5,4 Prozent im Juni "Inflationsspuk" in den USA noch lange nicht vorbei

Die US-Inflation steigt überraschend stark auf 5,4 Prozent und damit auf höchsten Stand seit August 2008. Alles nur ein temporäres Problem?
Weniger Kaufkraft: Bei einer Inflationsrate von 5,4 bekommen die US-Bürger deutlich weniger für ihr hart erarbeitetes Geld

Weniger Kaufkraft: Bei einer Inflationsrate von 5,4 bekommen die US-Bürger deutlich weniger für ihr hart erarbeitetes Geld

Foto: Arno Burgi/ dpa

Die US-Verbraucherpreise sind überraschend noch weiter gestiegen und haben Spekulationen auf eine vorzeitige Zinswende genährt. Die Inflationsrate kletterte im Juni auf 5,4 Prozent, teilte das Arbeitsministerium am Dienstag mit. Das ist der höchste Stand seit 2008. Im Mai hatte die Inflation bei 5,0 Prozent gelegen. Zum Vergleich: In Deutschland ging die Inflationsrate zuletzt leicht auf 2,3 Prozent zurück.

Experten hatten für die USA einen leichten Rückgang erwartet. Nun hat sich die Inflationsrate auch für sie überraschend noch weiter vom Ziel der US-Zentralbank Fed von zwei Prozent entfernt. "Selbst die größten Pessimisten hatten nicht mit einem derart starken Anstieg der Inflation gerechnet", sagt Dirk Chlench, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die US-Notenbank werde nun unter heftigen Druck geraten, ihren "ultra-expansiven geldpolitischen Kurs" zu beenden, sagt der Ökonom voraus.

Dass dies am Finanzmarkt so erwartet wird, zeigten auch die unmittelbaren Reaktionen: Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,4 Prozent auf 92,601 Punkte. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro auf 1,1807 Dollar. Aus den Depots flogen auch US-Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Bonds auf 1,381 Prozent.

Euro fällt, US-Bonds fliegen aus dem Depot

Der Anstieg der Inflationsrate wird durch die Aufhebung von immer weiteren Corona-Beschränkungen begünstigt. So sind die Preise für Hotelaufenthalte, Autovermietungen, Bekleidung und Flugreisen deutlich gestiegen. Vor allem aber wurden Gebrauchtwagen deutlich teurer. Der Ölpreis liegt ebenfalls immer noch höher als im Vorjahresmonat.

Eine entscheidende Frage ist, wie dauerhaft diese Preissteigerungen die Inflation in die Höhe treiben. Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe geht davon aus, dass diese Einflussfaktoren bald an Antrieb verlieren, auch wenn "der Inflationsspuk" noch nicht vorbei sei. Auch die Federal Reserve ist überzeugt, dass die anziehende Inflation ein vorübergehendes Phänomen bleibt. Denn im Vorjahresvergleich ergeben sich wegen des Konjunktureinbruchs im Jahr 2020 hohe Preissteigerungsraten.

Die Fed stützt die US-Wirtschaft momentan mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar. Sie will an den Anleihekäufen festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Zuletzt war in der Fed allerdings bereits eine Debatte über ein künftiges Herunterfahren der Konjunkturhilfen in Gang gekommen. Mehrere Teilnehmer der jüngsten Fed-Zinssitzung rechneten angesichts des Aufschwungs zudem etwas früher als bislang damit, dass die Bedingungen für einen Einstieg in den Ausstieg der ultra-laxen Geldpolitik gegeben sein dürften.

Fed-Chef Jerome Powell (68) hat allerdings signalisiert, an der Zinsfront Geduld zu bewahren. Er wird bei Kongressanhörungen in den beiden kommenden Tagen erneut Gelegenheit haben, seine Position zu erläutern. Angesichts der längst nicht ausgestandenen Krise hält die Fed den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter, dass es 2023 eine Erhöhung geben könnte.

Analyst spricht von "klarer Zielverfehlung der Fed"

Analyst Bernd Krampen von der NordLB hat an diesem Ziel Zweifel, er hält den Preisschub nicht für ein temporäres Problem ist: "Unseres Erachtens dürfte die Inflation im weiteren Verlauf des Jahres in einem unangenehmen Bereich von 5 Prozent verharren, was eine klare Zielverfehlung für die Fed bedeutet."

Bereits die aktuellen Inflationsdaten dürften die Debatte über einen geldpolitischen Kurswechsel befeuern, sagt auch Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank: "Wir erwarten, dass die US-Notenbank in den nächsten Monaten entsprechende Signale senden und im vierten Quartal beschließen wird, die Anleihenkäufe zurückzufahren."

rei/Reuters /DPA
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