Schwächelnde Konjunktur US-Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal

Eine Ausweitung des Handelsbilanzdefizits hat im ersten Quartal die US-Wirtschaft belastet. Das Bruttoinlandsprodukt fällt um 1,4 Prozent. Der private Konsum und die Investitionen entwickelten sich aber solide.
Die Konjunktur schwächelt: Belastet wurde die US-Wirtschaft vor allem durch eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits

Die Konjunktur schwächelt: Belastet wurde die US-Wirtschaft vor allem durch eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits

Foto: Markus Scholz / dpa

Die US-Wirtschaft hat zu Jahresbeginn überraschend eine Talfahrt hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Belastet wurde die Wirtschaft vor allem durch eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits. Der private Konsum und die Investitionen entwickelten sich solide.

Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent gerechnet, nachdem Ende 2021 noch ein Plus beim BIP von 6,9 erreicht worden war. Damals hatten viele Betriebe ihre in der Pandemie geleerten Lagerbestände wieder aufgefüllt, was für starken konjunkturellen Rückenwind sorgte. Dies taten sie zu Jahresbeginn nicht mehr in gleichem Maße.

Zudem schrumpften die Exporte im ersten Quartal um 5,9 Prozent, nachdem sie Ende 2021 noch um 22,4 Prozent zugelegt hatten. Die Verbraucher steigerten ihren Konsum allerdings um 2,7 Prozent und zeigten sich damit etwas ausgabefreudiger als Ende vorigen Jahres. Auch die Investitionen der Firmen zogen mit 9,2 Prozent stärker an als im Vorquartal mit seinerzeit plus 2,9 Prozent.

Fed wird Zinssatz wohl dennoch weiter anheben

Weil der Konsum und die Investitionen zulegten, dürfte der Rückgang des BIP keine Konsequenzen für die US-Notenbank Federal Reserve haben. Trotz der sich abzeichnenden Konjunkturabschwächung hat die Zentralbank im März die Zinswende vollzogen und will nächste Woche nachlegen. An den Finanzmärkten wird mit einer Anhebung um einen halben Punkt gerechnet – der größte Zinssprung seit über 20 Jahren. Die Fed reagiert damit auf die rasant steigenden Preise im Land. Die US-Teuerungsrate war im März mit 8,5 Prozent auf den höchsten Stand seit über 40 Jahren gestiegen, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälert.

Die frischen BIP-Daten seien zwar "vordergründig besorgniserregend", erläuterte LBBW-Ökonom Dirk Chlench. Der Konjunkturdurchhänger sei jedoch ausschließlich auf Belastungen vom Außenhandel sowie geringere Lagerinvestitionen zurückzuführen. Allerdings legte der private Konsum zu und die Unternehmen investierten deutlich mehr. "Kurzfristig sind die Rezessionsgefahren daher gering. Nächstes Jahr dürften die Risiken aber zunehmen", sagte Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank.

Nach Einschätzung von Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist neben dem belastenden Außenbeitrag und den Lagerveränderungen auch der Konsum hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Zinserwartungen bezüglich der Fed werden angesichts dessen nicht forciert. Die Zinserhöhung im Mai aber abzuschreiben wäre wohl verfrüht, denn die heimische End-Nachfrage ist gewachsen."

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo auf eine Annualisierung verzichtet wird. Um näherungsweise auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

dri/Reuters, AFP, dpa