Sonntag, 31. Mai 2020

US-Attacken gegen das deutsche Exportwirtschaftsmodell Trump sei Dank - der wahre Kern des Deutschland-Bashings

US-Präsident Donald Trump während seines Telefonats mit Angela Merkel am 28. Januar im Oval Office.

5. Teil: Danke, Donald Trump!

Wir verfolgen seit Jahren eine Politik, die unseren eigentlichen Interessen zuwiderläuft: nicht nur verschleudern wir Vermögen - was auch erklärt, warum wir trotz fleißigen Sparens die Ärmsten in der Eurozone sind - wir lassen unsere Infrastruktur verfallen und machen uns in der EU und der Welt zunehmend unbeliebt.

Nirgendwo steht geschrieben, dass Arbeitsplätze nur in der Exportwirtschaft entstehen können. Auf vielen Gebieten der Binnenwirtschaft haben wir Nachholbedarf, vor allem dann, wenn wir anfangen im eigenen Land zu investieren. Der Staat sollte hier vorangehen, aber auch die Anreize für Unternehmen deutlich erhöhen.

Statt den aufkommenden Protektionismus der USA Donald Trumps und anderer Länder zu beklagen, sollten wir ihn als willkommenen Weckruf begreifen und

* In Deutschland mehr investieren, um die einseitige Exportorientierung zu überwinden.

* Einen Staatsfonds nach dem Muster von Norwegen oder Singapur aufbauen, um unser Auslandsvermögen endlich besser anzulegen (statt beispielsweise in Form von zinslosen und hoch ausfallgefährdeten Target-II-Forderungen bei der Bundesbank).

* Die Eurozone endlich sanieren, durch einen umfangreichen Schuldenschnitt und eine Neuordnung der Mitgliedsländer.

Dieser Politikwechsel ist in unserem eigenen Interesse. Es ist höchste Zeit ihn zu vollziehen. Tun wir es nicht, dürfte das Erwachen aus unserer derzeitigen Wohlstandsillusion noch schmerzhafter werden.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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