Ungleiche Einkommen in den USA Ärzte toppen CEOs - und mehr aus der großen Neid-Tabelle

Spitzenverdiener: Ärzte toppen mit ihren Gehältern schon mal CEOs

Spitzenverdiener: Ärzte toppen mit ihren Gehältern schon mal CEOs

Foto: Corbis

Im Wahljahr 2016 ist es das Megathema: Die Zerrissenheit der amerikanischen Nation zwischen Reich und Arm. Pünktlich zu Präsident Obamas Rede zur Lage der Nation hat das Washington Center for Equitable Growth, das die gleichmäßige Teilhabe aller am Wachstum schon im Namen trägt, das ultimative Werkzeug für diese Debatte erschaffen.

Auf Basis von Zensusdaten hat das Institut eine umfassende, interaktive Grafik  erzeugt, die geeignet ist, Neid oder Wut zu schüren, vielleicht auch Mitleid zu wecken oder sogar eine informierte Diskussion zu ermöglichen.

Die Tabelle lässt einen detaillierten Blick auf Amerikas Einkommensverhältnisse zu, unterteilt in zehn Schichten (Dezile) von Arm und Reich - nicht nur unterschieden nach Geschlechtern, sondern auch nach Hautfarbe oder Herkunft. Außerdem sind in jeder Gruppe die drei häufigsten Berufe ausgewiesen. Unterschiede in der Arbeitszeit werden durch die Konzentration auf den Stundenlohn ausgeglichen.

Hier einige ausgewählte Erkenntnisse, die sich aus der Grafik gewinnen lassen:

  • das mittlere (Median-)Einkommen, das die untere von der oberen Hälfte der Angestellten trennt, beträgt 17,71 Dollar pro Stunde - symbolisch nah am Gründungsjahr der Vereinigten Staaten, 1776
  • die Mitte der Gesellschaft bilden Einzelhandelskaufleute, Lastwagenfahrer und Sekretärinnen
  • im obersten Dezil (der Gruppe der Top-Verdiener) sind Manager und Firmenchefs vor Software-Entwicklern am stärksten vertreten

Der Topverdienst gehört einer Frau

  • um zu den 10 Prozent der bestbezahlten CEOs zu gehören, reicht ein Stundenverdienst von 89 Dollar - bei Ärzten liegt die Grenze mit 93 Dollar sogar noch ein bisschen höher
  • die ärmeren Chefs bleiben unter 20 Dollar. Während die Skala der Ärzte noch deutlich weiter nach unten reicht, begnügen sich nur 10 Prozent der Software-Entwickler mit weniger als 22 Dollar
  • das mit 363 Dollar pro Stunde höchste Einkommen, das in die Statistik einging, gehört offenbar einer Frau, die keiner der großen ethnischen Gruppen zugerechnet wurde. Der reichste weiße Mann folgt mit 357 Dollar leicht dahinter
  • am oberen und am unteren Ende der Verteilung liegen Weiße in der Einkommensreihenfolge vor Asiaten, gefolgt von Latinos und Afroamerikanern
  • in der Mitte jedoch sieht es anders aus: das Median-Einkommen der asiatischstämmigen Amerikaner (in dieser Schicht zumeist Buchprüfer, Krankenschwestern oder Hochschullehrer) ist mit 20,32 Dollar höher als das der Weißen, noch hinter den Afroamerikanern liegen die Median-Latinos (oft Hausmeister und Reinigungskräfte, Köche oder Bauarbeiter) am Ende
  • im unteren Dezil dominieren Kassiererinnen, Kellnerinnen und Verkäuferinnen. 10 Prozent der Kellnerinnen melden einen Stundenlohn unter sechs Dollar - noch unter dem bundesweit gültigen Mindestlohn von 7,25 Dollar
  • die 15 Dollar, die in zwei Jahren als Minimum in der Stadt San Francisco gelten sollen, wären derzeit für 40 Prozent der Beschäftigten im Land eine Erhöhung
  • Grund- und Mittelschullehrerinnen sind die stärkste Gruppe unter den 10 Prozent der bestbezahlten Frauen - insgesamt führen sie die obere Mittelschicht (das 6. bis 8. Dezil) an

Was die Grafik nicht verrät, sind die statistisch extremen Ausreißer wie die oberen 1 oder 0,1 Prozent, um deren Privilegien sich die Debatte zunehmend dreht - ebenso wie auf der anderen Seite die Ein-Dollar-Chefs. Hier geht es eher um die große Masse der Amerikaner, für die sich in Dezilen noch ausreichend repräsentative Daten finden lassen.

Außerdem geht es nur um Einkommen, nicht um Vermögen, also den angehäuften Reichtum. Zumindest nach diesem Maßstab wäre Donald Trump, der sich auf Seiten der Republikaner um Obamas Nachfolge bewirbt, weit von der Mitte Amerikas entfernt.


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