Verbraucherpreise US-Inflation steigt auf höchsten Stand seit 40 Jahren

Die Verbraucherpreise in den USA steigen rasant. Mit 7 Prozent im Dezember kletterte die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit 1982. Der Druck auf die US-Notenbank steigt. Die Inflation wird auch zum Problem für US-Präsident Biden.
Die Preise rennen davon: Auch im Supermarkt spüren US-Amerikaner täglich die den Preisauftrieb

Die Preise rennen davon: Auch im Supermarkt spüren US-Amerikaner täglich die den Preisauftrieb

Foto: Jeff Greenberg / Getty Images

Die Verbraucherpreise in den USA sind im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,0 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Juni 1982, teilte das Arbeitsministerium in Washington am Mittwoch mit. Betroffen von dem Preisanstieg waren unter anderem Lebensmittel, Benzin, Neu- und Gebrauchtwagen.

Es war der dritte Monat infolge, in dem die Inflation in den USA über 6 Prozent lag. Zuletzt verlangsamte sich der Preisanstieg etwas: Im Vergleich zum Vormonat wuchsen die Preise im Dezember um 0,5 Prozent. Im November hatten die Preise im Vergleich zum Oktober noch um 0,8 Prozent zugelegt. Die USA sind kein Einzelfall: Mit der Erholung der Wirtschaft von den Folgen der Corona-Krise sind die Preise in zahlreichen Ländern stark angestiegen. Mit verantwortlich für die Inflations sind eine steigende Nachfrage bei zugleich international gestörten Lieferketten und ein Mangel an Arbeitskräften.

Angesichts der hohen Inflation wächst der Druck auf die US-Notenbank Fed, sich noch schneller von ihrer Nullzins-Politik zu verabschieden. "Die aktuell hohe Inflationsrate ist Wasser auf die Mühlen für diejenigen US-Notenbanker, die einen beschleunigten Ausstieg aus dem geldpolitischen Krisenmodus sehen möchten", sagte Ökonom Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe."

Tom Porcelli, leitender US-Volkswirt bei RBC Capital Markets, sagte der "Financial Times"  (FT): "Die Fed ist jetzt im Rückstand, sodass die Dringlichkeit, die man in Powells Stimme zur Inflation hört, eine Aufholjagd ist. Die Rechtfertigung für die Fed, auf die Inflation zu reagieren, liegt schon Monate zurück." Notenbank-Chef Jerome Powell hatte am Vortag davor gewarnt, dass die hohe Inflation eine "ernsthafte Bedrohung" für die Erholung des Arbeitsmarktes darstelle, und bekräftigte die Absicht der Zentralbank, ihre geldpolitische Unterstützung rasch zu reduzieren. Die Fed hat bereits damit begonnen, ihre Anleihekäufe zur Stützung der Konjunktur zurückzufahren, das Programm dürfte im März enden. In der Folge dürften auch die Leitzinsen angehoben werden.

Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, sagte: "An die hohen Inflationsraten kann und möchte man sich nicht gewöhnen. Es muss sich um eine vorübergehende Angelegenheit handeln, sonst hätte die amerikanische Wirtschaft langfristig ein Problem." Die gute Nachricht sei: In den kommenden Monaten werde die US-Inflationsrate in den Rückwärtsgang gehen. Da die Preise 2021 bereits kräftig gestiegen seien, falle die Veränderung zum aktuellen Niveau kleiner aus.

Steigende Löhne und Arbeitskräftemangel dürften Preise hochhalten

Die Einschätzung teilen nicht alle. "Die Daten deuten nicht darauf hin, dass die Inflation in irgendeiner Weise nachlässt", zitiert die "FT" Eric Winograd, Senior Economist für festverzinsliche Wertpapiere bei AllianceBernstein. So hat sich die Kerninflationsrate, bei der volatile Posten wie Lebensmittel und Energie herausgerechnet werden, laut US-Arbeitsministerium sogar auf 5,5 Prozent gegenüber 4,9 Prozent beschleunigt.

Auch der US-Arbeitsmarkt liefert eher Signale der Anspannung: So stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Dezember um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lagen damit deutlich über dem durchschnittlichen Anstieg von etwa drei Prozent vor der Pandemie. Lohnerhöhungen tragen in zunehmendem Maße zu einer hohen Inflation bei, weil sie höhere Ausgaben unterstützen, aber auch weil sie die Kosten für die Unternehmen erhöhen. Viele Unternehmen in den USA planen, die höheren Arbeits- und Materialkosten an die Verbraucher weiterzugeben.

"Wir beobachten, dass sich die Menschen in Jobs umsortieren, für die sie besser geeignet sind oder die sie bevorzugen. Die Lohnerhöhungen, die wir beobachten, konzentrieren sich also auf das untere Quintil", zitiert das "Wall Street Journal"  (WSJ) Constance Hunter, Chefvolkswirtin bei KPMG. "Insgesamt ist das gut für die Wirtschaft. Aber es trägt dazu bei, dass ein gewisser Aufwärtsdruck auf die Preise bestehen bleibt."

Preistreibend wirkte laut WSJ zuletzt auch die rasante Ausbreitung von Omicron. Sie habe den Arbeitskräftemangel verschärft, weil mehr Menschen an ihrem Arbeitsplatz fehlten. Vor allem Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes würden auf teure Lösungen zurückgreifen, um die Fabriken am Laufen zu halten, damit sie die boomende Nachfrage befriedigen können. So erklärte etwa der US-Logistik-Riese FedEx diese Woche, dass Omicron zu Personalengpässen und Verzögerungen bei der Auslieferung führt.

US-Präsident Biden gerät unter Druck

Die hohe Inflationsrate zehn Monate vor den Kongresswahlen ist auch ein Problem für US-Präsident Joe Biden und dessen Demokraten. Der US-Präsident steht zwar einer boomenden Wirtschaft vor, die im vergangenen Jahr mehr als sechs Millionen Arbeitsplätze geschaffen hat, während die Arbeitslosenquote auf 3,9 Prozent gesunken ist. Aber die Wahrnehmung eines starken Aufschwungs sei durch den starken Preisanstieg und knappe Güter infolge gestörter Lieferketten getrübt worden, sagen Experten. Anders ausgedrückt: Je höher die Preise, umso unzufriedener sind die Wähler und umso mehr sinken Bidens Umfragewerte. Die Regierung bemüht sich mit verschiedenen Initiativen, den Anstieg der Teuerungsrate zu bremsen - sie sind aber im Umfang begrenzt. Die schlagkräftige Munition zur Bekämpfung der Inflation findet sich in Washington bei der Fed.

rei mit Nachrichtenagenturen

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