Montag, 16. September 2019

Polarisierer Trump siegt bei US-Wahl Warum Trumps Hass-Welle gegen Clinton so erfolgreich war

Hillary Clinton in North Carolina - bei einem ihrer letzten Wahlkampfauftritte vor der Stimmzettelabgabe

Er hatte vorab erklärt, dass die Experten mit ihren Prognosen unrecht haben werden - und damit behielt er recht : Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heißt tatsächlich Donald Trump.

Die letzten Umfragen vor dem Wahlgang, die Online-Wettbörsen, die politischen Experten: Sie alle sagten noch vor wenigen Stunden einen Sieg Hillary Clintons voraus. Der Immobilien-Milliardär hatte - wenig überraschend - vorab erklärt, dass all die Experten falsch liegen werden.

Das passte gut zu seinem Wahlkampfversprechen, ein Anti-Eliten-Kandidat zu sein. Der 45. Präsident der vereinigten Staaten dürfte wohl der 70-jährige Mann mit dem orangefarbenen Haar, den populistischen Gehabe und den schrillen Sprüchen werden. Im Wahlkampf hatte Trump seine Widersacherin Clinton gerne als Gesetzesbrecherin dargestellt - als Politikerin, die es jahrzehntelang mit Recht und Ordnung der USA nicht so genau nahm.

Dazu passten auch die Schlachtrufe seiner Anhänger, Hillary Clinton doch bitte einzubuchten. Kontroversen um gelöschte, vorgeblich private E-Mails, zu lasche Sicherheitsvorkehrungen bei US-Einrichtungen im Ausland, anrüchige Immobilien-Deals: Die Liste der angeblichen Verfehlungen von Clinton ist lang - die Clinton-Hasser können da quasi aus dem Vollen schöpfen.

Denn Clinton ist seit 15 Jahren hauptberuflich Politikerin und damit im Licht der Öffentlichkeit. Sie war Senatorin des Bundesstaats New York, sie trat bereits 2008 als Präsidentschaftskandidatin an, in der ersten Amtszeit von Barack Obama war sie vier Jahre lang Außenministerin. Erste Politikerfahrung machte bereits im Jahr 1974 - als Rechtsberaterin für den Justizausschuss des Repräsentantenhauses. Die studierte Juristin kommt also auf vier Jahrzehnte Politikerfahrung. Die hat auch ihr Mann, Ex-Präsident Bill Clinton.

Seit Jahrzehnten versuchen Konservative und politische Widersacher in den USA, die Clintons vor ein Gericht zu zerren und ihnen Gesetzesverstöße nachzuweisen. Bisher ist das nicht geglückt. Die typische Clinton-Kontroverse, so schreibt das US-Magazin "The Atlantic", habe ein bestimmtes Muster: Zuerst tauche etwas auf, das potenziell skandalös erscheine, doch sich bald als harmlos herausstelle. Doch eine genauere Untersuchung fördert ein fragwürdiges Verhalten der Clintons zutage.

Die Clinton-Deals: Rechtlich in Ordnung, moralisch nicht ganz integer

So war es zuletzt in der Kontroverse um einen privaten E-Mail-Server, den Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin im Keller ihres Hauses aufstellen ließ. Rechtlich verbotenwar ihr das nicht. Allerdings konnten sie und ihr Stab so entscheiden, welche E-Mails aus den Jahren 2009 bis 2013 sie dem US-Außenministerium als öffentliche Dokumente zur Verfügung stellen - und welche eben nicht. Die als "persönlich" deklarierten Mails hat Clinton löschen lassen. Und auch die Frage, warum Clinton so alle Sicherheitsvorkehrungen ihrer Beamten torpedierte, konnte sie nie zufriedenstellend beantworten.

Trump und auch die Republikaner taten sich dadurch leichter, Clinton als etwas schmierige, moralisch fragwürdige Politikerin zu charakterisieren - eben als abgehobene Vertreterin des Establishments, die sich über Grenzen hinwegsetzt, die für "normale" Bürger gelten.

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