Bruttoinlandsprodukt erneut gesunken US-Wirtschaft fällt in technische Rezession

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal erneut geschrumpft - und gleitet damit in eine sogenannte technische Rezession ab. Der Arbeitsmarkt zeigt sich allerdings weiterhin robust.
Blitz und Donner: Der gestiegene Dollar belastet die US-Exporte, weil sich damit Waren für die Käufer verteuern. Zusätzlich leidet der Inlandskonsum unter einer hohen Inflation.

Blitz und Donner: Der gestiegene Dollar belastet die US-Exporte, weil sich damit Waren für die Käufer verteuern. Zusätzlich leidet der Inlandskonsum unter einer hohen Inflation.

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IlluPics / IMAGO

Die US-Wirtschaft hat ihre Talfahrt im Frühjahr fortgesetzt und ist damit in eine Rezession abgerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent zurück, teilte das US-Handelsministerium am Donnerstag auf Basis einer ersten Schätzung mit.

Im ersten Jahresviertel war die Wirtschaftsleistung bereits um 1,6 Prozent gesunken. Die Wirtschaft ist damit in eine sogenannte technische Rezession abgerutscht, hat also in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen eine schrumpfende Wirtschaftsleistung verzeichnet.

In den USA entscheidet allerdings das "National Bureau of Economic Research" über den Zustand der Wirtschaft. Neben dem BIP-Wachstum berücksichtigen die Ökonomen noch eine Reihe anderer Daten bei ihrer Entscheidung und der Frage, ob sich die US-Wirtschaft in einer Rezession befindet. Die Volkswirte definieren eine Rezession als "einen signifikanten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit, der sich über die gesamte Wirtschaft erstreckt und länger als ein paar Monate andauert".

Robuster Arbeitsmarkt, hohe Inflation

Zwar zeigte sich der Arbeitsmarkt in den USA zuletzt weiter stark. Das Job-Wachstum lag im Schnitt in der ersten Jahreshälfte pro Monat bei 456.700 Stellen. Doch die Gefahr eines Abschwungs ist größer geworden. Im Hausbau und bei Hausverkäufen sind bereits Anzeichen von Schwäche zu erkennen. Zudem gingen die Bauinvestitionen deutlich zurück, dazu kommt ein starker Lagerabbau. Außerdem hat sich in den vergangenen Monaten das Verbrauchervertrauen abgeschwächt und auch die Stimmung in den Unternehmen hat bereits nachgelassen. Die Exporte und die Konsumausgaben der privaten Haushalte sind dagegen gestiegen. Allerdings habe der Zuwachs nicht ausgereicht, um den Rückgang in den anderen Bereichen auszugleichen, erklärte das Handelsministerium weiter.

Ein Grund für die wirtschaftliche Schwächephase dürfte der Kampf der US-Notenbank Fed gegen die hohe Inflation von zuletzt 9,1 Prozent sein. Seit März hat sie den Leitzins um 2,25 Prozentpunkte angehoben, was in historischer Betrachtung eine erhebliche Straffung in verhältnismäßig kurzer Zeit ist. Fed-Chef Jerome Powell hatte nach der jüngsten Anhebung am Mittwoch gesagt, er glaube nicht, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befinde. Als Grund gab er unter anderem die Stärke des Arbeitsmarkts an, der sich in der Nähe der Vollbeschäftigung befindet. Andere Ökonomen befürchten allerdings, dass die Fed mit ihren Jumbo-Schritten zu stark auf die Zinsbremse treten und damit die Konjunktur abwürgen könnte.

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo darauf verzichtet wird. Um näherungsweise auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

"Bisher nur eine technische Rezession"

"Die Zahl enttäuscht ganz klar und so stecken die USA mit zwei Minusquartalen in Folge in einer technischen Rezession", kommentierte Fachmann Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Auch Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner sprach von einer technischen Rezession, nicht aber von einer breitangelegten Rezession, auf die das Nationale Bureau of Economic Research (NBER) abstellt.

Ähnlich argumentiert Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Die Berechnungen des NBER beruhten auf einem breiten Datenbündel, das noch keine Rezession anzeige. "Die US-Wirtschaft befindet sich deshalb in einer technischen Rezession, ohne dass nach offizieller Verlautbarung die Wirtschaft tatsächlich in einer Phase wirtschaftlicher Kontraktion steckt." Die Federal Reserve werde sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen und grundsätzlich auf Zinsanhebungskurs bleiben.

Zwar dürfte das Wachstum der US-Wirtschaft im aktuellen und dem Jahresschlussquartal wieder etwas zulegen, schreibt Fritzi Köhler-Geib von der KfW. Besonders die weiterhin hohen Inflationsraten und die anhaltenden Zinserhöhungen der US-Notenbank drückten jedoch zunehmend auf den Konsum. "Während der Arbeitsmarkt sich aktuell noch robust zeigt, mehren sich in den Geschäftserwartungen der Unternehmen im Einzelhandel und im Bausektor Zeichen einer Abkühlung. Schlagen sich diese Erwartungen in negativen Geschäftsergebnissen nieder, dürfte auch die Lage am Arbeitsmarkt kippen."

rei, mg/Reuters
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