Opposition droht Gläubigern mit Staatsbankrott Goldman Sachs' riskante Wette auf Venezuela

Oppositionelle Demonstranten in Caracas

Oppositionelle Demonstranten in Caracas

Foto: CARLOS GARCIA RAWLINS/ REUTERS

Es sieht nach einer unwahrscheinlichen Allianz aus: die erzkapitalistische Investmentbank Goldman Sachs an der Seite der in Bedrängnis geratenen sozialistischen Regierung von Venezuela. In der Rolle des Investorenschrecks - ausgerechnet die prowestliche Opposition des Landes.

Goldman Sachs hat jüngst eine große Wette darauf platziert, dass die Führung um Präsident Nicolas Maduro weiterhin zu ihrem Wort steht, trotz aller Not die Schulden korrekt zu bedienen. Weil viele Anleger daran zweifeln, ist das ein sensationelles Geschäft.

Die Investmentbank hat für den Spottpreis von 865 Millionen Dollar Schuldscheine des staatlichen Ölkonzerns PDVSA erworben, deren Nennwert 2,8 Milliarden Dollar beträgt. Diesen Betrag kassiert Goldman Sachs  zur Fälligkeit im Jahr 2022, wenn die Verträge eingehalten werden - plus die zwischenzeitlichen Zinsen. So winkt eine garantierte jährliche Rendite von 40 Prozent. Wo gibt es heute noch solche Kapitalerträge?

Allerdings kann dabei viel schiefgehen. Das vom niedrigen Ölpreis  geplagte Land steht dauernd am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Regierung zahlt einen hohen Preis, um die Gläubiger - zunehmend China mit durch Öl besicherte Kredite - nicht zu enttäuschen. Sie fürchtet das Beispiel Argentiniens, dessen Schuldenschnitt keinen Bestand gegenüber in den USA klagenden Investoren hatte. Der Geldmangel führt bereits zu einer drastischen Einschränkung der Importe, was die Venezolaner am eigenen Leib spüren. Die politische Krise spitzt sich mit teils tödlichen Straßenschlachten zu.

Doch wenn die Opposition, die bereits im - allerdings weitgehend machtlosen - Parlament die Mehrheit besitzt, das sozialistische Experiment beendet, könnten Investoren wie Goldman Sachs erst recht Probleme bekommen.

Parlamentspräsident Julio Borges hat Bankchef Lloyd Blankfein einen geharnischten Offenen Brief geschrieben. Er beklagt, die Bank habe "dem diktatorischen Regime eine finanzielle Rettungslinie gereicht" und suche den "schnellen Dollar im Leid meines Volkes".

So antwortet Goldman Sachs auf den "Hungerbond"-Vorwurf

Borges kündigt einen Untersuchungsausschuss zu dem Deal an - und setzt hinzu, er werde "jeder künftigen demokratischen Regierung empfehlen, diese Anleihen nicht anzuerkennen oder zu bezahlen". Auf Twitter erklärte Borges die Ansprüche der Amerikaner für "null und nichtig".

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Staatspleite ist jetzt die Losung der Opposition. Sie will die von Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chavez gemachten Schulden einfach für illegitim erklären. Dass Finanzmarktprofis vor noch größerem Chaos warnen und an einen Kompromiss - beispielsweise Anerkennung der Auslandsschuld im Gegenzug zu Freilassung politischer Gefangener - appellieren , juckt sie nicht.

Sogar der Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann, der aus Venezuela stammt und dort vor der Chavez-Zeit einmal als Planungsminister amtierte, will die Verbindungen des Landes zum Finanzmarkt kappen. Er spricht von "Hungerbonds"  und fordert die Bank JP Morgan auf, Venezuelas Anleihen aus deren Schwellenländerindex zu entfernen, wo sie wegen der hohen Rendite und stark schwankenden Preise derzeit dominieren. So bekämen Bondinvestoren Argumentationshilfe, die um das lukrative, aber aus seiner Sicht unmoralische Geschäft einen Bogen machen wollen.

Goldman Sachs verteidigt sich , auch viele andere in der Branche investierten in venezolanische Schuldscheine. Im Übrigen habe man die Papiere nicht direkt von der Regierung gekauft, sondern von anderen Anlegern am Sekundärmarkt.

Gleichwohl erkenne die Bank an, dass das Land sich in einer Krise befinde. "Wir stimmen zu, dass sich das Leben dort verbessern muss." Gerade weil Goldman glaube, dass das auch passieren werde, habe die Bank den Beschluss zum Kauf gefasst. Die Bank lässt offen, ob sie damit einen Regimewechsel meint.

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