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Thailand: Massenproteste gegen die Regierung

Foto: Rungroj Yongrit/ dpa

Unruhen in Thailand Demonstranten stürmen zwei Ministerien

In Thailand eskalieren die Proteste: Erneut sind Zehntausende gegen die Politik von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra auf die Straße gegangen. Die Protestler stürmten zwei Ministerien - und drohen, alle Regierungsgebäude zu besetzen.

Bangkok - Aufgebrachte Demonstranten haben mehrere Regierungsgebäude in Thailands Hauptstadt Bangkok besetzt. Kurz nachdem sie das Finanzministerium gestürmt hatten, drangen hunderte Gegner von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra auch auf das Gelände des Außenministeriums vor.

Zudem wurden gut ein Dutzend weitere Regierungsgebäude sowie Fernsehsender, Kasernen und Polizeiwachen belagert. Es ist die heftigste Protestwelle in Thailand seit den tödlichen Unruhen im Frühjahr 2010.

"Mehrere hundert Demonstranten haben das Tor niedergerissen und den Komplex des Außenministeriums betreten", sagte ein Ministeriumssprecher. Die Protestierenden hielten zwar das Gelände besetzt, seien aber in keines der Gebäude eingedrungen. Mitarbeiter des Ministeriums wurden demnach von den Eindringlingen zum Verlassen der Anlage aufgerufen und angewiesen, auch am Folgetag nicht zum Dienst zu erscheinen.

"Morgen werden wir alle Ministerien stürmen"

Auf dem Gelände des Finanzministeriums schwenkten derweil hunderte Demonstranten Fahnen und tanzten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. "Morgen werden wir alle Ministerien stürmen", drohte der Anführer der Proteste, Suthep Thaugsuban. "Das System Thaksin kann nicht länger funktionieren."

Nach Einschätzung des Politikexperten Thitinan Pongsudhirak von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok wird es angesichts der von zehntausenden Demonstranten getragenen Proteste "für Yingluck sehr schwierig, im Amt zu bleiben". Einen Rücktritt lehnte die Regierungschefin aber ebenso ab wie die Auflösung des Parlaments.

Schon am Sonntag waren Behördenangaben zufolge 180.000 regierungsfeindliche Demonstranten auf die Straßen der Hauptstadt gezogen. Sie begehren gegen Yingluck und ihren Bruder auf, den schwerreichen Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 vom Militär gestürzt worden war. Die oberste Staatsgewalt geht in Thailand vom beliebten, aber durch Krankheit geschwächten König Bhumibol Adulyadej aus. Seit 1932 gab es in dem südostasiatischen Staat 18 Umstürze und Putschversuche.

Amnestieplan erhitzt die Gemüter

Teilnehmer der Kundgebungen am Montag riefen "Thaksin raus - Armee rein!" Die Opposition hatte ihre Anhänger als Reaktion auf einen umstrittenen Amnestieplan der Regierung mobilisiert. Sie fürchtet, dass die Amnestie auch Thaksin zu Gute kommen könnte, der in Dubai im Exil lebt. Zwar wurde das Gesetz vom Senat kürzlich abgewiesen, doch dauern die Proteste an.

Rund 50.000 Anhänger der Regierung, sogenannte Rothemden, hatten sich über Nacht in einem Fußball-Stadion in einem Vorort von Bangkok versammelt. Am Montag traten sie jedoch zunächst nicht größer in Erscheinung.

Thaksin ist vor allem in ländlichen Regionen und bei ärmeren Stadtbewohnern beliebt, für die Mittelklasse und Oberschicht aber ein Feindbild. Seine Gegner werfen ihm Korruption und Stimmungsmache gegen die Monarchie vor.

Ähnliche Massenkundgebungen wie dieser Tage hatte es in Thailand seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr gegeben. Damals wurden bei wochenlangen Protesten gegen die amtierende Regierung mehr als 90 Menschen getötet und etwa 1900 weitere verletzt.

la/ts/afp