Inflationsrate sinkt nur minimal Inflation bleibt in USA auf hohem Niveau

In den USA hat sich die Lage bei den Verbraucherpreisen im August nur minimal entspannt. Experten hatten einen etwas stärkeren Rückgang erwartet. Die US-Notenbank dürfte damit weiterhin gezwungen sein, die Zinsen kräftig und rasch zu erhöhen.
Erste Erfolge: Nach kräftigen Zinserhöhungen durch Jerome Powell und die Federal Reserve sinkt die Inflation leicht

Erste Erfolge: Nach kräftigen Zinserhöhungen durch Jerome Powell und die Federal Reserve sinkt die Inflation leicht

Foto: Manuel Balce Ceneta / dpa

Die hohe Inflation in den USA erweist sich als hartnäckiger als gedacht und setzt die Notenbank Fed bei den Zinsen weiter unter Zugzwang. Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen fiel im August von 8,5 Prozent im Juli auf 8,3 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte . Ökonomen hatten mit einem Wert von 8,1 Prozent und damit mit einem deutlicheren Nachlassen des Preisauftrieb gerechnet. Die Jahresteuerungsrate ist nunmehr immerhin zum zweiten Mal in Folge gesunken, was Experten als gutes Zeichen werten.

"Es wird immer mehr zu Gewissheit: Der Hochpunkt der US-Inflation sollte hinter uns liegen", so LBBW-Ökonom Dirk Chlench. An den US-Terminmärkten wird nunmehr dennoch fest damit gerechnet, dass die US-Notenbank am 21. September einen dritten großen Zinsschritt in Höhe von 0,75 Prozentpunkten gehen wird. Damit würde der Schlüsselzins dann in einer Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent landen. Auch eine noch drastischere Anhebung gilt als nicht ausgeschlossen.

Die US-Notenbank Federal Reserve und ihr Präsident Jerome Powell (69) streben als Idealwert für die Konjunktur eine Jahresteuerung von 2,0 Prozent an und sind davon trotz des jüngsten Rückgangs noch meilenweit entfernt. Sie wollen auf jeden Fall verhindern, dass sich die Erwartung einer anhaltend hohen Inflation in den Köpfen der Amerikaner festsetzt. Denn damit wäre die Glaubwürdigkeit der Notenbank als Hüterin der Preisstabilität in Gefahr. Die Fed wird nach Ansicht von VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel daher gefordert bleiben. Mit den Inflationszahlen vom August sei eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte "in Stein gemeißelt". Dies gelte gerade auch vor dem Hintergrund der im zweiten Halbjahr wesentlich besseren wirtschaftlichen Entwicklung.

Dax und Dow stürzen ab

An den Finanzmärkten blicke man deshalb auf die Zinssitzungen im späteren Jahresverlauf: "Sollte sich herausstellen, dass die Inflationsdynamik im Dienstleistungssektor hoch bleibt, wird die Fed nicht umhinkommen, auch auf den Zinssitzungen im November und Dezember deutlicher an der Zinsschraube zu drehen als bislang erwartet." Bis Ende dieses Jahres dürften weitere Zinsschritte notwendig sein, um die Inflationsrate deutlich und anhaltend nach unten zu befördern, meint auch Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank.

Mit Enttäuschung reagierten Anleger auf die US-Inflationsdaten. Dax  und EuroStoxx50  stürzten nach Veröffentlichung der Daten ab. Gleiches galt für den Euro, der sich auf 1,0048 Prozent verbilligte. Im Gegenzug drehte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, ins Plus und gewann 0,8 Prozent auf 109,09 Zähler. "Die Zahlen bestätigen, dass die US-Inflation immer noch heißläuft", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Das macht die Lage für die Fed noch schwieriger, die ihr Bestes versucht, die Teuerung in den Griff zu bekommen."

hr/Reuters
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