Hohe Exporte US-Wirtschaft wächst überraschend stark

Nach den Rückgängen in den beiden Vorquartalen ist die US-Wirtschaft im dritten Jahresviertel wieder gewachsen. Die größte Volkswirtschaft der Welt profitierte dabei vor allem von einem starken Außenhandel. Doch das ist wohl nur ein kurzes Aufbäumen.
Kein signifikanter Anstieg von Unternehmensinsolvenzen: US-Finanzministerin Janet Yellen konnte bisher keine Anzeichen für eine Rezession erkennen

Kein signifikanter Anstieg von Unternehmensinsolvenzen: US-Finanzministerin Janet Yellen konnte bisher keine Anzeichen für eine Rezession erkennen

Foto: MICHAEL REYNOLDS / EPA

Die US-Wirtschaft ist im Sommer ungeachtet der hohen Inflation und steigender Zinsen überraschend stark gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,6 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Donnerstag zu seinen vorläufigen Berechnungen mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet. Die Verbraucher gaben erneut mehr aus, während die Unternehmen deutlich mehr investierten. Die Exporte schnellten trotz des starken Dollar nach oben.

Zuvor rutschte die US-Wirtschaft rein technisch in eine Rezession ab. Im zweiten Quartal schrumpfte das BIP aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent. Im ersten Jahresviertel war die Wirtschaftsleistung bereits um 1,6 Prozent gesunken. Die Wirtschaft geriet damit in eine sogenannte technische Rezession, verzeichnete also in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen eine schrumpfende Wirtschaftsleistung.

US-Finanzministerin Janet Yellen (76) und viele Ökonomen hielten den Begriff der Rezession aber für nicht angebracht, unter anderem wegen der Stärke des Arbeitsmarkts. Die Arbeitslosenquote in den USA liegt bei nur 3,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit rund 50 Jahren.

Experten rechnen allerdings mit demnächst wieder mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft. "Die Belastungen durch die massive geldpolitische Straffung der US-Notenbank werden nun immer sichtbarer", sagte Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG. "Das Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession steht bevor."

Konsumausgaben wuchsen langsamer

Erste Warnsignale lassen sich aus den Details zum Sommerquartal herauslesen. So wuchsen die privaten Konsumausgaben - die wichtigste Stütze der Konjunktur - mit 1,4 Prozent langsamer als im vorangegangenen Vierteljahr mit 2,0 Prozent. Die starke Inflation nagt an der Kaufkraft der Verbraucher. Zwar schnellten die Exporte trotz des starken Dollar um 14,4 Prozent nach oben, doch zugleich sanken die Importe um 6,9 Prozent. "Die rückläufigen Importe sind eher Zeichen für eine sich abschwächende Inlandskonjunktur", sagte Hepperle.

Angesichts der anhaltend hohen Inflation im Land hat sich die Konsumlaune jüngst deutlich eingetrübt. Die US-Notenbank Federal Reserve stemmt sich mit kräftigen Zinserhöhungen gegen den Anstieg der Verbraucherpreise, die zuletzt um 8,2 Prozent zulegten. Die Fed steht vor ihrem vierten großen Zinsschritt in Folge und könnte die Obergrenze des geldpolitischen Schlüsselsatzes kommende Woche auf 4,0 Prozent nach oben schrauben. "Auch wenn im laufenden vierten Quartal noch ein positives Wachstum zu Buche steht dürfte, im kommenden Jahr wird dann auch die US-Wirtschaft in die Rezession rutschen", sagte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo darauf verzichtet wird. Um näherungsweise auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

mg/Reuters, dpa-afx
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