen. Andere Staaten dürften demnach das Nachsehen haben, auch möglicherweise rettende Umstrukturierungen sind nicht vorgesehen.

Sollten einzelne Länder also tatsächlich ihren Zahlungsverpflichtungen künftig nicht mehr nachkommen können, droht ein Dominoeffekt: Auch Staaten, die bislang keine gefährdend hohen Schulden hatten, könnten dann durch den Zahlungsausfall eines anderen Landes in den Abwärtsstrudel der Staatspleiten gezogen werden. Bereits im Juni warnte Rebeca Grynspan (66), Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), deshalb vor einer fatalen Kettenreaktion – gegenwärtig sei das Risiko dafür sogar höher als auf dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie .

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