Polarisierer Trump siegt bei US-Wahl Warum Trumps Hass-Welle gegen Clinton so erfolgreich war

Hillary Clinton in North Carolina - bei einem ihrer letzten Wahlkampfauftritte vor der Stimmzettelabgabe

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Er hatte vorab erklärt, dass die Experten mit ihren Prognosen unrecht haben werden - und damit behielt er recht : Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heißt tatsächlich Donald Trump.

Die letzten Umfragen vor dem Wahlgang, die Online-Wettbörsen, die politischen Experten: Sie alle sagten noch vor wenigen Stunden einen Sieg Hillary Clintons voraus. Der Immobilien-Milliardär hatte - wenig überraschend - vorab erklärt, dass all die Experten falsch liegen werden.

Das passte gut zu seinem Wahlkampfversprechen, ein Anti-Eliten-Kandidat zu sein. Der 45. Präsident der vereinigten Staaten dürfte wohl der 70-jährige Mann mit dem orangefarbenen Haar, den populistischen Gehabe und den schrillen Sprüchen werden. Im Wahlkampf hatte Trump seine Widersacherin Clinton gerne als Gesetzesbrecherin dargestellt - als Politikerin, die es jahrzehntelang mit Recht und Ordnung der USA nicht so genau nahm.

Dazu passten auch die Schlachtrufe seiner Anhänger, Hillary Clinton doch bitte einzubuchten. Kontroversen um gelöschte, vorgeblich private E-Mails, zu lasche Sicherheitsvorkehrungen bei US-Einrichtungen im Ausland, anrüchige Immobilien-Deals: Die Liste der angeblichen Verfehlungen von Clinton ist lang - die Clinton-Hasser können da quasi aus dem Vollen schöpfen.

Denn Clinton ist seit 15 Jahren hauptberuflich Politikerin und damit im Licht der Öffentlichkeit. Sie war Senatorin des Bundesstaats New York, sie trat bereits 2008 als Präsidentschaftskandidatin an, in der ersten Amtszeit von Barack Obama war sie vier Jahre lang Außenministerin. Erste Politikerfahrung machte bereits im Jahr 1974 - als Rechtsberaterin für den Justizausschuss des Repräsentantenhauses. Die studierte Juristin kommt also auf vier Jahrzehnte Politikerfahrung. Die hat auch ihr Mann, Ex-Präsident Bill Clinton.

Seit Jahrzehnten versuchen Konservative und politische Widersacher in den USA, die Clintons vor ein Gericht zu zerren und ihnen Gesetzesverstöße nachzuweisen. Bisher ist das nicht geglückt. Die typische Clinton-Kontroverse, so schreibt das US-Magazin "The Atlantic", habe ein bestimmtes Muster: Zuerst tauche etwas auf, das potenziell skandalös erscheine, doch sich bald als harmlos herausstelle. Doch eine genauere Untersuchung fördert ein fragwürdiges Verhalten der Clintons zutage.

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So war es zuletzt in der Kontroverse um einen privaten E-Mail-Server, den Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin im Keller ihres Hauses aufstellen ließ. Rechtlich verbotenwar ihr das nicht. Allerdings konnten sie und ihr Stab so entscheiden, welche E-Mails aus den Jahren 2009 bis 2013 sie dem US-Außenministerium als öffentliche Dokumente zur Verfügung stellen - und welche eben nicht. Die als "persönlich" deklarierten Mails hat Clinton löschen lassen. Und auch die Frage, warum Clinton so alle Sicherheitsvorkehrungen ihrer Beamten torpedierte, konnte sie nie zufriedenstellend beantworten.

Trump und auch die Republikaner taten sich dadurch leichter, Clinton als etwas schmierige, moralisch fragwürdige Politikerin zu charakterisieren - eben als abgehobene Vertreterin des Establishments, die sich über Grenzen hinwegsetzt, die für "normale" Bürger gelten.

Vorwurf der Käuflichkeit - wegen des Vortrags-Business der Clintons

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Es ist ein Vorwurf, der den Clintons schon oft gemacht wurde. Etwa in der berüchtigten "Whitewater"-Affäre um ein schiefgegangenes Immobilieninvestment, dass die Clintons im Jahr 1978 machten. Bill Clinton war damals Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Arkansas. Dabei soll er, so der Vorwurf seiner politischen Widersacher, einen Banker zur Gewährung eines Kredits an seine Whitewater-Geschäftspartnerin genötigt haben. Untersuchungen der US-Wertpapieraufsicht führten aber nicht dazu, dass gegen die Clintons ein Verfahren eingeleitet wurde.

Republikaner haben Clinton auch vorgeworfen, dass sie als Außenministerin US-Einrichtungen nicht ausreichend schützen ließ. Als Beleg dafür diente ihren Gegnern die Attacke auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengazi am 11. September 2012. Dabei starben der Botschafter und drei weitere Amerikaner. Ein Komitee des Repräsentantenhauses untersuchte die Vorwürfe und kam zu dem Schluss, dass die Sicherheitsvorkehrungen des US-Konsulats nicht ausreichend waren. Doch Clinton selbst konstatierte der Ausschuss kein Fehlverhalten. Allerdings kam im Zuge der Untersuchung ans Licht, dass Clinton eben einen privaten E-Mail-Server nutzte.

Dass Clinton käuflich wäre, ist ein weiterer beliebter Vorwurf ihrer Gegner. Als Beleg dienen die Millioneneinnahmen, die Bill und Hillary Clinton sowie ihre Tochter Chelsea durch Reden erzielt haben. Bill schied im Jahr 2001 aus dem Amt, seither haben die Clintons gutes Geld mit seinem Ruf verdient.

Interessenskonflikte beschädigten Clintons Glaubwürdigkeit

Das musste das Ehepaar wohl auch. Die Rechtsstreitigkeiten in der Zeit von Bill Clintons Präsidentschaft führten dazu, dass das Weiße Haus hochverschuldet verließ. Dennoch wirft das Vortrags-Business eine Reihe unangenehmer Fragen auf: So hielt Hillary Clinton nach 2013 drei Reden vor Goldman-Sachs-Bankern. Macht sie das empfänglich für etwaige Gegengefälligkeiten? Wie genau haben die Clintons entschieden, welche Rede-Einnahmen auf das Konto ihrer wohltätigen Stiftung gehen - und welche als persönliches Einkommen deklariert wurden?

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Es sind genau solche potenziellen Interessenskonflikte, die Clinton im Wahlkampf eine Menge Glaubwürdigkeit gekostet haben. Und sie sind wohl auch ein Grund dafür, dass Clinton bei vielen Konservativen regelrecht verhasst ist. Denn die halten die US-Regierung in Washington gerne für eine Gaunertruppe, die sie mit Steuern und Abgaben um ihren hart erarbeiteten Lohn prellt.

Dass Donald Trump als Immobilien-Unternehmer ebenfalls zahlreiche Kompromisse mit Beamten eingegangen sein muss - geschenkt. Die spröde und wenig volksnahe Politikerin Clinton eignet sich besser als Hassobjekt. Denn Vorwürfe pariert der großspurige Unternehmer Trump meist mit Gegenangriffen, während Clinton oft erst spät reagiert hat. Das macht es leichter, sie einfach nicht zu mögen - und dürfte sie die Präsidentschaft gekostet haben.

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