Zusätzlich 180 Millionen Barrel Biden flutet den US-amerikanischen Ölmarkt

Bereits zweimal hat US-Präsident Joe Biden in den vergangenen Monaten die US-Ölreserven angezapft. Jetzt gibt er weitere 180 Millionen Barrel frei und damit so viel wie nie zuvor. Der Eingriff könnte die Preise im laufenden Jahr drücken, sei aber keine dauerhafte Lösung, sagen Analysten.
Öffnet erneut die Öllager: US-Präsident Joe Biden kündigt vor Journalisten an, in den kommenden sechs Monaten weitere 180 Millionen Barrel Öl aus den nationalen Notreserven freizugeben

Öffnet erneut die Öllager: US-Präsident Joe Biden kündigt vor Journalisten an, in den kommenden sechs Monaten weitere 180 Millionen Barrel Öl aus den nationalen Notreserven freizugeben

Foto: MICHAEL REYNOLDS / POOL / EPA

US-Präsident Joe Biden (79) zapft wegen des rasanten Anstiegs der Benzinpreise nach der russischen Invasion in der Ukraine die Öl-Notreserven des Landes so stark an wie noch nie. Biden gab am Donnerstagabend (MEZ) die Freigabe von einer Million Barrel Öl pro Tag für die nächsten sechs Monate bekannt. Mit insgesamt 180 Millionen Barrel Öl ist das der größte Abfluss in der Geschichte der US-Vorräte. Der Schritt hatte sich bereits abgezeichnet, das "Wall Street Journal"  (WSJ) und die "Financial Times"  hatten am Donnerstag über die Pläne berichtet.

Außerdem rief Biden die Ölkonzerne zu einer höheren Förderung auf. Das freigegebene Öl soll im Mai auf den Markt kommen.

Die strategischen Erdölreserven der USA sind die größten der Welt. Biden hatte Anfang des Monats wegen des russischen Einmarsches in der Ukraine die Einfuhr von Öl und anderen Energieträgern aus Russland untersagt.

Die Aussicht auf mehr Öl auf den Weltmärkten sorgte für sinkende Preise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Morgen 103,59 Dollar. Das waren 1,12 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,37 Dollar auf 98,91 Dollar. Außerdem wurde für Freitag ein außerordentliches Treffen der Internationalen Energieagentur IEA einberufen, bei dem andere Staaten sich den USA anschließen könnten.

Brent

Opec will Förderung nur geringfügig erhöhen

Trotz der sprunghaft gestiegenen Ölpreise will die erweiterte Gruppe der Ölproduzierenden Staaten, Opec+, ihre Förderung nur geringfügig erhöhen. Statt wie bislang monatlich bei 400.000 Barrel pro Tag (bpd) soll das Plus ab Mai bei 432.000 bpd liegen. Zur Opec+ gehört auch Russland.

Das Anzapfen der Ölreserven durch die USA könnte nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs den Ölmarkt in diesem Jahr stabilisieren. "Dies würde jedoch eine Freigabe von Ölvorräten bleiben, keine dauerhafte Versorgungsquelle für die kommenden Jahre. Eine solche Freigabe würde daher das seit Jahren bestehende strukturelle Versorgungsdefizit nicht lösen." Die USA könnten damit allenfalls die starke Volatilität begrenzen und große Aufwärtsbewegungen abschwächen, sagte auch Avtar Sandu, Rohstoffmanager bei Phillip Futures.

Die USA verbrauchen laut "FT" rund 20 Millionen Barrel pro Tag, was etwa einem Fünftel der weltweiten Nachfrage entspricht. Dabei hat die US-Regierung laut "Wall Street Journal" in den letzten Monaten bereits zweimal die strategische Erdölreserve angezapft. Zunächst gab sie im November 50 Millionen Barrel Öl aus der Reserve frei, im März dann weitere 30 Millionen Barrel.

Energiepreise steigen, Bidens Umfragewerte sinken

Biden hatte Anfang des Monats die Einfuhr von Öl und anderen Energieträgern aus Russland verboten und gleichzeitig eingeräumt, dass dies zu höheren Benzinpreisen für die Amerikaner führen könnte. Spekulationen auf ein mögliches Ölembargo auch durch die EU hatten die Rohölpreise und damit auch die Preise für Sprit zusätzlich in die Höhe getrieben.

Die hohen Energiekosten setzen Biden im Vorfeld der Zwischenwahlen in den USA unter Druck, weil die Republikaner die regierenden Demokraten dafür kritisieren und mit verantwortlich machen. Bidens Umfragewerte sind in den letzten Monaten deutlich gesunken, da die Amerikaner die Inflation, die sich auf einem 40-Jahres-Hoch befindet, und den Benzinpreis als Hauptthemen anführen.

rei/Reuters