Jens-Uwe Meyer

"Wenn ich Präsident bin ..." Die leeren Versprechen des Donald Trump

Donald Trump würde als US-Präsident Jobs und Fabriken von US-Unternehmen aus dem Ausland zurück in die USA holen, verspricht der Republikaner

Donald Trump würde als US-Präsident Jobs und Fabriken von US-Unternehmen aus dem Ausland zurück in die USA holen, verspricht der Republikaner

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS
Jens-Uwe Meyer

Dr. Jens-Uwe Meyer ist Vorstandsvorsitzender der Innolytics GmbH, Autor und internationaler Keynote Speaker. Mit 13 Büchern (u.a. "Digitale Gewinner", "Digitale Disruption") und mehr als 250 Artikeln zählt er zu den Vordenkern für Digitalisierung und Innovation in Europa.
www.jens-uwe-meyer.de 

Trump als Präsident wäre für seine Anhänger eine bittere Enttäuschung. Denn nach der Globalisierung, die so viele Arbeitsplätze in den USA vernichtete, rollt bereits die nächste Welle an: die Digitalisierung. Die Zukunft bringt Automatisierung im großen Stil und McJobs von Uber & Co. Und auch der amerikanische Präsident wird daran nichts ändern können.

Trump kann Fabriken zurückholen - aber keine Jobs

Am ersten Tag seiner Amtszeit werde er persönlich den Druck auf Unternehmenchefs erhöhen, kündigt Trump im Wahlkampf an. Er werde dafür sorgen, dass Fabriken von Mexiko zurück in die USA kommen. Damit könnte er sogar erfolgreich sein. Doch was er verschweigt: Produktionsanlagen werden heute so geplant, dass sie mit einem Minimum an Mitarbeitern auskommen. Auch die Verwaltung dieser Fabriken braucht heute weniger Beschäftigte. Und die meisten neuen Lager in der Logistik sind längst hochautomatisiert.

Die Ursachen für diesen neuen Automatisierungsschub beschreibe ich in meinem aktuellen Buch "Digitale Disruption ": Das Prinzip der Kompetenzstandardisierung und das Prinzip der radikalen Effizienzsteigerung. Routinetätigkeiten werden zunehmend standardisiert und durch Algorithmen erledigt. Das Knowhow eines Sachbearbeiters lässt sich genauso digitalisieren wie das eines Kraftfahrers, Roboter können immer komplexere Tätigkeiten verrichten. Zudem wird das, was derzeit als Industrie 4.0 Schlagzeilen macht, auch die Wirtschaft in den USA radikal verändern: Vernetzte IT-Systeme sorgen dafür, dass von der Warenbestellung über die Produktion bis zur Auslieferung deutlich weniger Menschen mit der Koordinierung der Lieferkette beschäftigt sind.

McJobs von Uber statt regulärer Arbeitsplätze

Auch das Prinzip "Crowdification" wird Trump nicht aufhalten können. Aufgaben, die früher festangestellte Mitarbeiter in Unternehmen verrichteten, werden mehr und mehr von selbstständigen Unternehmern erledigt, die ohne Jobsicherheit und soziale Absicherung auf der täglichen Jagd nach Umsatz sind. Ob Uber-Fahrer, Paketlieferant oder Clickworker - der Trend, Aufgaben in die Crowd zu verlagern, wird die Arbeitswelt massiv verändern.

Das Crowdification-Prinzip greift die Geschäftsmodelle von Unternehmen an, die bislang ihr Geschäft entweder als Vermittler (beispielsweise ein Makler) oder als Zentralisierer (beispielsweise eine Autovermietung) verdient haben. Der Wettbewerbsvorteil dieser Unternehmen lag in der Informationshoheit und in den Preisvorteilen, die sie über die Zentralisierung gewinnen konnten. Vermittler wussten exklusiv, wer etwas anbietet und hatten einen exklusiven Zugang zu potentiellen Kunden. Zentralisierer rechneten sich, weil sie dank ihrer Größe und ihrer zentralisierten Auftragsverarbeitung günstige Preise anbieten und dabei noch Gewinne erzielen konnten.

