Verbraucherpreise US-Inflation steigt auf höchsten Wert seit 13 Jahren

Die Verbraucherpreise in den USA steigen noch stärker als erwartet. Mit 5,0 Prozent liegt die Inflationsrate so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Der Druck auf die US-Notenbank, an der Zinsschraube zu drehen, dürfte zunehmen.
US-Notenbank-Chef Jerome Powell: Ob er bei einer Inflationsrate von 5,0 Prozent doch ins Grübeln gerät?

US-Notenbank-Chef Jerome Powell: Ob er bei einer Inflationsrate von 5,0 Prozent doch ins Grübeln gerät?

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Die Inflation in den USA steigt stärker als ohnehin schon erwartet. Die Verbraucherpreise kletterten im Mai um 5,0 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Experten hatten lediglich 4,7 Prozent erwartet, nach 4,2 Prozent im April. "Die gefürchtete Fünf ist Realität geworden", sagte Thomas Altmann von QC Partners. Dies sei der höchste Wert seit 2008. Der starke Anstieg belegt eindrücklich, dass der Preisschub im April kein Ausrutscher war, sagte auch LBBW-Analyst Dirk Chlench. "Die US-Notenbank gerät damit zunehmend unter Druck, ihre Ansicht, dass die jüngsten Preissprünge nur temporärer Natur seien, zu überdenken."

"Schwer kalkulierbare Effekte" durch die Pandemie

"Die Corona-Pandemie hat das Preisgefüge so stark durcheinandergewirbelt, dass es zu einer Vielzahl nur schwer kalkulierbarer Effekte kommt", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Der US-Dienstleistungssektor laufe vielerorts wieder im Normalmodus, Preise für Flugreisen und Hotelübernachtungen zögen wieder an und lägen deutlich über dem Vorjahresniveau. "Es sind also einmal mehr sogenannte Basiseffekte am Werk." Gleichzeitig schlage nun auch der Mangel an Halbleitern zumindest indirekt auf die Konsumentenpreise durch. Gebe es wegen fehlender Halbleiter keine Neuwagen, wichen die Kunden auf Gebrauchtwagen aus. Diese hätten sich deutlich verteuert.

US-Staatsanleihen reagieren mit Kursverlusten

US-Staatsanleihen reagierten mit Kursverlusten auf den überraschend starken Inflationsanstieg in den USA reagiert. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) fiel im frühen Handel um 0,26 Prozent auf 132,37 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf 1,52 Prozent.

Die US-Notenbank Fed verfolgt die Preisentwicklung genau. Sie geht nach eigenen Angaben aber davon aus, dass die Inflation nur vorübergehend anziehen wird. Denn im Vorjahresvergleich ergeben sich wegen des Konjunktureinbruchs im Jahr 2020 hohe Preissteigerungsraten. Die Fed, die sich nächste Woche zur Zinssitzung trifft, unterstützt die Wirtschaft trotz der anziehenden Konjunktur weiter mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar. Sie will an den Anleihekäufen festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Fed-Vize Randal Quarles hat signalisiert, dass er für Gespräche über das Bond-Programm offen sei.

rei/Reuters, dpa-afx

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