Plus 5,7 Prozent US-Wirtschaft mit stärkstem Wachstum seit knapp 40 Jahren

Nach dem Einbruch im Corona-Jahr 2020 ist die größte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Aufgrund von Lieferengpässen und der absehbar strafferen Geldpolitik dürfte sich das Wachstum in diesem Jahr allerdings wieder abschwächen.
Ausgedünnte Lagerbestände: Über Häfen wie diesen in Long Beach, Kalifornien, werden die leeren Lager wieder aufgefüllt:

Ausgedünnte Lagerbestände: Über Häfen wie diesen in Long Beach, Kalifornien, werden die leeren Lager wieder aufgefüllt:

Foto: © Lucy Nicholson / Reuters/ REUTERS

Die Wirtschaft in den USA ist im vergangenen Jahr um starke 5,7 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit 1984 nicht mehr. Das teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington auf Basis einer ersten Schätzung mit. Das Wachstum sei besonders durch gestiegene Verbraucherausgaben, Anlageinvestitionen, Exporte und Investitionen in Lagerbestände angetrieben worden, hieß es. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg damit auf rund 22,99 Billionen US-Dollar. Im Jahr 2020 war die US-Wirtschaft wegen der Corona-Krise eingebrochen, das BIP war damals um 3,5 Prozent geschrumpft. 1984 lag das Wachstum bei 7,2 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr entspricht in etwa den Erwartungen von Analysten und Regierung. Das Finanzministerium hatte für 2021 ein Wachstum von 5,3 Prozent erwartet, die Notenbank Federal Reserve (Fed) rechnete in ihrer Dezember-Prognose mit 5,5 Prozent.

Wachstum von 6,9 Prozent im vierten Quartal

Im vierten Quartal legte das BIP auf das Jahr hochgerechnet um 6,9 Prozent zu – so hoch lag das Plus zuletzt im vierten Quartal 1972. Volkswirte hatten hier lediglich mit einem Wachstum von 5,5 Prozent gerechnet. Auch hier schlugen unter anderem gestiegene Investitionen in Lagerbestände und Verbraucherausgaben zu Buche. Im dritten Quartal war das Wirtschaftswachstum mit 2,3 Prozent noch wesentlich schwächer ausgefallen.

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo auf eine Annualisierung verzichtet wird. Um näherungsweise auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

2022 nur noch 3 bis 4 Prozent Wachstum

Die US-Wirtschaft hat die Corona-Krise größtenteils hinter sich gelassen, auch dank billionenschwerer staatlicher Konjunkturpakete. Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember auf 3,9 Prozent. Viele Unternehmen klagen bereits über einen Mangel an Bewerbern. Vor der Corona-Krise hatte die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.

Sorge bereitet Ökonomen und Politikern allerdings die seit Monaten sehr hohe Inflationsrate. Die Preise für die Verbraucher waren im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent gestiegen. Das war der höchste Wert seit Jahrzehnten. Um die Inflation zu drosseln, will die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr voraussichtlich mehrmals erhöhen. Das dürfte allerdings auch das Wachstum ausbremsen. Im laufenden Jahr dürfte sich das Wirtschaftswachstum daher auch auf 3 bis 4 Prozent abschwächen.