Preise klettern weiter US-Inflationsrate steigt im Mai auf 8,6 Prozent

Die Inflationsrate erklimmt in den USA einen neuen Höchststand. Dabei hatten Ökonomen mit stagnierenden Preisen gerechnet. Der Druck auf die Fed, stärker an der Zinsschraube zu drehen, wächst. US-Finanzministerin Janet Yellen hält eine Rezession dennoch für unwahrscheinlich.
US-Finanzministerin Janet Yellen: "Ich erwarte, dass sich das Wachstum verlangsamt"

US-Finanzministerin Janet Yellen: "Ich erwarte, dass sich das Wachstum verlangsamt"

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Die Inflation in den USA zieht überraschend wieder an und klettert auf den höchsten Stand seit Dezember 1981. Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen stieg im Mai auf 8,6 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet. Materialengpässe und erhöhte Energiekosten auch infolge des Ukraine-Krieges halten den Preisdruck aber hoch.

Im April lag die Teuerungsrate noch bei 8,3 Prozent. Bereits im März erreichten die Verbraucherpreise in den USA mit 8,5 Prozent ein Rekordhoch. Im Februar betrug die Rate 7,9 Prozent.

In den USA war die Inflation bereits im vergangenen Jahr im Zuge der Erholung von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie stark angestiegen. Grund war unter anderem eine erhöhte Nachfrage nach Gütern bei gleichzeitigen Engpässen bei den internationalen Lieferketten und ein Arbeitskräftemangel. In den vergangenen Monaten führten dann die Ukraine-Krise und schließlich der am 24. Februar gestartete russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland zu einem starken Anstieg der Preise für Erdöl und damit auch für Benzin. Viele Staaten kämpfen daher derzeit mit hohen Inflationsraten, in Deutschland lag die Teuerung zuletzt bei 7,9 Prozent.

Dollar steigt, Dax weitet Verluste aus

Der erneute Anstieg der Inflation schürt Spekulationen auf ein anhaltend hohes Zinserhöhungstempo der Fed. Dies hievt den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, am Freitag um bis zu 0,6 Prozent auf ein Dreieinhalb-Wochen-Hoch von 103,95 Punkten - auch der Euro verlor zum Dollar. Am Aktienmarkt dagegen nahm der Verkaufsdruck zu: Der Dax weitete seine Verluste aus.

"Das sollte der Inflationsgipfel sein", sagte Analyst Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Die Inflationsrate bleibe vorerst aber sehr hoch. "Bis Ende 2022 dürfte sie Richtung 5,0 Prozent sinken und ab dem Frühjahr 2023 dürfte eine Drei vor dem Komma auftauchen."

Die US-Notenbank Federal Reserve hat Anfang Mai den größten Zinsschritt seit 22 Jahren unternommen und den Leitzins um einen halben Punkt auf die neue Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent angehoben. Fed-Präsident Jerome Powell (69) hat für die Sitzungen im Juni und Juli jeweils ähnlich starke Erhöhungen signalisiert. Er will dabei im Kampf gegen die ausufernde Inflation auch in Kauf nehmen, dass das Wachstum durch die geldpolitischen Straffungsschritte gedämpft wird.

Yellen hält Rezession für unwahrscheinlich

Eine Rezession hält die amerikanische Finanzministerin Janet Yellen (75) dennoch für unwahrscheinlich. "Ich denke nicht, dass wir eine Rezession haben werden. Die Verbraucherausgaben sind sehr stark. Die Investitionsausgaben sind solide. Ich erwarte, dass sich das Wachstum verlangsamt", sagte sie am Donnerstag bei einer Veranstaltung. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich eine Rezession anbahne. Die Benzinpreise dürften in der nächsten Zeit jedoch nicht sinken. Die US-Wirtschaft war im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,5 Prozent geschrumpft.

mg/Reuters