Mittwoch, 13. November 2019

Interview mit dem Wirtschaftsminister der VAE "Wir wollen Vertrauen gewinnen"

Sultan Bin Saeed Al Mansoori, Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen
Bloomberg via Getty Images
Sultan Bin Saeed Al Mansoori, Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen

In einem Jahr eröffnet die EXPO 2020 in Dubai. Mehr als 192 Länder haben ihre Teilnahme angekündigt und es werden über 200.000 Besucher pro Tag erwartet. manager magazin hat mit dem Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Sultan bin Saeed al Mansoori, über die anstehenden Herausforderungen in seinem Land gesprochen - nicht nur, was die Expo angeht.

manager magazin: Herr Minister, es ist das erste Mal, dass die Weltausstellung in der Region Naher Osten/Afrika/Südostasien stattfindet, was sind Ihre Ziele?

Sultan bin Saeed Al Mansoori
  • Copyright:
    Sultan bin Saeed Al Mansoori ist seit 2008 Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Sein Ziel ist es, die Abhängigkeit des Landes vom Öl zu reduzieren.

Al Mansoori: Die Expo ist eine Chance, unsere Position in der Welt friedlich zu vertreten; wir wollen Vertrauen gewinnen von den anderen Nationen. Denn es geht nicht immer nur um Öl. Wir wollen zeigen, wie wir es geschafft haben, die Fähigkeiten und Kapazitäten unserer Einwohner zu erweitern und so die VAE als Wirtschafts- und Handelszentrum zu fördern. Wir wollen unsere Zukunftsversion erklären.

Die Weltausstellung trägt den Titel "connecting minds, creating future". Wie sähe denn die Zukunft aus, wenn Sie sie gestalten dürften?

Aktuell bestimmt unsere Innovationsstrategie sehr stark das Vorgehen. Wir haben unsere Studenten in den vergangenen Jahrzehnten in alle Teile der Welt entsandt, auch ich war einer von ihnen. Wir wollen die Innovation zu uns ins Land holen. Dafür gucken wir uns verschiedene Länder an: Schweden, Deutschland, Korea. Wir lernen von allen und kreieren dann in einer Kombination unser eigenes Modell.

Welche Rolle spielt ihr Staatsfonds, der Abu Dhabi Investment Authority, bei der Zukunftsgestaltung?

Der Fonds ist ein strategisches Werkzeug und Teil unserer Politik der wirtschaftlichen Diversifikation, um die Einnahmen für kommende Generationen zu sichern. Aktuell sind wir besonders an den kleinen Innovationstreibern der Wirtschaft interessiert, den kreativen Köpfen. Innovation meine ich dabei in allen Bereichen: Gesundheitswesen, IT, Luftfahrt. Uns steht die Welt offen. Was auch immer uns geboten wird, wir können daran teilnehmen.

Die VAE haben aktuell das achtgrößte Ölvorkommen der Welt, der Handel macht immer noch knapp 30 Prozent des BIP aus. Wie bereiten Sie sich auf die Ära nach dem Öl vor?

Sie dürfen nicht vergessen, von wo wir kommen: Wir lagen mal bei 90 Prozent. Aber wir bauen die anderen Bereiche langsam aus, insbesondere Forschung und Entwicklung, Bildung und erneuerbare Energien. Wir arbeiten daran, den Anteil der nicht-fossilen Wirtschaftssektoren in den VAE auf 80 Prozent des BIP zu steigern. Der Produktionssektor soll in Zukunft von 9,5 auf 13,5 Prozent steigen, Innovation von 3,5 auf 5 Prozent. Wir wollen eine diverse Wirtschaft aufbauen, die Infrastruktur dafür haben wir schon.

Infrastruktur heißt auch Straßen, Flughäfen. Wie sehen Sie die Rolle der VAE beim Thema Klimaschutz?

Unser Fußabdruck ist enorm, durch die vielen Autos, die wir haben und die Städte. Um ihn dauerhaft zu reduzieren, müssen wir uns die neueste Technologie aneignen und die Nutzung der erneuerbaren Energien im Transport-Sektor verbessern. Dafür verfolgen wir kurzfristige Ziele, die in unserer Vision 2021 stehen, als auch langfristige, wie solche, die zum 100. Jubiläum der VAE 2071 erreicht werden sollen. Wir wollen führend werden in einer neuen Ära, in der es um erneuerbare Energien geht. Deshalb haben wir beispielsweise auch in den größten Solarpark der Welt investiert. Wir müssen ganz vorne dabei sein und das, obwohl wir Öl und Gas haben.

Ist es denkbar, dass die VAE erneuerbare Energien exportieren?

Es gibt ja nach wie vor das Speicher-Problem. Wenn das gelöst ist und die Effizienz der Solarzellen maximiert ist, ist das denkbar, ja. Zwar vermutlich nicht nach Europa, das ist zu weit. Aber wir wollen Teil der globalen Supply-Chain werden.

Es gibt bei Ihnen eine weitere Zukunftsvision: Sie wollen den Mars nicht nur erreichen, sondern auch besiedeln.

Wir haben bei der Luftfahrt nicht die volle Erfahrung, aber es ist eine der priorisierten Industrie, die wir anstreben. Wir sind davon überzeugt, dass die Luftfahrt heutzutage bei Sicherheit und wirtschaftlicher Entwicklung eine große Rolle spielt. Ich kann mir zum Beispiel auch Straßen in der Luft vorstellen. In Dubai testen wir schon unbemannte Drohnen und haben Satelliten, die komplett in den VAE hergestellt werden. Aber diese Prozesse brauchen Zeit und da müssen wir mehr auf die jüngeren Generationen vertrauen. Das Projekt "Mars 2117" ist ein sehr langfristiges. Es beinhaltet ein staatliches Programm zur Bildung einer neuen Generation von VAE Forschern, Experten, wissenschaftlichen Einrichtungen und Instituten. Wir wollen die erste Rakete "Hope" 2021 schicken und in der letzten Phase den Mars besiedeln.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung