Tempo lässt nach US-Arbeitsmarkt erholt sich deutlich langsamer

Der US-Arbeitsmarkt erholt sich weiter vom schweren Einbruch im Frühjahr. Doch das Tempo insbesondere beim Stellenaufbau nimmt beträchtlich ab. Manche Ökonomen sehen jetzt die US-Notebank am Zug.
Arbeitslose vor US-Jobcenter: Die Schlangen waren zu Beginn der Corona-Krise schon mal länger, doch die Erholung stockt. Die wieder steigenden Neuinfektionen könnten mit einhergehenden Kontaktbeschränkungen den Arbeitsmarkt wieder komplett ausbremsen, befürchten Beobachter.

Arbeitslose vor US-Jobcenter: Die Schlangen waren zu Beginn der Corona-Krise schon mal länger, doch die Erholung stockt. Die wieder steigenden Neuinfektionen könnten mit einhergehenden Kontaktbeschränkungen den Arbeitsmarkt wieder komplett ausbremsen, befürchten Beobachter.

Foto: John Locher/ DPA

Trozt steigender Corona-Zahlen und neuer Kontaktbeschränkungen in weiten Teilen des Landes ist die US-Arbeitslosenquote im November etwas stärker gesunken als erwartet. Die Quote rutschte von 6,9 Prozent im Vormonat auf 6,7 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 6,8 Prozent gerechnet.

Allerdings schaffen es die Unternehmen nach den ersten Entlassungswellen nicht mehr so schnell neue Stellen wie zuletzt. Das Tempo beim Jobaufbau ging zurück. Im November schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft nur noch 245.000 Jobs, so die Regierung. Ökonomen hatten mit fast doppelt so vielen gerechnet. Im Oktober waren noch 610.000 neue Jobs entstanden, im September 711.000.

Gut die Hälfte der Jobs ist noch nicht zurückgewonnen

Vom starken Niveau vor der Corona-Krise, als die Arbeitslosenquote lediglich 3,5 Prozent betrug, ist der US-Arbeitsmarkt ohnehin immer noch weit entfernt. Die Pandemie hatte die US-Wirtschaft im Frühjahr vorübergehend fast zum Stillstand gebracht und die Arbeitslosenquote mit mehr als 14 Prozent zeitweise auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg steigen lassen.

Insgesamt gingen in der Krise in den USA mehr als 22 Millionen Jobs verloren. Der Arbeitsmarkt hat sich zwar erholt, doch wurde bislang lediglich etwas mehr als die Hälfte der verloren gegangenen Jobs zurückgewonnen. Angesichts neuer Corona-Wellen steht der Aufschwung des US-Arbeitsmarktes nun erneut infrage. Denn mit den vielerorts geltenden neuen Beschränkungen, die Unternehmen auferlegt werden, könnten mehr Unternehmen sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen.

US-Notenbankchef Jerome Powell (67) sieht mit Blick auf staatliche Hilfen akuten Handlungsbedarf – insbesondere auch, weil Programme zur Arbeitslosenversicherung zum Jahresende auslaufen. Besonders die unteren Einkommensschichten seien in dieser Lage gefährdet, sagte er diese Woche.

Ökonomen erwarteten Abschwächung

Ökonomen erwarten für den US-Arbeitsmarkt eine weitere Abschwächung. Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe sagte in einer ersten Reaktion: "Die Misere auf dem US-Arbeitsmarkt kann der erneute, aber stark abgeschwächte Jobaufbau nicht übertünchen. Für die kommenden Monate ist mit einer weiter abnehmenden Beschäftigungsdynamik zu rechnen." Auch nach Überwindung der Corona-Pandemie bleibe die Beschäftigungslücke groß. Einige Millionen Arbeitsplätze seien sehr wahrscheinlich unwiederbringlich verloren.

Nach Einschätzung von Thomas Gitzel von der VP Bank bremse die mittlerweile dritte Corona-Welle in den USA die Schaffung neuer Jobs derzeit kräftig. Darunter leide vor allem der personalintensive Dienstleistungssektor. Für die US-Notenbank sollten die Arbeitsmarktdaten ein Alarmzeichen sein, denn der Aufschwung sei unterbrochen. Die Fed werde seiner Einschätzung nach ihre Geldpolitik noch in diesem Jahr expansiver gestalten. Ähnlich bewertete Patrick Boldt von der Helaba die Daten in einer ersten Reaktion. Da die USA noch weit von der Vollbeschäftigung entfernt sind, sei auf lange Sicht auch mit einer Straffung der Geldpolitik zu rechnen.

rei/Reuters, dpa
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