US-Reaktionen auf Trump-Rede Sogar Fox News kritisiert Trumps Vorpreschen

Donald Trump sät wieder mal Zwietracht: Er will die Auszählung der restlichen Stimmen vom Obersten Gerichtshof stoppen lassen. Das führt in den USA zu heftiger Kritik - selbst bei Trumps "Haussender" Fox News.
Fox-News-Moderator Chris Wallace: Trump "zündelt in einer sehr entflammbaren Situation"

Fox-News-Moderator Chris Wallace: Trump "zündelt in einer sehr entflammbaren Situation"

Foto: POOL / REUTERS

Wo Donald Trump ist, sind Konflikte nicht weit - das zeigt sich auch in der Wahlnacht der US-Präsidentschaftswahl 2020. Trump reklamiert den Wahlsieg noch vor Auszählung aller Stimmen für sich - und er will die Auszählung der restlichen Stimmen stoppen. Dafür will Trump vor den Obersten Gerichtshof der USA, den Supreme Court, ziehen.

Trump sprach in einer Rede im Weißen Haus von angeblichem "Betrug an der Nation" bei der Wahl und fügte hinzu: "Wir werden vor den Supreme Court ziehen. Wir wollen, dass alles Wählen endet." Vermutlich bezog sich Trump damit auf die nach wie vor laufende Auszählung zahlreicher Briefwahlstimmen. "Wir wollen nicht, dass sie um vier Uhr morgens noch Stimmzettel finden und sie zur Liste hinzufügen."

Demokraten: Trump versucht US-Bürgern "Stimme wegzunehmen"

Der Winkelzug rief wenig überraschend heftige Reaktionen hervor. Nicht nur bei seinem Herausforderer Joe Biden (77): Der hat die Aussagen von Amtsinhaber Donald Trump (74) zu einem möglichen Stopp der Stimmauszählungen als "skandalös" und "beispiellos" zurückgewiesen. Die Rechtsexperten Bidens seien aber für eine gerichtliche Auseinandersetzung gerüstet, erklärte das Wahlkampfteam am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit). Trump hatte zuvor angekündigt, er wolle eine weitere Auszählung der Stimmen vom Obersten Gerichtshof des Landes stoppen lassen.

"Niemals zuvor in unserer Geschichte hat ein Präsident der Vereinigten Staaten versucht, den Amerikanern in einer nationalen Wahl ihre Stimme wegzunehmen", hieß es in der Erklärung von Bidens Wahlkampfchefin Jen O'Malley Dillon. Es stünden mehrere Teams an Rechtsexperten bereit, um einen möglichen Vorstoß von Trump zu bekämpfen. "Und sie werden sich durchsetzen."

Fox News: "Der Präsident zündelt hier gerade"

Selbst bei dem Nachrichten-Fernsehsender Fox News, der als Trump-nah gilt, hagelte es Kritik an Trumps Betrugsvorwürfen und dem Gang vor das oberste Gericht. "Das ist eine hoch brennbare Situation, und der Präsident zündelt hier gerade", sagte Fox-News-Präsentator Chris Wallace laut der New York Times  in seiner Sendung am Wahlabend. Eine Entscheidung über die Auszählung der Stimmen wäre der "schlimmste Albtraum" für die neun Richter des obersten Gerichtshofs. "Keiner von ihnen will entscheiden, wer der nächste Präsident ist", erläuterte Wallace am Wahlabend (hier ein Original-Ausschnitt ). Schließlich versuche sich der Oberste Gerichtshof so weit als nur irgend möglich aus dem Politikbetrieb herauszuhalten.

Und zu Trumps Behauptung, er habe auch in Staaten wie Georgia und North Carolina gewonnen, hatte Wallace ebenfalls ein klares Verdikt: "Er hat diese Bundesstaaten nicht gewonnen", so Wallace. "Niemand sagt, dass er diese Bundesstaaten gewonnen hat. Die Bundesstaaten haben noch nicht gesagt, dass er gewonnen hat."

Chris Christie: "Schlechte Entscheidung" von Trump

Im US-Wirtschaftsfernsehen MSNBC drückte es Moderator Brian Williams so diplomatisch aus: "Wir zögern, hier einzuschreiten, aber es ist unsere Pflicht, folgendes aufzuzeigen. Wenn er [Trump] sagt 'Wir haben die Wahl gewonnen, wir haben sie bereits gewonnen', beruht das überhaupt nicht auf Fakten".

Chris Christie, der frühere Gouverneur des Bundesstaats New Jersey, äußerte sich auf ABC mit folgenden Worten: "Es ist eine schlechte strategische Entscheidung. Es ist eine schlechte politische Entscheidung", sagte er über Trumps Gang vor den obersten Gerichtshof. Der Republikaner Christie hatte Trump im Wahlkampf lange unterstützt. Nach einer Corona-Erkrankung ging er aber vor einigen Wochen bereits merklich auf Distanz zum US-Präsidenten.

wed/afp