US-Notenbank rückt Zinserhöhung in weite Ferne Fed lässt Zinsen unverändert - Yellen traut sich nicht

Nach der Zinswende im Dezember 2015 gingen Beobachter davon aus, dass die Fed die Zinsen 2016 in zwei weiteren Schritten erhöht. Doch daraus wird nichts: Fed-Chefin Janet Yellen scheut vor einer weiteren Zinserhöhung zurück.
Janet Yellen: Die Glaubwürdigkeit der Fed hat gelitten

Janet Yellen: Die Glaubwürdigkeit der Fed hat gelitten

Foto: Jessica Kourkounis/ AFP

Am Mittwoch hat die US-Notenbank wie erwartet den Leitzins zum vierten Mal in Folge unangetastet in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent gelassen. Mitte Dezember hatte die Notenbank erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins angehoben. Dieser hatte zuvor seit Ende 2008 - also kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte - in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gelegen. Doch von weiteren Zinserhöhungen, wie sie zunächst für das Jahr 2016 geplant waren, rückt die US-Notenbank inzwischen ab.

Das anstehende Brexit-Referendum habe bei der Zinsentscheidung der US-Notenbank vom Mittwoch eine Rolle gespielt. Man habe die Abstimmung bei der Entscheidung berücksichtigt, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen bei einer Pressekonferenz in Washington im Anschluss an den Zinsentscheid.

Die internationale Unsicherheit habe die Geldpolitik stark belastet, sagte Yellen. Die jüngsten Konjunkturdaten bewertete die Notenbankerin als "gemischt".

ie hielt weiterhin daran fest, dass graduelle Zinsanhebungen künftig angezeigt seien, betonte aber auch abermals, dass es keinen fest vorgezeichneten geldpolitischen Kurs gebe. Beobachter werten dies als Vorbereitung darauf, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr erhöhen werde.

"Die Glaubwürdigkeit der Fed hat gelitten"

"Die Glaubwürdigkeit der Fed hat ein Stück weit gelitten", sagte Martin Lück, Chefstratege beim Vermögensverwalter Blackrock in Deutschland. Schließlich habe sie es nicht gewagt, trotz verbesserter Wirtschaftslage einen weiteren Zinsschritt nach oben zu machen. "Daher ist die Fed unter großem Druck." Angesichts der Globalisierung der Finanzmärkte muss die Fed jedoch immer mehr auch Entwicklungen in Europa und Asien berücksichtigen. "Dies macht die Geldpolitik für die Fed immer komplexer."

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Die zögerliche Haltung der Fed kritisiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Schließlich gibt es in jedem Jahr einen Monat mit einem schlechten Arbeitsmarktbericht." An dem aus seiner Sicht guten Zustand der US-Wirtschaft ändere dieser nichts. "Die US-Notenbank sollte endlich Vertrauen in die US-Wirtschaft fassen und die Märkte wieder führen, statt sich von ihnen führen zu lassen", so Krämer.

la/dpa/reuters