Durch Crowdification gehen die Wettbewerbsvorteile dieser beiden Unternehmenstypen verloren. Wo vorher Informationen in der Hand des Vermittlers waren, sind sie nun offen. Und weil sie - wie Uber - keinen eigenen Besitz haben, können Unternehmen mit dem Prinzip Crowdification die Preise zentralisierter Unternehmen deutlich unterbieten.

Trump kann Jobs, die durch Crowdification verloren gehen, nicht zurückbringen. Egal was er verspricht: Die nächste Welle der McJobs kommt.

Es nützt nichts, Mauern zu bauen

Trumps Lieblingsprojekt ist die Mauer. Hoch, solide, sicher. Eine Mauer zwischen den USA und Mexiko. Doch in der digitalen Zukunft schützen Mauern die Arbeitsplätze eines Landes nicht mehr so wie sie es früher taten. Wer Produktbeschreibungen im Internet anfertigen, Logos entwerfen oder Webanimationen in Auftrag geben möchten, hat über das Internet-Marktplätze wie fiverr  längst die Wahl zwischen freien Mitarbeitern aus den USA, Mexiko, Rumänien oder Südafrika. Und wer Ersatzteile für seinen Oldtimer sucht, braucht keinen Hersteller mehr, der sie produziert. Irgendjemand hat irgendwo auf der Welt längst ein 3D-Modell entwickelt, das über Webplattformen wie Thingiverse  weltweit vertrieben und per 3D-Drucker ausgedruckt wird.

Digitale Dienstleistungen kennen keine Grenzen. Wenn Apple  ein neues Mobiltelefon testet, sind Testcenter in den USA, Europa und China involviert. Indische Programmierer sprechen die gleiche Sprache wie ihre US-Kollegen. Und die chinesische Trickfilmindustrie setzt gerade dazu an, Hollywood zu überholen . Ja, werden Sie vielleicht sagen, es geht doch um Mexiko. Trumps Mauer richtet sich gegen die Billigkonkurrenz aus dem Süden. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto ist hier schon einen Schritt weiter. Auf dem World Economic Forum präsentierte er im Januar 2016 seine Zukunftsvision . Mexiko gehört zu den wenigen Staaten, die ihren Bürgern eine Breitband-Internetversorgung in der Verfassung garantieren. 85 Prozent aller Unternehmen sollen in den kommenden Jahren einen Highspeed-Internetzugang erhalten.

Trump kann seine Mauer bauen. Doch sie hilft nichts gegen europäische Testprotokolle, indische Codezeilen und chinesische Trickfilmcharaktere. Und auch die mexikanische Digitalwirtschaft wird ihre Dienstleistungen problemlos über die Mauer funken oder darunter hindurchleiten. Falls Trump auch noch die Internetverbindungen kappt, nehmen mexikanische Digitaldienstleister den Umweg über einen europäischen Server. Das dauert nicht einmal eine Zehntelsekunde länger.

Falsche Versprechungen wider besseren Wissens

Weiß Trump das nicht? Unvorstellbar. Einer seiner größten Unterstützer heißt Peter Thiel, Mitgründer von Paypal  und einer der frühen Investoren bei Facebook . Thiel gehört zu den bekanntesten Investoren im Silicon Valley. Investopedia  berichtet über seine Investments: Unter anderem hat Thiel sein Geld bei Oscar angelegt, der ersten digitalen Krankenversicherung, die ohne große Verwaltungsapparate auskommt. Der von ihm mitgegründete Founders Fund  hält Anteile an Airbnb und dem Uber-Konkurrenten Lyft. Dass Thiel die leeren Versprechen von Donald Trump nicht durchschaut, ist so wahrscheinlich wie Donald Duck als US-Präsident. Und dass Trump die Mechanismen der Digitalisierung nicht kennt, ist ebenfalls schwer vorstellbar.

Warum also macht Trump Versprechen, die er nicht halten kann? Hier ist er genauso unaufrichtig wie das Politikestablishment, das er kritisiert. Ziel ist die Präsidentschaft. Was danach kommt? Egal.

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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