US-Wirtschaft in Grafiken So sieht Trumps Bilanz wirklich aus

Wenn Donald Trump in Wählerumfragen punkten kann, dann zumeist mit dem Thema Wirtschaft. Doch was hat der US-Präsident in seiner bisherigen Amtszeit tatsächlich erreicht? Eine Bilanz in Grafiken.
Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Nevada am 18. Oktober

Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Nevada am 18. Oktober

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Wenn da nur nicht Corona wäre. Vor allem der Umgang mit der Pandemie - laut Umfragen das Thema, das Amerikas Wähler vor der US-Präsidentenwahl am meisten bewegt - wird Präsident Donald Trump (74) angelastet. Auf der anderen Seite genießt Trump weiterhin hohe Zustimmung der Wähler, die das Thema Wirtschaft als wichtigstes Wahlmotiv nennen. Und das, obwohl auch die aktuelle Wirtschaftslage stark von Corona geprägt ist.

Was hat der als politischer Disruptor angetretene Präsident in den vergangenen vier Jahren seiner Amtszeit erreicht? Eine Bilanz in Grafiken.

Am Arbeitsmarkt zeigt sich der Corona-Schock besonders deutlich. In Amerikas Hire-and-Fire-System sorgte der Lockdown im Frühjahr dafür, dass schlagartig 22 Millionen Menschen ihre Jobs verloren. Die anschließende Lockerung im Sommer brachte einen Großteil davon zurück, aber längst nicht alle.

Für die Zeit vor der Pandemie könnte Trump einen regelrechten Boom für sich reklamieren. Über Monate hielt sich die Arbeitslosenquote auf einem seit Jahrzehnten nicht gesehenen Tiefstand von 3,5 Prozent - niedriger, als es nach gängiger Lehrmeinung überhaupt möglich sein soll, ohne eine Hyperinflation auszulösen. Diese These hat die Wirtschaft der Trump-Ära Lügen gestraft.

Ganz so außergewöhnlich ist der Boom allerdings nicht - er setzte nur, etwas gebremst, den unter Vorgänger Barack Obama begonnenen Aufschwung fort. Gleiches gelang zuvor auch unter George W. Bush und Bill Clinton, bevor die Wirtschaft jeweils wieder in die Krise stürzte.

Aktuell liegt die Arbeitslosenrate zwar deutlich höher als bei Trumps Antritt, aber wieder im historisch normalen Bereich. Jedoch zeigt die nach Bevölkerungsgruppen differenzierte Grafik, was Herausforderer Joe Biden (77) mit einem "K-förmigen Aufschwung" meint: Für manche geht es wieder aufwärts, für andere weiter abwärts. Die Spaltung des Landes nach Rassengrenzen wird von Trump auch noch politisch befeuert. Dass Afroamerikaner und Hispanics wirtschaftlich benachteiligt sind, ist kein neues Problem. Asiatischstämmige Amerikaner aber fallen erstmals hinter den Durchschnitt zurück. "America first" heißt Aufschwung nur für Weiße.

Am deutlichsten weicht Donald Trumps wirtschaftspolitische Haltung in der Handelspolitik vom etablierten Konsens ab. Runde um Runde hat seine Regierung Zölle erhöht, um Handelspartner zu schwächen und Produktion ins Inland zu verlagern. Mit bescheidenem Erfolg: Das seit den 70er-Jahren chronische Defizit der US-Handelsbilanz ist in Trumps Amtszeit gewachsen. Nur 2019 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres - auch wegen des früheren Lockdowns im Hauptlieferland China - schien der Trend gebrochen. Inzwischen aber ist Amerika abhängiger von Chinas Waren denn je.

Einen "Closed Shop" verhieß Trump seinen Anhängern mit seiner restriktiven Einwanderungspolitik: Schluss mit der jahrzehntelang geübten Willkommenskultur und dem vor allem für neue Niedriglöhner offenen Arbeitsmarkt. Auch wenn die Zensusbehörde nur Daten bis 2018 liefert: Bis dahin wurde das Wachstum der zugewanderten Bevölkerung zwar merklich gebremst, aber nicht gestoppt - anders als in den 50er- und 60er-Jahren, in die sich manche Trump-Fans wohl als Goldene Ära zurücksehnten.

Ein Argument für die neuen Anhänger aus der weißen Arbeiterklasse, die Trump für die sonst eher oberschichtaffine Republikanische Partei gewann, könnte diese Grafik liefern: Die Schere zwischen Gut- und Schlechtverdienern ist seit 2016 nicht weiter aufgegangen. Die Einkommenslücke klafft zwar weiterhin sperrangelweit offen, aber zumindest ist der Abstand ungefähr gleich geblieben. Allerdings wurde die seit 1980 kontinuierlich laufende Drift bereits in der zweiten Amtszeit von Barack Obama gestoppt. Ein richtiges Parteiprofil lässt sich aus den Trends zur Ungleichheit nicht ablesen. Der Punkt, als die obersten 1 Prozent erstmals mehr verdienten als die untere Bevölkerungshälfte, lag 1995 in der Amtszeit des Demokraten Bill Clinton.

Stärker als in den Einkommen zeigt sich die Ungleichheit in den Vermögen - und hier lohnt sich vor allem ein Blick an die absolute Spitze der Superreichen. Alle der Top Ten aus dem "Forbes"-Ranking von 2016 sind heute reicher als damals, zum Teil mit erheblichem Vermögenszuwachs. In die Liga der Multimilliardäre sind in der Zwischenzeit noch einige mehr vorgestoßen, die damals noch nicht ganz vorn dabei waren. Als großer Gewinner der Trump-Ära darf ausgerechnet der von Trump verachtete Amazon-Chef Jeff Bezos (56) gelten, der in diesem Sommer zeitweise sogar als erster Mensch die Marke von 200 Milliarden Dollar durchbrach - und das, obwohl er zuvor einen Großteil des Vermögens an Exfrau MacKenzie Scott (50) abgeben musste.

Der Hauptgrund für die steigenden Vermögen liegt natürlich an der Börse. Und die boomt trotz Corona. Auch wenn teurere Aktien nur einer reichen Minderheit zugutekommen, werden sie doch als Maßstab für wirtschaftlichen Erfolg gesehen. In dieser Hinsicht sieht Trumps Bilanz gut aus: mehr als 50 Prozent Plus in vier Jahren Amtszeit. Das ist die beste Performance seit, nun ja, Barack Obamas erster Amtszeit.

ak
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