Mittwoch, 13. November 2019

Mitgliedsbeiträge fehlen Knapp bei Kasse - Vereinte Nationen stellen Rolltreppen ab

Rolltreppe (Symbolbild)

Es sind nur ein paar abgesperrte Rolltreppen, doch sie symbolisieren das momentan wohl drängendste Problem der Vereinten Nationen: Die Welt-Organisation braucht dringend Geld. Weil viele Länder ihren Mitgliedsbeitrag noch nicht gezahlt haben, sind die UN seit Oktober knapp bei Kasse. Deswegen wird jetzt auch der Strom für die Rolltreppen im New Yorker UN-Hochhaus gespart.

UN-Gebäude in New York

Es ist nicht die einzige Sparmaßnahme, die UN-Chef António Guterres angeordnet hat. Außerdem wurden ein Einstellungsstopp verkündet und Empfänge zu später Stunde sowie nicht nötige Reisen verboten. Im Hauptquartier am East River - und auch am Standort Genf - werden auch die Heizungen und Klimaanlagen nur noch eingeschränkt hochgefahren.

Der Hintergrund: Von 193 Mitgliedsstaaten haben bislang erst 134 ihre Beiträge für das Jahr bezahlt - Deutschland hat insgesamt gut 169,8 Millionen Dollar (etwa 154 Millionen Euro) bis zum 5. Februar überwiesen. Noch warten die UN aber auf 1,18 Milliarden Dollar. Schmerzhaft sind dabei unter anderem die noch fehlenden Beiträge aus den USA, Brasilien, Argentinien, Iran oder Israel. Sie machen einen großen Teil des Loches in der Kasse aus.

Es passiert nicht zum ersten Mal, dass das Geld bei den UN zum Jahresende knapp wird. Doch der Trend geht dahin, dass immer mehr Länder immer später bezahlen. Medienangaben zufolge schulden alleine die USA den Vereinten Nationen noch Hunderte Millionen, auch aus den vergangenen Jahren.

Muss man jetzt Angst haben um die UN? Nein, sagt Experte Richard Gowan vom Think Tank Crisis Group. Es sei schließlich nur ein Liquiditätsproblem, aber keine Finanzkrise. "Sogar die Vereinigten Staaten werden am Ende ihre finanziellen Verpflichtungen in diesem Jahr erfüllen." Zu erwähnen sei dabei, dass Washington gleichzeitig ein Vielfaches anderer großer Staaten für UN-Unterorganisationen wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR zahle.

Die Sparmaßnahmen scheinen indes angesichts Tausender Angestellter und des weltweiten UN-Büronetzes überschaubar. Auf Nachfrage gaben die Vereinten Nationen an, durch die stillgelegten Rolltreppen 14 000 Dollar pro Jahr zu sparen - also 38 Dollar am Tag.

Vor allem Journalisten nehmen die Maßnahme in den Fokus: Ihre Büros liegen in den unteren Stockwerken, die sonst durch die Rolltreppen gut verbunden sind. Nun müssen sie entweder quälend langsame Aufzüge oder Treppenhäuser benutzen. Einige wittern sogar ein abgekartetes Spiel: Die UN, so die Theorie, wollten die Reporter ärgern, um die Aufmerksamkeit auf die ausstehenden Mitgliedsbeiträge zu lenken - was durchaus funktioniert.

Kein Wunder also, dass in der täglichen Pressekonferenz des Sprechers von Generalsekretär António Guterres neben den Krisenherden im Irak, im Jemen oder Sudan immer wieder ein Thema angesprochen wird. Warum die stillgelegten Rolltreppen denn nicht wenigstens begehbar statt abgesperrt seien, fragt ein Korrespondent.

Sprecher Stéphane Dujarric fällt das Ernstbleiben sichtbar schwer, während er elaboriert, wie gefährlich stehende Rolltreppen mit ihren hohen Stufen und "extrem scharfen und metallischen" Kanten sein können. Warum dürfe man dann in Genf auf ihnen gehen, insistiert der Reporter. Dujarric entgegnet, dass er nur ein Experte für nordamerikanische Rolltreppen sei.

Bei einem anderen Briefing schließlich kommt eine neue Idee auf: Könne man nicht woanders einsparen, zum Beispiel Schafe den UN-Rasen "mähen" lassen? Dujarric schlägt vor, die UN-Mission Neuseelands um Hilfe zu bitten. Doch auch das hilft vorerst offenbar nicht: Die Rolltreppen bleiben still.

Benno Schwinghammer, dpa

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